Erdgeschichte mit Zacken und Farben-Vielfalt

<fettakgl>Fluoreszierendes Gestein</fettakgl> ist ein Hingucker in der Ausstellung. In einem alten Fernseher werden die Funde angeleuchtet.
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Fluoreszierendes Gestein ist ein Hingucker in der Ausstellung. In einem alten Fernseher werden die Funde angeleuchtet.

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29. Juli 2010, 06:52 Uhr

Kobrow | Seit Jahrzehnten sammelt Detlef Uebersohn (63) Gesteine. In Kobrow hat sich der Diplom-Geologe jetzt ein Mineralien-Kabinett eingerichtet. "Ich denke, es ist das beste in Mecklenburg", sagt er. Hier finden sich Antimonit aus China, Aragonit aus Griechenland, verschiedene Quarze aus aller Welt - streng wissenschaftlich sortiert nach der Systematik (mineralogische Tabellen) von Prof. Hugo Strunz (1910 - 2006). Neugierige können aber auch einfach nur atemberaubend schöne Steine betrachten.

Die Tür geht auf - Gestein, Gestein, Gestein. Dicht an dicht liegen die vielen Mineralien, die Detlef Uebersohn in sechs großen Vitrinen zeigt. Gern hätte er mehr Platz gehabt, gern hätte er seine Lebenssammlung in einem Museum öffentlich ausgestellt - es kam nicht dazu. Nun warten die Nitrate, Oxide, Sulfide und Phosphate in Kobrow darauf, dass sich Betrachter an ihrem Anblick erfreuen. In acht Gruppen seien die Mineralien gegliedert; für den Laien finden sich Kunstwerke der Natur, Gesteinsbrocken in der Form eines Haifischmauls, Zacken, verschlungene Formen, scheinbar Teile versunkener Grotten. Die Phantasie stellt auf Galopp.

Detlef Uebersohn nimmt einen Antimonit in die Hand, gefunden in China. Stachlig ragen Phasen des Brockens in die Höhe, daneben leuchtet es metallisch in der Vitrine, einen Schritt weiter grün neben hellblau. Das Auge mag sich nicht sattsehen. Und da: ein Annabergit (Nickel). "Ganz selten", so Uebersohn. "Ein herausragendes Stück." Viele Mineralien seien in Sammlerkreisen nur schwer zu bekommen. Er bekomme selbst nie genug vom Anblick, der Vielfalt, gehe einfach immer wieder in sein Kabinett.

Sammler reiste nach China, Amerika und Marokko

Rund 30 Jahre lang sammelt Uebersohn Mineralien. Tausende Exemplare seien zusammengekommen, nur ein Teil ist im Kabinett. Er sei selbst viel gereist, habe die Stücke eingesammelt: in China, den USA, Marokko. In Griechenland habe er ein Bergwerk besuchen dürfen, tief unter der Erde. "Alles war in leuchtenden Farben", so Uebersohn.

Die Mineralien, die der Kobrower sammelt, sehen andere Menschen so kaum in der Natur. Sie stammten meist aus Schichten von Erzlagerstätten. Viele seien so gar nicht mehr zu ergattern, da Bergwerke schlossen. "Man muss wissen, was und wo man sucht", so Uebersohn. Turmalin aus Brasilien? Viele Stücke, die er mehrfach hatte, habe er mit anderen Sammlern weltweit gegen neue Schätze eingetauscht. Geduldig erläutert er jede Vitrine, jede Unterart. Bei den Quarzen dürften Frauenherzen höher schlagen. Hier warten Halbedelsteine in vielen Farbgebungen und Formen. Opal, Achat, Amethyst...

Oxide gefällig? "Das sind alles Sauerstoffverbindungen, z.B. Eisen, Chrom oder Mangan." Rohstoffe, die der Mensch nutze. Erwähnenswert: eine Mangan-Knolle aus dem Pazifik, gefunden in 5000 Metern Tiefe. Hier wird der Geologe nachdenklich. In den Weltmeeren seien noch viele Bodenschätze zu finden, aber muss man sie auch ausbeuten? Uebersohn denkt an die Erdöl-Katastrophe im Golf von Mexiko. Sicher werde der Mensch Wege finden.

Wenn Detlef Uebersohn über seine Sammlerstücke berichtet, ist der Wissenschaftler zu hören. Er freue sich aber auch auf Besucher, die einfach nur die Schönheit der Natur bewundern wollen. Ein Renner bei Kindern: In einem alten Fernseher leuchtet der Kobrower fluoreszierendes Gestein an. Grün, blau, gelb - vielfarbig beginnen die Mineralien zu strahlen, die Intensität steigt.

In zwei Jahren, wenn er in den Ruhestend geht, wolle er feste Öffnungszeiten für das "Mineralien-Kabinett zu Kobrow" anbieten, so Uebersohn. Interessierte können jetzt schon vorbeikommen. Bitte vorher anmelden: Telefon 03847/435174.

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