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Lokales

23. Oktober 2017 | 10:14 Uhr

Entging Anne H. nur knapp dem Tod?

vom

svz.de von
erstellt am 23.Sep.2010 | 08:11 Uhr

Schwerin | Hat Anne H. in weitaus größerer Gefahr geschwebt, als bislang angenommen? Der 49-jährige Andreas K., der die junge Frau im Juni auf der Heimfahrt von Schwerin entführt und eine Woche lang in seinem Haus im schleswig-holsteinischen Tangstedt nördlich von Hamburg sexuell missbraucht hat, hat sich bereits vor 25 Jahren an einer Frau vergangen und sie getötet. Die Ermittler konnten das Verbrechen aus dem Jahr 1985 nun mit Hilfe von Gen-Spuren aufklären, wie eine Polizeisprecherin gestern berichtete. Die Polizei prüft, ob er auch für weitere, bisher ungelöste Sexualstraftaten verantwortlich ist. Nach dem Selbstmord des Mannes Ende Juni hatten die Beamten seine DNA gesichert und in eine zentrale Datenbank eingegeben. Dabei stellten sie fest, dass sein Genmuster zu dem Mordfall aus dem Jahr 1985 passt. An der Leiche der 26 Jahre alten Frau aus Hamburg waren damals unter anderem Spermaspuren entdeckt worden. Mit neuen Methoden gelang es den Fahndern 2003, daraus ein DNA-Muster des Täters zu erstellen. Ein Jäger hatte die Leiche der 26-Jährigen Ende Dezember 1985 in Stapelfeld gefunden. Die junge Frau war mit mehreren Messerstichen getötet worden. Das Tatmesser wurde nach Angaben der Polizei nie gefunden.

Das rätselhafte Verschwinden von Anne H. hatte im Sommer für bundesweites Aufsehen gesorgt. Die damals 25-Jährige, die vier Jahre lang in Schwerin gelebt hat, hatte nach ihrem Verschwinden nach Polizeiangaben ein Martyrium durchlebt. Verloren hatte sich die Spur der jungen Arzthelferin nach einem Besuch bei ihrem Ex-Freund in der Landeshauptstadt. Letztes Lebenszeichen war eine Handy-Textnachricht an ihren ehemaligen Freund, die sie auf der Zugfahrt zu ihrer Familie im schleswig-holsteinischen Bargteheide abgeschickt hatte.

Nachdem die 25-Jährige den dortigen Bahnhof verlassen hatte und zu Fuß auf dem Weg zum Wohnhaus ihres Vaters war, war sie an einem weißen Transporter vorbei gekommen. Die Seitentür des Wagens stand offen. Als sich die junge Frau in Höhe des Transporters befunden hatte, wurde sie plötzlich von einem Mann gepackt, ins Wageninnere gezerrt und dort eingesperrt. Der 49-Jährige fesselte die junge Frau und verband ihr die Augen. Anschließend fuhr er mit Anne zu sich nach Hause und sperrte sie dort in seinem Schlafzimmer ein. "Er hielt sein Opfer gefangen und missbrauchte es", sagte eine Polizeisprecherin damals. Nach einer Woche ließ Andreas K. sein Opfer frei. "Sie hat unvorstellbar Grausames erleiden müssen, aber sie lebt", hatte die Mutter der 25-Jährigen damals auf einer Internetseite geschrieben, die für die Suche eingerichtet worden war. "Das ist ein großes Wunder und Geschenk."

Wenige Tage nach der Freilassung nahm sich der 49-Jährige in seinem Haus das Leben. Er hinterließ einen Abschiedsbrief. Was darin steht, haben die Ermittler bisher nicht bekanntgegeben. Ob der Mann möglicherweise weitere Verbrechen begangen hat, wird derzeit untersucht. "Es wird aber eher nicht davon ausgegangen", sagte die Polizeisprecherin. Der 49-Jährige habe eine Familie gehabt und eigentlich "ein ganz normales Leben" geführt. Bis zu der Entführung der 25-jährigen Anne im Juni war er bei der Polizei nicht in Erscheinung getreten.

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