Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Wooster Teerofen Viel Arbeit für Naturschützer

Von Alexander Fischbach | 18.08.2020, 15:10 Uhr

Fledermauszählung im Naturpark Nossentiner/ Schwinzer Heide. Bestände einzelner Arten haben sich gut entwickelt.

Es ist früher Morgen, 7 Uhr. Etwa zehn Leute brechen in die Wälder der Umgebung auf. Es sind Studenten und Wissenschaftler des Fachbereichs angewandte Zoologie der Uni Greifswald, Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer des Naturparks Nossentiner / Schwinzer Heide und des Naturschutzbundes Deutschland. Sie werden Fledermäuse zählen. Deren Wohnkästen werden von den Bäumen abgenommen, die Naturschützer packen einzelne, kleine Tiere vorsichtig in engmaschige Netzbeutel. „Jetzt am Morgen nach der Jagd sind die Feldermäuse noch träge und müde ", erklärt Ralf Koch, der Leiter des Naturparks. Die Tiere werden in die Naturschutzstation in dem kleinen Ort Wooster Teerofen gebracht.

Durch mehr Laubwald haben sich Bestände erhohlt

Hier werden sie gewogen und ihr Alter wird bestimmt. Außerdem werden sie mit winzigen, etwa 0,2 Gramm schweren Ringen markiert. „Die Ringe stören weder beim Flug noch bei anderen Tätigkeiten", sagt Koch. Sie dienen dazu, dass die Wissenschaftler und die Fledermausfreunde des Naturparks auch im nächsten Jahr die Entwicklung des Bestandes, das Flugverhalten und auch die Gruppenbildung der Tiere untersuchen können. Einige werden auch mit einem winzigen Sender versehen. Dadurch könne laut Koch besonders gut die Gruppenbildung untersucht werden. Diese Sender reagieren beim Ein- und Ausflug aus den Fledermauskästen. „Die Daten werden dann auf Chipkarten gesammelt und hier ausgewertet“, erklärt er die genaue Vorgehensweise.

Eigentlich fände die reguläre Zählung schon im zeitigen Sommer statt, aber in der Naturschutzstation soll speziell die Fransenfledermaus untersucht werden. Deren Bestand hat sich in den vergangenen 30 Jahren, in denen Ralf Koch schon in der Fledermausforschung tätig ist, erholt. Einen Grund dafür sieht er in der Veränderung der Wälder. Wo früher nur Kiefern und Fichten wuchsen, gebe es jetzt verstärkt Mischwald, das kommt den Tieren zugute. „Das Jagdverhalten der Fransenfledermaus ist ausgesprochen interessant“, meint er. „Sie jagt nicht wirklich im Fluge, sondern kann von Blättern und Zweigen Spinnen ablesen. Dazu bewegt sie sich fast wie ein Hubschrauber mehr oder weniger auf der Stelle. Auch an die Blattunterseiten kommt sie heran.“

Altersbestimmung auf Sicht

Hin und wieder müssen die technischen Einrichtungen an den etwa 30 Zentimeter langen, ebenso hohen und fünf Zentimeter breiten Ruhekästen repariert werden. An diesem Tag übernehmen Dr. Jaap van Schalk und eine Doktorandin diese Aufgabe. „Es wohnen bis zu 150 kleine Fledermäuse in einem solchen Kasten“, sagt er. Auch mit den hohen Sommertemperaturen kämen sie zurecht, meint er weiter.

Zurückgeblieben in der Naturschutzstation ist Marcus Fritze, der ebenfalls an der Uni Greifswald arbeitet. Vorsichtig spreizt er die Flügel eines dieser kleinen Tiere, so kann er anhand der Wachstumsfuge in den Flügelknochen das ungefähre Alter bestimmen.

Jetzt wird gewogen und die Nummer auf dem Ring notiert. Danach kommen die Fledermaus wieder in den Kasten. „Am Nachmittag“, sagt er, „geht es wieder zurück in den Wald, dort hängen wir die Kästen wieder an die Bäume.“ Etwa 500 Tiere werden insgesamt an diesem Tag gezählt, viele von ihnen tragen bereits einen Ring oder einen Sender. Gearbeitet wird auch hier mit Mundschutz, aber nicht wegen der Fledermäuse, sondern wegen der Mensch-zu-Mensch-Ansteckung mit dem Coronavirus.

„Eine gesundheitliche Gefahr geht nach aktuellem Forschungsstand von den Fledermäusen nicht aus“, sagt er. Das betreffe auch das neuartige Coronavirus. Die einheimischen Tiere seien damit nicht infiziert.

Mehr Informationen:

Zur Sache

Im Jahr 2013 wurde ein altes Büdnerhaus zur jetzigen Naturparkstation Nossentiner / Schwinzer Heide in Wooster Teerofen ausgebaut. Sie ist Teil des gleichnamigen Naturparks und dient nicht nur als Basis für wissenschaftliche Untersuchungen, sondern auch als Informationszentrum für Einheimische und Besucher. Im Gebäude befinden sich Seminarräume und auch Unterkünfte für Wissenschaftler. Es ist auch Ausgangspunkt für ehrenamtliche Einsätze und Jugendcamps. Das hier betriebene Forschungsprojekt zu Fledermäusen ist das umfangreichste und am längsten bestehende in Deutschland. Es hat bereits in den achtziger Jahren, noch zu DDR-Zeiten, begonnen. Zusammen mit der Universität Greifswald und Naturschutzverbänden wird dieses Projekt weiter vorangetrieben. Auch andere Naturschutzaufgaben werden von hier aus wissenschaftlich begleitet oder praktisch umgesetzt.