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Lokales

13. Dezember 2017 | 06:35 Uhr

Ende der "Isis"-Odyssee in Sicht

vom

svz.de von
erstellt am 11.Mai.2010 | 08:55 Uhr

Rostock | Auf dem im Fischereihafen aufgelegten Kühlschiff "Isis" war gestern Bewegung. Alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass nach eineinhalbjähriger Liegezeit des Schiffes eine Odyssee nun endlich zu Ende geht und der ungebetene Dauergast wieder Rostock verlassen kann. Am Montagabend hatte in Swinemünde der Schlepper "Argus" Kurs auf Rostock genommen, um hier den Auflieger an den Haken zu nehmen und nach Rotterdam zu schleppen. Gestern Morgen um 5 Uhr traf das 35,70 Meter lange und 34 Tonnen Pfahlzug starke Kraftpaket des polnischen Fairplay-Tochterunternehmens plangemäß ein. Ein zweiter Schlepper war bereits mittags zum Bugsieren für die Ausreise bereitgestellt worden, die sich dann aber wegen Versicherungsfragen und technischer Probleme mit Ruder und Schäkel doch noch verzögerte.

Erinnern wir an die Chronologie der Ereignisse: Der unter Malta-Flagge fahrende Reefer hatte am 11. November 2008 in Rostock festgemacht, um hier gefrosteten Fisch aus Kanada zu löschen. Zunächst blockierten die Seeleute den Umschlag, um so mit Nachdruck von ihrer Reederei die mehrere Monate ausstehende Heuer einzufordern. Schließlich wurde das Schiff als Faustpfand an die Kette gelegt. Der Arrest war von der Internationalen Transportarbeiterföderation ITF beim Rostocker Arbeitsgericht erwirkt worden.

Die ITF forderte den Eigner auf, die ausstehenden Gelder unverzüglich auszuzahlen. Die Seeleute mussten darauf allerdings lange warten. Eigentümer des 1981 in Spanien gebauten 74,70 Meter langen, 14,20 Meter breiten und 2622 BRZ (Bruttoraumzahl) großen Schiffes mit einer Kühlkapazität von 142 570 Kubikfuß war die estnische Reederei Evir Shipping Company, gemanagt wurde es von der estnischen Nordic Shipping Group. Forderungen von 35 000 Dollar waren schnell aufgelaufen, der Reeder aber ging wiederholt auf Tauchstation. Die "Isis" machte Schlagzeilen. Die Crew war zu versorgen, musterte schließlich teilweise ab. Zuletzt verblieben zwei Wachleute an Bord.

Nach langem Hin und Her erhielten die Seeleute schließlich ihr Geld, die Crew des Fischereihafens stand allerdings weiter im Regen. Mitte März 2009 wurde der Arrest aufgehoben, das Schiff - inzwischen vom War nowkai ins alte Hafenbecken verholt - blieb aber weiter in Rostock und blockierte die knappen Umschlagsflächen des Fischereihafens. Forderungen eines weiteren Gläubigers waren noch nicht erfüllt, der Eigner offenbar inzwischen selbst vor der Pleite. Inzwischen sollen nun aber alle offenen Rechnungen beglichen sein. In Rotterdam, so Hafenkapitän Gisbert Ruhnke, will der Eigner das Schiff wieder reparieren und dann in Fahrt bringen.

Nach einem Vergleich kann auch der Fischereihafen nach allem Ärger ein glückliches Ende quittieren. "Wir sind heilfroh, dass die Odyssee endlich zu Ende geht", erklärte Ronald Schulz, Leiter Hafenwirtschaft im Fischereihafen. Auf 1000 Meter ist die Arbeitskai in dem Hafen begrenzt, jedes blockierte Stück behindert den Umschlag, beeinträchtigt die Geschäfte. Wegen dem angesteuerten Ausbau der Liegeplätze 1 und 2 bis 2011 sind die Forschungsschiffe, Schlepper und langjährigen Gastlieger umzugruppieren. Spätestens zur Hanse Sail hätte der Fischereihafen große Probleme bekommen, alle hier angekündigten Schiffe aufzunehmen.

Mit dem Weggang des Problemschiffes, so Schulz, dürften nun Lösungen leichter zu finden sein. Er dankt dem Hafenkapitän und auch der Schiffsmaklerei, die den Fischereihafen in seinem Bemühen um ein glückliches Ende nicht allein gelassen haben.

Hier, wo seit Monaten insbesondere der Holzumschlag floriert, sind natürlich auch weitere Kühlschiffe mit Fisch und Geflügel immer willkommen. Rund 40 000 Tonnen Fisch wurden am Kühlhaus hier im vergangenen Jahr bewegt. Erhard Borowski und seine Mitstreiter haben gut zu tun. Das Mitte der 60er-Jahre gebaute und erst vor wenigen Jahren moder nisierte Kühlhaus bietet 8000 Quadratmeter Kühlfläche, davon 7000 Quadratmeter Tiefkühlfläche.

Mit der Übernahme von Hawesta durch Rügenfisch sind weitere Anlandungen von Fisch vorprogrammiert. So wird am Freitag mit "Crystal Ice" wieder ein Reefer mit 200 Tonnen Fisch aus Norwegen erwartet, im Juni soll die nächste Fischfracht folgen.

Die Etablierung eines Fischmarktes und des Geschäftes F & F Fisch und Feinkost als einer seiner Träger seit Jahresende 2008 verhalf am Kühlhaus auch frischem Fisch einen Marktplatz und knüpfte an Traditionen des Fischereihafens an. Trotz Wirtschaftskrise verzeichnete 2009 der im Kühlhaus ansässige Rostocker Fischgroßhändler Venfisk eines der besten Jahre seiner Entwicklung. "Der Umsatz stimmte. Über 4000 Tonnen Fisch und Fischwaren wurden durch uns bewegt. Für etwa 300 Artikel waren wir Vollanbieter", resümiert Katrin Cziwerny, die 2007 von ihrem Vater Hermann Cziwerny die Geschäftsführung übernahm.

Auch die Fischereiforschung hat im Hafenareal ihren Sitz und das Institut für Ostseefischerei weitere Ausbaupläne. Auf einem 3500 Quadratmeter großen Grundstück soll ein Anbau für die Fischereitechnik entstehen, die von Hamburg dann nach Rostock umsiedeln wird.

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