Handwerk : Erinnerungen für die Ewigkeit

Arbeiten Hand in Hand: Janet und Bodo Schmock.
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Arbeiten Hand in Hand: Janet und Bodo Schmock.

Janet und Bodo Schmock bieten in ihrer Werkstatt Kurse zur privaten Schmuckfertigung an

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10. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Die eigenen Eheringe selber gestalten und schmieden, Erinnerungen einer Urlaubsreise um den Hals oder am Finger tragen oder eine antike Münze veredeln – all das können Besucher bei Janet und Bodo Schmock in Zichtow erleben und auch erlernen. Seit Kurzem bieten die beiden ausgebildeten Gold- und Silberschmiede Kurse für Einsteiger und Fortgeschrittene in ihrer Werkstatt an. Doch war es bis hierhin ein weiter Weg.

Bereits im Jahr 1997 kamen die beiden Berliner in die Prignitz und versuchten sich mit Wein und Kunst ein berufliches Standbein zu schaffen. Doch auch wenn dieser Weg bereits nach kurzer Zeit endete, konnten einige positive Dinge weitergeführt werden. „Wir haben dann mit Hilfe des Havelberger Mittelaltermarktes gemerkt, dass dieses Publikum sehr interessiert am Handwerk ist,“ erzählt Bodo Schmock.

Und das sogar so sehr, dass die beiden mittlerweile mit ihrer Arbeit zwischen Ostsee und Süddeutschland, in Luxemburg oder Belgien auf den unterschiedlichsten Märkten unterwegs sind. „Es ist dann auch ein vorführendes Gewerk. Die Leute verstehen so die Arbeit, die in den Stücken steckt und sind eher gewillt, für das Handwerk Geld auszugeben“, ergänzt Janet Schmock.

Die Zichtowerin, die sich auf Geschmeide spezialisiert hat, greift bei Ideen für ihre Ringe oder Kettenanhänger meist auf eigenes Gedankengut zurück, aber auch außergewöhnliche Auftragsarbeiten sind möglich.

„So sollte ich für jemanden einmal einen großen Anhänger schmieden, in dem einige Milchzähne seiner Kinder eingearbeitet sind. Zusätzlich sollte eine Silhouette der Familie und darin ein in sich selbst drehender Glückspfennig eingearbeitet sein“, erzählt sie. Keine leichte Aufgabe. Doch auch wenn viele Kinderzähne den Arbeiten nicht standhielten, war der Auftraggeber am Ende begeistert.

Ähnlich sind die Reaktionen auf Bodo Schmocks Werke. Der Silberschmied, der sich auf die Arbeit mit Münzen spezialisiert hat, erschafft mit Hilfe feinster Sägeblätter Kunstwerke aus Geld- oder Gedenkmünzen. „Angefangen hat alles 1975, als das alte 5-DM-Stück aussortiert wurde (Änderung des Materials, da sich der Metallwert dem Nennwert näherte d. Red.). Da habe ich angefangen diese zu zersägen und das Motiv auszuschneiden. Das kam bei Freunden sehr gut an“, erinnert sich der Zichtower.

Sogar so gut, dass seine Arbeiten mittlerweile Krawattenklammern, Schlüsselanhänger oder Jackenknöpfe zieren. Egal ob Münzen aus aller Welt, 1-DM-Stücke oder die 20-Pfennig-Münzen der DDR – bestanden als einzige aus Messing –, alle Motive werden mit den hauchdünnen Sägeblättern ausgeschnitten und in der mit allerlei Geräten und Material ausgestatteten Werkstatt in Zichtow in kleine Kunstwerke verwandelt. Diese Verbindung von Arbeit und Wohnen war vor allem Bodo Schmock damals sehr wichtig. „Ich wollte von Anfang an arbeiten, leben und wohnen, auch wenn wir mittlerweile in der Markt-Saison sehr viel umherreisen müssen.“ Auch aus diesem Grund sollen in den kälteren Monaten nun verstärkt Kursteilnehmer Leben in die Werkstatt bringen.

„Bisher waren alle absolut zufrieden. Die Leute sollen hier Erfahrungen und Wissen mitnehmen, wir wollen nicht nur auf die Finger gucken und anleiten“, erläutert Janet Schmock. Vor allem bei Pärchen, die ihre Eheringe selbst gestalten wollen, ist das Angebot sehr beliebt. „Was man braucht, ist nur etwas Kreativität und auch die Motorik sollte stimmen, zudem darf man bei der filigranen Arbeit nicht ungeduldig sein, sonst ist das Werkstück schnell hin“, verdeutlicht Bodo Schmock.

Dass dies nicht allzu oft vorkommt, dafür sorgen die beiden Zichtower. Für die Laien dauert es etwa zwei mal vier Stunden, in denen sie alle Konzentration und Kraft in ihre Finger legen müssen, ehe ein Ring vollendet ist.

Allgemein dauert es auch manchmal eine Weile „ehe sich jemand für den Kauf zum Beispiel eines Ringes entscheidet. Doch viele sind so zufrieden, dass sie sich über die Jahre eine ganze Kollektion aufbauen“, so Janet Schmock. Es sind eben jene Liebhaberstücke, die, in Eigenkreation oder durch Kursteilnehmerhand gefertigt, die Schönheit der Arbeit der Eheleute ausmachen.

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