Elendes Wohnen in Neuhaus

Der Flur der Wohnung
Der Flur der Wohnung

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15. April 2010, 07:53 Uhr

Neuhaus | Das Linoleum im Flur ist zurückgeklappt, damit die Tür zu den Zimmern überhaupt aufgeht, an der Decke verläuft lose angetackert ein Stromleitung, eine Stelle über der Tür ist nicht verputzt. In der Ecke wurde der Schacht zu einem Abflussrohr geöffnet und nicht wieder verschlossen, nur ein Brett, beschwert mit einem Stein, ist darüber gelegt. In den Zimmer sieht es auch nicht besser aus, Handwerker waren hier wohl zuletzt vor zig Jahren. Diese Behausung eine Wohnung zu nennen, verbietet sich. Es ist einfach nur ein elendes Loch. Und das liegt nicht daran, dass der Bewohner, Hans M. (Name von der Redaktion geändert), als Alkoholkranker die Dinge nicht mehr so richtig geregelt bekommt. Auch wenn es blitzsauber und aufgeräumt wäre, wäre die Wohnung eine Zumutung.

Nur ein einziger Ofen in der ganzen Wohnung

Eine Heizung gibt es nicht, nur in einem Zimmer einen Ofen. Schlafzimmer, Küche und Badezimmer sind nicht beheizbar. Das Haus, in dem die Wohnung liegt, hat einmal der Gemeinde gehört. Hans M. hat seinen Mietvertrag mit der Wobau gemacht. Seit ungefähr fünf Jahren ist das Haus aber verkauft, der neue Eigentümer kommt aus Stiepelse. Bisher hat Hans M. keinen neuen Mietvertrag bekommen. Er zahlt 225 Euro Kaltmiete für die Räume.

Hans M. wehrt sich nicht, weiß nichts von der Möglichkeit, die Miete zu mindern, weil die Wohnung in so einem schlechten Zustand ist.

"Das hat Methode", ist sich Karsten W. sicher. "Der Vermieter hat inzwischen mehrere Häuser, einige von der Gemeinde für wenig Geld gekauft, weil in schlechtem Zustand. Er renoviert oberflächlich und nimmt vor allem solche Menschen als Mieter, die Leistungsempfänger und oft auch hilflos sind." Karsten W., Claudia H. und Sibylle A. (Namen der Mieter von der Redaktion geändert) wissen, wovon sie sprechen. Sibylle A. war Mieterin und ist irgendwann ausgezogen, nachdem der Vermieter (Name der Redaktion geändert) die Mängel in ihrer Wohnung nicht beseitigt hatte. "Nur ein Raum war beheizbar, Fenster und Türen undicht, wir sind dann mit Einverständnis der ARGE ausgezogen." Eingezogen sind dann Karsten W. und Claudia H., die die gleichen Mängel beklagen. "Der Eigentümer hat uns versprochen, dass die Reparaturen durchgeführt werden, aber passieren tut nichts. Wir hatten in dem beheizbaren Raum im Winter morgens sechs Grad. Ich habe mich schon in Lüneburg bei der ARGE beschwert, aber die haben keine Handhabe", so Karsten W..

Matthias Seeger, Bereichsleiter der ARGE Lüneburg, bestätigt: "Das Rechtsverhältnis besteht zwischen dem Mieter und dem Vermieter. Wir werden tätig, wenn ein Kunde von uns aus einer Wohnung ausziehen will. Dann schaut sich ein Außendienstmitarbeiter die Wohnung an und wir genehmigen den Umzug, wenn die alte Wohnung Mängel hat. Wir wollen verstärkt darauf achten, dass so eine Wohnung dann nicht innerhalb kurzer Zeit wieder neu vermietet wird, ohne dass die Mängel abgestellt worden sind." Im Fall von Karsten W. scheint das aber nicht funktioniert zu haben.

SVZ konfrontierte den umstrittenen Vermieter mit den Vorwürfen. Der antwortete nur: "Ich gebe keine Stellungnahme ab. Ich weiß nicht, was die Leute wollen, dann sollen sie doch ausziehen. Das sind übrigens alles nachgewiesene Vollalkoholiker, alles Penner." Ganz wohl scheint dem Ehepaar bei ihrem Tun nicht zu sein. Die Frau rief kurz darauf in unserer Redaktion an und drohte: "Ich will meinen Namen nicht in der Zeitung lesen, morgen bin ich beim Anwalt."

Fragen müssen sich auch Verwaltung und Politik, ob sie da dem Richtigen die Häuser verkauft haben, denn Gerüchte gab es schon seit längerem.

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