Erfahrungen der Stadt gefragt

Empfang der Bürgermeister und Bürgermeisterinnen aus den 12 eingeladenen Kommunen. Boizenburg wurde von der stellvertretenden Bürgermeisterin Dagmar Poltier (1. Reihe, l.) und ihrer Mitarbeiterin Cerstin Zsinka (1. Reihe, 2. v. l.) präsentiert.
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Empfang der Bürgermeister und Bürgermeisterinnen aus den 12 eingeladenen Kommunen. Boizenburg wurde von der stellvertretenden Bürgermeisterin Dagmar Poltier (1. Reihe, l.) und ihrer Mitarbeiterin Cerstin Zsinka (1. Reihe, 2. v. l.) präsentiert.

Boizenburg stellte sich in Berlin einer Jury für das Modellvorhaben „Potenziale von Kleinstädten in peripheren Lagen“ vor

svz.de von
08. Juli 2015, 20:08 Uhr

Bundesbauministerin Dr. Barbara Hendricks empfing am 25. Juni die zwölf Bewerberstädte, die sich für das bundesweite Modellvorhaben „Potenziale von Kleinstädten in peripheren Lagen“ beworben hatten. Boizenburg hatte es bei insgesamt 76 Bewerberstädten aus ganz Deutschland in diese engere Auswahl geschafft und konnte sich einer Jury präsentieren. Acht Kommunen sollten ausgewählt werden, um in den nächsten drei Jahren wissenschaftliche und finanzielle Unterstützung für Entwicklungsprozesse zu erhalten, die die speziellen Gegebenheiten von Kleinstädten am Rande berücksichtigen und zukunftsorientiert sind. „Leider sind wir nicht ausgewählt worden“, sagte Dagmar Poltier, die als stellvertretende Bürgermeisterin Boizenburg zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Cerstin Zsienka vom Fachbereich Bau und Ordnung präsentierte. „Die Jury wollte keine Einzelbegründungen geben. Aber ich denke, uns geht es finanziell zu gut. Vielen der anderen Gemeinden geht es es sehr viel schlechter als Boizenburg, wir haben einen ausgeglichen Haushalt und einen Zuwachs an Beschäftigungszahlen. Und das, obwohl es die Elbewerft nicht mehr gibt und es derzeit auch dem Fliesenwerk wirtschaftlich nicht besonders gut geht, da wirken sich die Sanktionen gegen Russland negativ aus.“

Doch durch das neue Gewerbegebiet würden die Beschäftigungszahlen trotzdem wachsen. Das Mischfutterwerk soll gebaut werden und es gibt weitere Anfragen.

„Da gab es andere Kommunen, die hatten Millionen-Schulden oder einen Rückgang der Beschäftigten um 25 Prozent, weil beispielsweise ein Standort der Bundeswehr geschlossen wurde.“

In der Vergangenheit hat sich die Stadtforschung wenig für peripher gelegene Kleinstädte wie Boizenburg mit ihren besonderen räumlichen, wirtschaftlichen, demografischen und sozialen Rahmenbedingungen interessiert. Das Modellvorhaben will diese Forschungslücke schließen und die Handlungslogiken dieses Stadttyps näher untersuchen. Bewerben konnten sich Kleinstädte, die nicht nur als peripher gelten, sondern die auch aufgeschlossen für die Erprobung innovativer Lösungsansätze abseits etablierter Pfade sind. Das Vorhaben ist Teil der „Initiative Ländliche Infrastruktur“.

Obwohl Boizenburg nicht zu den ausgewählten acht Modellvorhaben zählt, ist die Stadt eingeladen, am Erfahrungsaustausch aktiv mitzuwirken und positive Impulse des auf drei Jahre angelegten Forschungsfelds zu nutzen. Exkursionen, interne Werkstätten und öffentliche Veranstaltungen sollen dazu beitragen, innovative Verfahren zur Stärkung von Kleinstädten am Rand voranzubringen und auch für Boizenburg relevante Empfehlungen zu erarbeiten.

Am 26. Juni eröffnete der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesbauministerium Florian Pronold die Auftaktveranstaltung zum Start des Modellvorhabens mit mehr als 100 Teilnehmern. Er sagte: „Jenseits der prosperierenden Ballungsräume übernehmen mehr als 900 peripher gelegene Kleinstädte in Deutschland als Wohn- und Arbeitsstandorte, als Orte der Versorgung, Begegnung und Bildung wichtige Funktionen für ihr Umfeld. Gleichzeitig stehen viele Kommunen vor der Herausforderung, den demografischen und wirtschaftlichen Wandel zu gestalten. Um Handlungsspielräume auszuloten und die Kommunen in ihrer Entwicklung zu unterstützen, werden wir neue Ansätze in Modellvorhaben erproben.“ Die Ergebnisse werden dann hoffentlich auch Boizenburg zugute kommen.

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