Energie als Luxusgut

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Höhere Kosten für Heizung und Strom kommen auf viele Mieter und Hausbesitzer zu. Versorger der Region haben ihre Preise im Herbst erneut nach oben geschraubt oder wollen dies demnächst tun. Kunden und Verbraucherschützer protestieren.

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07. Januar 2009, 12:42 Uhr

Güstrow/Bützow | Die Stadtwerke Güstrow mit mehr als 20 000 Kunden werden ihre Preise zum 1. Dezember anheben. Beispiel Strom: Beim Tarif GüstrowStrom klassik für die Grundversorgung klettert der Arbeitspreis von brutto 21,62 auf 22,22 Cent je Kilowattstunde. Beim Tarif GüstrowStrom privat steigt der Arbeitspreis von 19,37 auf 19,97 Cent.

Veränderung erwartet die Kunden auch beim Gaspreis der Stadtwerke: Der Tarif der Grundversorgung GüstrowGas klassik soll ab kommendem Monat im Arbeitspreis je nach individueller Einstufung angehoben werden: beim gängigsten Beispiel (3380 bis 60 000 kw/h pro Jahr) um 0,6 auf 7,95 Cent je Kilowattstunde. Stadtwerke-Geschäftsführer Edgar Föniger will die Neuerungen der SVZ heute ausführlich erklären (wir berichten morgen).

Verbraucherschützer schlagen Alarm. "Das ist fast unglaublich", sagte gestern Jürgen Fischer von der Neuen Verbraucherzentrale in Rostock. Er erinnert daran: Erst zum August hätten die Stadtwerke die Preise angezogen. Im Vorjahr habe der Preis je Kilowattstunde Gas noch bei 6,16 Cent gelegen. Der ab Dezember wäre dann rund 1,8 Cent teurer.

Jürgen Fischer findet "ungewöhnlich", dass ein Anbieter wie die Stadtwerke, der Gas, Strom und Wasser in einer Hand hat, gleich in zwei Bereichen die Preise anzieht.

Die Gaspreise hätten sich landesweit in den vergangenen acht Jahren fast verdreifacht, teilt die Neue Verbraucherzentrale mit. Anbieter begründeten dies vor allem mit dem Anstieg der Weltmarktpreise für Erdöl bzw. leichtes Heizöl. Nachvollziehbar sei dies nicht, so der Verbraucherschützer. Er beobachte drei Gruppen von Anbietern, die unterschiedlich auf den Weltmarkt reagieren: anheben, senken oder abwarten. Merkwürdig für ihn auch: Die Preise gingen zwar mit dem Ölpreis hoch, später aber nur schleppend wieder runter. Wenn überhaupt. "Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern Preisunterschiede von 15 bis 25 Prozent", so Fischer. "Wie kann das sein?"

Weitere Anbieter der Region legen beim Preis eine Schippe drauf. Die Wemag AG kündigt Erhöhung bei Strom vom 1. Januar 2009 an. Der Grundpreis wird 21,96 Cent/kwh betragen, "Wir erhöhen den Grund- und den Arbeitspreis um vier bis sechs Prozent", sagt Vertriebsleiter Rolf Bemmann. Das hänge mit dem gestiegenen Einkaufspreis zusammen. Gestiegen seien auch Abgaben nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Weiterer Grund seien neue gesetzliche Anforderungen. Bemmann: "Durch ein neues Abrechnungssystem erhöht sich der Aufwand, der die Erhöhung des Grundpreises um mehr als einen Euro begründet." Am 1. März senkte die Wemag die Preise um drei Prozent.

Kunden der Bützower Wärme GmbH, die Biostrom aus der Gärung von Mais nutzen, haben im Vertrag eine Preisänderungsklausel. "Das bedeutet, der Heizölpreis ist abhängig vom Fernwärmepreis", sagt Geschäftsführer Peter Dethloff. Erhöhen sich die Kosten für das Heizöl, dann werden diese Kosten direkt auf den Verbraucher umgeschlagen. Er bestätigt: Der Heizölpreis ist seit Oktober etwas gestiegen. Die Auswirkungen bekommen die Kunden allerdings erst später zu spüren, da die Kosten rückwirkend umgelegt werden. "Der aktuelle Fernwärmepreis für November basiert auf dem Heizölpreis vom ersten Halbjahr diesen Jahres", so Dethloff.

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