"Entdecken, probieren, wagen und machen"

Silvio Bartels stellt für den Fuß von Marie Heilmann ein Gipsmodell für Einlagen her.Hans-Jürgen Kowalzik (5)
Silvio Bartels stellt für den Fuß von Marie Heilmann ein Gipsmodell für Einlagen her.Hans-Jürgen Kowalzik (5)

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22. April 2010, 09:39 Uhr

Güstrow | Von 50 Lehrlingen in männertypischen Berufen in Güstrow sind zwei "Azubininnen" - Mädchen. "Das sind eine Malerin und Fahrzeuglackiererin und eine Orthopädiemechanikerin", sagte gestern Martin Biemann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft bei der landesweiten Eröffnung des Mädchen-Zukunftstages - Girls Day - im Sanitätshaus Beerbaum Güstrow. Für Biemann beweist das, wie wichtig der Tag ist, um Mädchen mit solchen Berufen bekannt zu machen und dass noch "ordentlich was zu tun ist".

Schülerinnen aus Güstrow, Krakow am See und Teterow nutzten die Möglichkeit. "Solche Berufe wie Orthopädiemechaniker waren vor zehn Jahren noch eine Männerdomäne", erklärte Werkstattleiter Silvio Bartels. Damals sei das so gewesen, weil z.B. für Modelle noch Holz gefräst und Teile geschmiedet wurden. Heute werde viel virtuell am PC erarbeitet. Bartels erzählte das, als er Marie Heilmann aus der Klasse 10 a des Brinckmangymnasiums Güstrow ein Gipsmodell von ihrem Fuß für eine Einlage anfertigte. Erklärende Worte gab es ebenfalls von Monika Brehm, die eine der zwei "Azubininnen" in Güstrow ist. Die 22-Jährige beendet im Januar 2011 ihre Lehre als Orthopädiemechanikerin/Bandagistin. "Mein Traumberuf", wie sie erklärte. Die Schwaanerin lernt aber nicht nur in einer früheren Männerdomäne, sondern setzte auch schon Akzente. So 2008 als sie zu den Top-Azubis im Land gehörte (wir berichteten). Monika Brehm war daher die Richtige, die den Mädchen an ihrem Beispiel zeigte, wie erfolgreich man im Männerberuf sein kann. Vor allem auch mit der Aussicht, nach der Lehre übernommen zu werden.

Aber das Sanitätshaus hatte sich auch mit praktischen Arbeiten auf die Mädchen eingestellt. Z.B. betreute Orthopädiemechaniker Karsten Buchmann Vanessa Wienhöft (13) und Marie-Luise Gollan (14) von der Güstrower Inselseeschule. Sie stellten ein Nietblech her. Dazu feilten, bohrten und nieteten sie. Vanessa, die sich für einen medizinischen Beruf interessiert, und Marie-Luise, die in Richtung Medizin oder Tiere schaut, fanden den Besuch sehr interessant. Beide sagten: "Wir können uns vorstellen, einen solchen Beruf zu ergreifen."

Margret Seemann, parlamentarische Staatssekretärin für Frauen und Gleichstellung der Landesregierung, warb ebenfalls für solche Entscheidungen. "Entdecken, probieren, wagen und machen", das seien die erklärten Ziele des Girls Day, betonte sie. Auch, weil Mädchen von 350 Ausbildungsberufen nur 23 nutzen. Seemann hob außerdem hervor, dass "Männerberufe" Frauen mehr Geld und Urlaub bringen und die Aufstiegschancen im Beruf vergrößern.

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