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Dokumentation in Raben Steinfeld gedreht : Erinnern an den Todesmarsch

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Zwi Steinitz und Jürgen Koch haben das Ende des Todesmarsches 1945 miterlebt - auf ganz unterschiedliche Weise. Steinitz gehört zu den überlebenden KZ-Häftlingen. Koch kam als Kriegsflüchtling nach Raben Steinfeld.

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erstellt am 19.Okt.2012 | 11:27 Uhr

Raben Steinfeld | Zwi Steinitz und Jürgen Koch haben das Ende des Todesmarsches im Mai 1945 in Raben Steinfeld miterlebt - auf ganz unterschiedliche Weise. Steinitz gehört zu den überlebenden KZ-Häftlingen. Koch kam in jungen Jahren als Kriegsflüchtling nach Raben Steinfeld. Beide gehören zu den Zeitzeugen, die gestern 20 künftigen Verwaltungsfachangestellten an historischer Stätte Rede und Antwort standen. Dieses Aufeinandertreffen der Generationen gehört zu einem Projekt an ihrer Berufsschule - dem Oberstufenzentrum Oranienburg.

Zwi Steinitz (85) hieß 1945 noch Helmut. Weil seine Vorfahren Juden waren, wurden seine Eltern und sein Bruder umgebracht. Er selbst musste als billige Arbeitskraft in verschiedenen Lagern schuften und wurde am Ende mit tausenden anderen KZ-Häftlingen auf den Todesmarsch von Sachsenhausen in Richtung Küste geschickt. Als 17-Jähriger ging er am 3. Mai 1945 auf eigenen Füßen in die Freiheit: über die Störbrücke bei Raben Steinfeld in das bereits von amerikanischen Truppen befreite Schwerin. Da der junge Mann seine Familie und seine Heimat verloren hatte, wanderte er aus. Heute lebt Zwi Steinitz in Israel.

Der Raben Steinfelder Jürgen Koch ist 75. Er erlebte die schicksalhaften Tage im Mai aus der Perspektive eines Kindes. "Dass nicht alle Häftlinge Verbrecher waren, darüber wurde in unserer Familie schon geredet, aber laut gesagt werden durfte das nicht", erinnert sich Koch. Die Kinder sollten in Sicherheit bleiben, sich auf jeden Fall von den Häftlingen fern halten. Zuerst zogen noch bewachte Kolonnen durchs Dorf. Doch das änderte sich in den ersten Tagen im Mai 1945. Nachdem die KZ-Wachen verschwunden waren, liefen die Häftlinge nicht nur unbewacht durch Raben Steinfeld. Einige hatten weggeworfene Waffen an sich genommen. "Die haben geschossen - vor Freude in die Luft", erinnert sich der Raben Steinfelder. Kontakt zu den Todesmarsch-Überlebenden habe es nicht gegeben, die Furcht war immer noch groß. Aber die von einigen erwarteten Plünderungen gab es in Raben Steinfeld nicht.

Sandra Büch und Tony Große gehören zu den Schülern am Oberstufenzentrum Oranienburg, die sich für die Berichte der Zeitzeugen interessieren. Und mehr noch: Beide arbeiten an einem Film mit, in dem die Erzählungen dieser beiden Männer und anderer Zeitzeugen festgehalten werden. Gestern wurde in Raben Steinfeld gedreht. "Noch gibt es Überlebende, die uns alles erzählen können", betont Sandra Büch. "Deren Erlebnisse festzuhalten, ist wichtig. Denn die Geschichte wird auch künftige Generationen noch bewegen, die ohne Augenzeugen auskommen müssen." Tony Große ist froh, dass er bei diesem Treffen mit den Zeitzeugen dabei sein konnte. "Alles, was wir heute gehört haben, ist wahnsinnig spannend und interessant", betont Tony Große. "Besonders bewegt hat mich das Schicksal von Herrn Steinitz."

Zwi Steinitz ist regelmäßig in Deutschland zu Gast, um das Gespräch gerade mit jungen Deutschen zu suchen. "So lange ich Kraft dazu habe, werde ich das machen", betont der 85-Jährige. "Das bin ich den Opfern des Holocaust schuldig." Auch den Ort seiner Befreiung hat Steinitz bereits mehrfach besucht. Er regte an, hier in Ergänzung zum Denkmal "Die Mutter" auch eine Tafel aufzustellen, die deutlich macht, dass die Todesmarsch-Überlebenden sowohl von amerikanischen als auch von sowjetischen Truppen befreit worden sind. Die Gemeinde hat das umgesetzt. Auch für Jürgen Koch ist es wichtig, dass das Denkmal "Die Mutter" hier steht. "Hier ging der Krieg zu Ende, hier trafen sich amerikanische und sowjetische Truppen, hier wurden die Häftlinge befreit. Die Erinnerung an diese Ereignisse muss wach gehalten werden."

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