Empörung: Junge Familie soll frieren

Nach dem Willen des Schornsteinfegers müssten Stefanie und Christian Past mit  dem sechs Monate alten  Moritz dick eingehüllt in ihrem hellen, freundlichen Wohnzimmer sitzen und dennoch frieren. rüdiger rump
Nach dem Willen des Schornsteinfegers müssten Stefanie und Christian Past mit dem sechs Monate alten Moritz dick eingehüllt in ihrem hellen, freundlichen Wohnzimmer sitzen und dennoch frieren. rüdiger rump

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19. Februar 2010, 10:08 Uhr

Klein Trebbow | Wieder ist eine junge Familie betroffen: Stefanie und Christian Past wissen gar nicht, wie ihnen geschieht. Anfang Januar sind sie zum ersten Mal in ein eigenes Heim eingezogen, ihr Reich in einem neu gebauten Zweifamilienhaus in Klein Trebbow. Lange hatten sich die Beiden, die seit einem halben Jahr zu dritt sind, darauf gefreut. Doch sie erleben so etwas wie einen Albtraum. Denn ginge es nach dem Bezirksschornstein feger, müsste das Ehepaar mit seinem Baby in ungeheizten Räumen wohnen. Der Schwarze Mann verweigert, weil Unterlagen fehlen würden, nicht nur die Abnahme von Gasheizung und Kaminofen, sondern teilte mit, dass er alle Feuerungsanlagen sperrt. Und er beantrage über das Verwaltungsgericht eine Einstwei lige Verfügung

gegen die Hauseigentümer, dass sie ihre Wärmequellen nicht betreiben dürften.

Die jungen Leute sind entsetzt. "Dies ist unser erstes Haus; wir wissen gar nicht, wie wir uns jetzt verhalten sollen. Das belastet unheimlich", sagt Christian Past ratlos. Er hatte zunächst mehrfach versucht, den Schornsteinfeger telefonisch zu erreichen und einen Abnahmetermin zu vereinbaren. Als das fehlschlug, ging es schriftlich weiter. In seiner Antwort unterstellt der Schwarze Mann Stefanie Past, falsche Angaben gemacht zu haben und bezichtigt sie der Lüge. Ihrem Mann will es nicht in den Kopf, dass jemand so mit Kunden umspringen darf. Jeder andere Handwerksbetrieb wäre damit ganz schnell weg vom Fenster, fügt der 31-Jährige hinzu, der auf dem Bau arbeitet.

Die jungen Leute bewahrten die Ruhe. "Wir sind gar nicht auf seinen Ton eingegangen, haben noch einmal ganz freundlich um einen Termin gebeten. Ich will mich nicht streiten, sondern einfach nur, dass alles in Ordnung kommt - fertig", sagt die 26-Jährige resolut und zeigt die Kopie eines handgeschriebenen Briefes, dem auch ein Eigentümernachweis wie gefordert beigefügt war. Doch das Ungemach nimmt weiter seinen Lauf. In erneut rüder Art entgegnet der Schornsteinfeger, dass er vor Ort war und gesehen habe, "dass Sie in der Werkstatt ohne Schornstein den zweiten Kaminofen betreiben, in den Sie nur ein Ofenrohr (wie nach dem zweiten Weltkrieg) einfach durch die Wand ins Freie geführt haben". Aber bei ihnen habe sich kein Schornsteinfeger

gemeldet, versichern die Hausbesitzer, und sie hätten auch keine Werkstatt.

Unternehmer Ralf Gaul, der dieses wie schon andere Häuser bauen ließ, kennt die Gebaren des Schwarzen Mannes zur Genüge. "Bei den letzten von uns betreuten Bauvorhaben in Klein Trebbow dauerte die Abnahme von Schornstein und Gasanlage bis zu drei Jahre, da sich der Schornsteinfeger weigerte, wegen anderer strittiger Vorgänge tätig zu werden", erzählt er. Und von einem weiteren, ähnlich gelagerten Fall in Klein Trebbow spricht der Schweriner Rechtsanwalt Jens Rattens perger, der hier die Betroffenen vertritt.

Er könne das nicht nachvollziehen, sagt Ingo Ziola, Obermeister der Schornsteinfeger-Innung von MV. Natürlich bestehe das Recht, Unterlagen wie Zulassung von Heizung und Abgasleitung, Baubeschreibung und -zeichnung sowie Eigentümernachweis einzufordern. "Ob das aber immer nötig ist, wage ich zu bezweifeln." Von einem Bezirksschornsteinfeger sei Kompetenz zu erwarten. "Bestimmte Standards muss ich als Fachmann im Kopf haben. Und wenn eine Heizung ein Exot ist, kann ich mich im Internet kundig machen", so der Obermeister. Der Schornsteinfeger sei für den Kunden da und nicht umgekehrt. Wegen fehlender Unterlagen dürfe die Abnahme nicht verweigert werden. Diese könne zum Beispiel befristet erfolgen, bis alles beisammen sei. Eine Sperrung der Anlagen komme nur bei akuter Gefahr für Leib und Leben, Brandgefahr oder Umweltschäden in Frage.

Und eine solche Sperrung darf ohnehin nur der Landkreis als Bauaufsichtsbehörde vornehmen, stellt Nordwestmecklenburgs Pressesprecherin Petra Rappen klar. Schreiben wie jetzt vom Bezirksschornsteinfeger an Familie Past hätten daher "keinerlei Rechtskraft", betont sie.

Über dem Schwarzen Mann schwebt bereits eine Freiheitsstrafe von acht Monaten, für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, aus dem November 2008. Der Vorwurf lautete schwere Nötigung im Amt und Beleidigung - ein einmaliger Vorgang landesweit. Den Antrag des Angeklagten auf Berufung wies das Landgericht im September 2009 ab. Dieser ging in Revision, die Entscheidung des Oberlandesgerichts steht noch aus.

Derweil fragen Betroffene aus dem Kehr bezirk mit Blick zum Wirtschaftsministerium, das die Fachaufsicht über die Bezirksschornsteinfeger hat, wie lange sie das Verhalten des Schwarzen Mannes noch erdulden müssen. Dieser war gestern von uns telefonisch nicht erreichbar.

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