Er ebnete Wege in Australien

Pionier der australischen Besiedlung: Joachim Friedrich (Fritz) Töllner (*1825 - + 1911) aus Jürgenshagen hoss
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Pionier der australischen Besiedlung: Joachim Friedrich (Fritz) Töllner (*1825 - + 1911) aus Jürgenshagen hoss

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11. Dezember 2010, 01:57 Uhr

Jürgenshagen/Darwin | "Go Dave, go!" schallt es von den Rängen des Parteitages der Labor Party in Darwin. Das jüngste Ergebnis einer Meinungsumfrage in den Northern Territory - einer eigenständigen Verwaltungseinheit im Norden Australiens neben den sechs Bundesstaaten - sieht den Abgeordneten Dave Tollner in der Gunst der Wähler klar vor dem amtierenden Ministerpräsidenten und auch vor seinem eigenen Parteivorsitzenden und Oppositionsführer im Landesparlament von Darwin.

Dem 1966 im Bundesstaat Queensland geborenen Vollblutpolitiker, der von 2001 bis 2007 schon Abgeordneter im australischen Repräsentantenhaus in Canberra war, schmeichelt es, dass die Bürger ihn als Ministerpräsidenten wünschen. Aber noch winkt der Australier in fünfter Generation ab, dessen Vorfahren "zu den ersten europäischen Einwanderern des Subkontinents gehörten."

Dave Tollner ist einer von hunderten Namensvettern, die heute über den ganzen Subkontinent von Westaustralien bis Tasmanien verstreut leben. An Hand der Aufzeichnungen in Kirchen- und Grundbüchern, Wähler- und Rekrutierungslisten sowie digitalisierter Zeitungsmeldungen lässt sich ihre Spur von der Einwanderung an durch die Jahrzehnte verfolgen.

Am 12. April 1848 berichtet "The South Australian Register" von der Ankunft des 450-Tonnen-Seglers "President Smidt" aus Bremen mit 83 Passagieren, die nach sechsmonatiger Überfahrt mit Zwischenstopp in Rio de Janeiro glücklich in Adelaide gelandet sind. Unter den Mecklenburgern sind der Maurer Johann Ruwoldt (38) mit Frau und zwei Söhnen aus Schwaan, der Möbeltischler Johann Scharenberg (49) mit Frau, Sohn und Tochter aus Klein Belitz, der Weber Christoph Westphal (24) aus Oettelin und ein Liebespaar: der Arbeiter Johann Friedrich (Fritz) Töllner (23) und das Dienstmädchen Dorothea Schmidt (25), beide aus Jürgenshagen. Fritz wird der einzige Töllner bleiben, der nach Australien gegangen ist. Andere Verwandte wandern später nach Amerika aus. Gemeinsam ziehen Fritz und Dorothea mit den anderen mit den Trecks in das Barossatal. Ihr Ziel ist die kleine Ansiedlung Onkaparinga, wo der 1845 eingewanderte Bruder von Dorothea, Hinrich Schmidt, eine kleine Farm inmitten von Buschland urbar gemacht hat. Von nun an kümmert sich Dorothea, sie ist bereits im 3. Monat schwanger, um Kochen, Backen, Wäsche, Kleinvieh und Gemüsegarten. Die Männer bewirtschaften den urbar gemachten Acker, pachten eine weitere Sektion von 30 Hektar sperrigem Buschland von der Südaustralischen Company und verwandeln sie unter vielen Mühen in Ackerland. So geht es Jahr für Jahr. Urbar gemachtes Land wird von der Landgesellschaft zum bei der Pachtung vereinbarten Kaufpreis übernommen und dann später an kapitalkräftigere Einwanderer mit Gewinn verkauft.

Am 3. Dezember 1849 heiraten Fritz und Dorothea in der Kirche von Rosenthal, nachdem die im November 1848 geborene Maria verstorben und bereits ein weiteres Kind unterwegs ist. Nachdem Hinrich Schmidt die aus Selow stammende Dorothea Bauer 1850 heiratet, wird das gemeinsame Land verkauft und beide Familien ziehen nach Lyndoch Valley. Sie bauen ihre ersten massiven Häuser, und Fritz Töllner, offiziell registriert als Fritz Tollner, wird von der Gemeinde erstmalig für ein Jahr zum Constabler, eine Art Sheriff, gewählt.

Als Polizeichef des östlichen Barossatals hat er regelmäßig in Adelaide zu tun und ist bestens über die Entwicklung in Südaustralien informiert. Als Meinungsführer der gerade erst aus Schwaan, Jürgenshagen, Satow, Bollhagen und Schmadebeck nachgezogenen Ruwoldts, Schmidts, Fincks, Timmermanns und Bührings macht er den Familien 1859 einen für ihr Leben entscheidenden Vorschlag. Nur mit dem notwendigsten Kapital ausgestattet - Pferde, Ochse, Planwagen und Ackergeräte - sollten sie noch einmal neu beginnen! Im äußersten Osten der Kolonie an der Grenze zur Kolonie Victoria verkaufe die Company zu äußerst günstigen Preisen Land, kein widerspenstiges dorniges Buschland sondern ganze Urwälder. Der Boden sei äußerst fruchtbar, eigne sich als Acker- und Weideland. Das gerodete Holz werde dringend in den neuen Goldminen um Ballarat und Bedingo gebraucht. Und Fritz Tollner kann sie alle für den langen Treck über 450 Kilometer nach Mount Gambier überzeugen. Gemeinsam ziehen sie nach der Ernte in das Land, das für ihre Familien auf Jahre die neue Heimat werden sollte (Fortsetzung folgt).

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