Erdwärmekraftwerk entsteht in Lohmen

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27. April 2010, 07:41 Uhr

Lohmen | Lohmen erschließt seinen Bodenschatz Erdwärme und realisiert bis 2013 eine Investition von über 100 Millionen Euro. Investor ist die Geothermis AG Berlin. Das bestätigt Vorstand Florin Lolea. "Wir beabsichtigen, in Lohmen unser erstes Erdwärmekraftwerk zu bauen. Es wird eine Leistung von zehn Megawatt je Stunde haben. Damit kann man 40 000 Haushalte mit Strom versorgen", erklärte Lolea gestern gegenüber unserer Zeitung. Das Erneuerbare-Energie-Gesetz garantiere die Einspeisung in das Netz, so der Vorstand. Die AG habe sich zu dem Schritt entschlossen, weil das Unternehmen davon überzeugt sei, meint Lolea, mit der Lohmener Erdwärme wirtschaftlich Strom erzeugen zu können sowie einen Beitrag für den Umwelt- und Klimaschutz zu leisten.

Das Bergamt Stralsund hat dem Investor die so genannte Aufsuchungserlaubnis erteilt. Die ermöglicht der AG die Erkundungsbohrung. Die basiert auf einer geologischen Standortstudie sowie auf Untersuchungen der Erdgas- und Erdölindustrie in Ostdeutschland.

Das Bergamt wartet allerdings noch auf einen Antrag zur Genehmigung eines Hauptbetriebsplans. Erst dann könne gebohrt werden. Martin Froben, Leiter des Bergamtes Stralsund, wartet mit Spannung darauf, denn solch ein Kraftwerksbau und solch eine übertiefe Bohrung seien im Land sehr selten.

Lolea spricht von einem Vorkommen auf 60 Quadratkilometern. Auch er hebt hervor, dass das Besondere die Tiefe der Bohrung sei. Mit 6200 Metern würde die Anlage eine der tiefsten Geothermie-Kraftwerke der Welt sein. Lolea rechnet in diesem Jahr mit einem Baubeginn an der Landesstraße 11 zwischen Lohmen und Oldenstorf. Dort entsteht der erste Bohrturm. Der zweite wird in Zehna errichtet. Beide Kraftwerksmodule werden mit einer Horizontalbohrung verbunden. Lolea: "Das geschieht mit einem neuen Verfahren." Lolea rechnet damit, dass 2012 das erste Modul ans Netz geht, das zweite 2013.

Für den Bau gründet sich in Lohmen eine Tochtergesellschaft. Arbeitsplätze werden wenige geschaffen, vier oder fünf. Das liege daran, so Lolea, weil die Anlage größtenteils unter Tage arbeite. Lolea sieht für solche Kraftwerke große Zukunftschancen in Zentraleuropa. Ein Vorteil der Erdwärme-Anlagen z.B. gegenüber Windkraft seien die vielen Betriebsstunden. Er rechnet mit 8000 im Jahr.

Lohmens Bürgermeister Bernd Dikau fühlt sich mit dem Projekt im Bemühen mit der Gemeindevertretung bestätigt, Erdwärme zu nutzen. Seit 1994 beschäftige man sich mit dem Thema. Dikau: "Jetzt sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen aber so, dass sich ein Investor gefunden hat."

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