Erinnerung an die Wende

Probst Albrecht-Joachim Boldt.
1 von 2
Probst Albrecht-Joachim Boldt.

Die Kirchen waren an der Wende in der DDR maßgeblich beteiligt. Vor 20 Jahren wurden in der Plauer St. Marienkirche die ersten Friedensgebete organisiert und zwar am 24. Oktober 1989. Grund genug für Pastor Stephan Poppe, am Wochenende mit einer Veranstaltung an den Beginn der friedlichen Revolution zu erinnern.

svz.de von
26. Oktober 2009, 09:11 Uhr

Plau am See | Am Sonnabend versammelten sich 36 Teilnehmer an der Wende-Gedenkveranstaltung im Halbkreis um das Taufbecken in der St. Marienkirche, um der ersten öffentlichen Diskussion in diesem Gotteshaus vor 20 Jahren über die Zustände in der damaligen DDR zu gedenken. Viele Plauer Persönlichkeiten wie zum Beispiel Bürgermeister Norbert Reier nahmen daran teil. Orgelbaumeister Wolfgang Nußbücker spielte - wie damals - an der Orgel.

Die Kirche bleibt allerdings weitgehend leer. Vor 20 Jahren war das anders. Damals reichten die Plätze in der St. Marienkirche für die mehr als 1 200 Besuch nicht aus. Sie kamen nicht nur zum Gebet, sondern wollten über die damaligen Verhältnisse in der DDR diskutieren.

Reisefreiheit und weniger Gängelung durch den Staat waren die zentralen Forderungen. "Axel Tohtz forderte dann als erster im Gespräch Demokratie und freie Wahlen ein. Seinerzeit ein großes Wagnis", erinnerte sich der frühere Probst Albrecht-Joachim Boldt.

Er war es, der vor 20 Jahren nach dem Gottesdienst in der St. Marienkirche als zuständiger Pastor zum offenen Gespräch aufforderte. Tohtz, der auch an der Andacht am Sonnabend teilnahm, wurde nach der Wende der erste Plauer Bürgermeister.

"Die Menschen gingen im Oktober 89 mit dem offenen Gespräch in der Kirche ein Risiko ein, das durch die anschließende friedliche Demonstration noch gesteigert wurde", sagte Boldt in seiner Rede. Denn die Staatsorgane, so der frühere Pastor, registrierten derlei Aktivitäten genau. Die spätere Wende und die Einheit Deutschlands erfüllten allerdings längst bei den Menschen nicht alle Hoffnungen.

Pastor Stephan Poppe in seinen Fürbitten: "Wir hatten es mit unserem Recht und mit unserem Rechtsbruch so weit gebracht, dass am Ende nur noch Unrecht herauskommt". Der Theologe gedachte auch derer, die durch die Wende Haus und Hof, ihre Arbeit und ihre Existenzgrundlage verloren hatten.

Plauer St. Marienkirche aus Anlass der ersten Friedensgebete

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen