Endstation Zwangsversteigerung

Stand mehrfach zur Zwangsversteigerung: der Veritas-Park.
Stand mehrfach zur Zwangsversteigerung: der Veritas-Park.

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08. Dezember 2010, 07:09 Uhr

Prignitz | Die Zahl der Menschen im Landkreis, die ihren Kredit auf Wohnung oder Haus nicht mehr abzahlen können, ist nach wie vor hoch. Das Amtsgericht Neuruppin bearbeitet bis dato 1002 Zwangsversteigerungsverfahren. In 448 Fällen stehen Immobilien unter Zwangsverwaltung. Das heißt, hier sorgt ein Vermittler dafür, dass Mieteinnahmen zur Tilgung einer Schuld beglichen werden. In ganz Brandenburg laufen derzeit 2444 Zwangsversteigerungsverfahren. Seit Jahren ist die Zahl in den neuen Bundesländern gravierend höher als in den alten.

Bert Völzer, Vorsitzender des Vereins "Haus und Grund in Wittenberge und Umgebung" kennt die Hauptursachen: "Es gibt zwei Gruppen", sagt er. Die einen hätten nach der Wende hohe Kredite aufgenommen, um zu modernisieren oder neu zu bauen. Mit dem Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft hätten viele ihren Job und damit ihr sicheres Einkommen verloren. "Oft trennen sich Eheleute in solchen Krisenzeiten", sagt Völzer, der Vereinsmitglieder rund um Immobilien berät. Schlimmstenfalls stehe der Partner allein ohne Einkommen da.

Zur zweiten Gruppe zählt er jene, die im Berufsleben ein Haus auf Kredit bauten und nun im Rentenalter seien. Ist der Kredit noch nicht abbezahlt, aber die Rente zu niedrig, sind die finanziellen Probleme vorprogrammiert. In beiden Situationen genüge das Geld nicht, um den Kredit abzustottern. Oft drohe die Privatinsolvenz.

Bleiben die Kreditzahlungen aus, reagiert die Bank. Mahnungen sind der erste Schritt. "Wenn dann nichts passiert, schreibt die Bank die Immobilie zur Zwangsversteigerung aus, um die Grundschuld einzutreiben", so Völzer. Aus dem Erlös der Versteigerung werden die Gläubiger bedient. Derartige Verfahren ziehen sich bis zu eineinhalb Jahren hin, so Völzer.

Je nach Zustand des Objektes und dem Käuferinteresse findet sich im besten Fall bereits beim ersten Versteigerungstermin ein Käufer. Erwirbt dieser die Immobilie, ist er neuer Eigentümer. Doch damit ist der Kreislauf nicht beendet: Denn die Differenz zwischen dem Kaufpreis und dem laufendem Kredit bleibt der alte Eigentümer der Bank schuldig - bis zu 30 Jahre lang, erklärt Völzer.

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