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Nachspiel zur Geflügelpest in Kobande : Entenfarm nun Thema im Bundestag

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Die Tötung von 19 385 Tieren auf der Entenfarm Kobande im November vorigen Jahres und die Vernichtung von zirka 85 Tonnen Geflügelfleisch sind jetzt Thema im Bundestag. Fazit: Es hätte nicht vernichtet werden müssen.

svz.de von
erstellt am 31.Jan.2011 | 07:00 Uhr

Kobande | Die Tötung von 19 385 Tieren auf der Entenfarm Kobande im November vorigen Jahres und damit die Vernichtung von zirka 85 Tonnen Geflügelfleisch (SVZ berichtete ausführlich) sind jetzt Thema im Bundestag. Mehrere Abgeordnete der Fraktion von Bündnis 90 / Die Grünen verlangen Aufklärung zum Auftreten des Virus vom Typ H5N2. Das ist eine niedrig pathogene (wenig krankmachende) Form vom Vogelgrippevirus. Die Kleine Anfrage der Grünen besteht aus 36 Einzelfragen, auf denen das Bundeslandwirtschaftsministerium reagieren muss.

Auch in der Antwort wird deutlich: Das Geflügelfleisch hätte nicht vernichtet werden müssen: Die zuständigen Behörden in Mecklenburg-Vorpommern hätten sich intensiv bemüht, statt Tötung und Beseitigung eine Schlachtung des Geflügels vornehmen zu lassen. In MV konnten jedoch die tausenden Tiere nicht so schnell geschlachtet werden. Andere Bundesländer hätten abgewinkt - wegen Seuchenschutzes und wegen eines drohenden Imageschadens. Letztlich wurden alle Tiere auf der Entenfarm Kobande gekeult - von einer Spezialfirma und entsprechend der tierschutzrechtlichen Bestimmungen, heißt es aus dem Bundeslandwirtschafts ministerium.

Schwaches Vogelgrippevirus bei 15 Tieren nachgewiesen

Bereits unmittelbar nach der Massentötung der Enten, Gänse und Mularden hatte Dietmar Jopp, Geschäftsführer der Entenfarm Kobande, diese Aktion als überzogen und unnötig kritisiert. Schließlich war bei lediglich 15 Enten eines 120 Tiere umfassenden Freilandbestandes das Virus festgestellt worden. Vernichtet wurde jedoch der gesamte Bestand des Traditionsunternehmens.

Landestierärztin Dr. Maria Dayen hatte im Herbst erklärt, dass die Influenza viren die Eigenschaft hätten, sich von niedrig pathogen zu hoch pathogen zu entwickeln. Und dieser Gefahr müsse entgegengewirkt werden. Das Veterinäramt des Landkreises Parchim ordnete da raufhin die Tötung aller Tiere auf der Kobander Farm an.

Die Grünen fragen auch, wie es zu diesem Befall mit dem Virus kommen konnte. Das Bundeslandwirtschaftsministerium verweist in der Antwort auf das Auftreten dieses Virus im Wildvogelbestand, wobei gerade im Herbst eine Häufung dieser Erkrankung bei in freier Natur lebenden Wasservögeln auftritt. Nach dem Virus-Fund in der Entenfarm wurden auch vier Höckerschwäne und vier Stockenten aus dem Umfeld getestet - mit negativem Befund. Und überprüft wurden auch alle Geflügelbestände von Betrieben innerhalb des eingerichteten Sperrgebietes um Kobande. Auch hier gab es keinen Krankheitsfall. Inzwischen hat der Landkreis Parchim das Sperrgebiet wieder aufgehoben.

Auf der Entenfarm selbst zieht inzwischen wieder Normalität ein. Noch im Dezember wurden sämtliche Ställe und Anlagen erst gereinigt und dann desinfiziert. Nach der Kontrolle durch die Veterinärbehörden dürfen die Ställe wieder genutzt werden. "Wir haben vor wenigen Tagen 5000 Entenküken eingestallt", berichtet Dietmar Jopp. "Zu Ostern sind sie schlachtreif."

Neuanfang: 5000 Entenküken bereits wieder in Ställen

Ende März kommen Junghennen und Tiere anderer Geflügelarten hinzu, denn die Kobander wollen im Frühsommer wieder ihren Verkaufswagen auf Tour schicken. Der Verkauf von Jungtieren an Kleintierhalter in Westmecklenburg ist neben der Geflügelmast das zweite Geschäftsfeld des Traditionsunternehmens, das seit 48 Jahren in Kobande tätig ist. Dietmar Jopp selbst ist seit 35 Jahren dabei und der Fachmann betont, dass die Massentötung im vorigen Herbst das Schlimmste war, was er in seinem Berufsleben durchmachen musste.

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