zur Navigation springen

"Elbepapst" Dr. Dörfler: Eindeutiges Nein zum Ausbau der Fahrrinne : Elbe für sanften Tourismus öffnen

vom

Mit einem eindeutigen Nein strafte der Beauftragte für das BUND-Elbeprojekt Dr. Ernst Paul Dörfler das nach seiner Ansicht wohl immer noch gehegte Vorhaben ab, die Elbe für den Güterverkehr auf Schiffen auszubauen.

svz.de von
erstellt am 25.Jul.2011 | 05:51 Uhr

Dömitz/Hitzacker | Mit einem eindeutigen Nein strafte der Beauftragte für das BUND-Elbeprojekt und Naturschützer Dr. Ernst Paul Dörfler das nach seiner Ansicht wohl immer noch gehegte Vorhaben ab, die Elbe für den Güterverkehr auf Schiffen auszubauen. Die Forderungen des auch als Elbepapst titulierten BUND-Repräsentanten: Das Urstromtal müsse seine Natürlichkeit behalten, Buhnen dürfen nicht weiter ins Flussbett hineingebaut werden, das Weichholz im Uferbereich ist besonders schützenswert wie für den Hochwasserschutz nutzbringend. Und: Die Elbe sollte im Einzugsbereich der Metropolregion Hamburg für einen sanften Flusstourismus intensiver geöffnet werden - was dann Auswirkungen bis nach Dömitz haben könnte.

Zu dieser Informationsreise war der Euronatur-Preisträger 2010 Dörfler mit BUND-Mitstreiterin und Organisatorin von "Dialog im Boot", Iris Brunar, sowie Reinhart Günzel vom BUND-Landesverband Niedersachsen und Erika Tipke vom ökumenischen Kirchenkreis Bleckede seit Donnerstag auf dem Elbeabschnitt vom brandenburgischen Lenzen, über Dömitz bis ins niedersächsische Hitzacker unterwegs. Den Leitgedanken "Neue Perspektiven für die Elbe" wollten die selbst ernannten BUND-Elbeschützer am Sonnabend mit Politikern aller Couleur im Verlauf einer Bootstour diskutieren - es nahmen ausschließlich Vertreter von Bündnis90/Grüne teil. Darunter die Grünen-Landesvorsitzende in M-V, Silke Gajek, und das Ludwigsluster Kreistagsmitglied Hans Jürgen Zimmermann (Bündnis Bauern/RB/Bündnis90/Grüne).

Dass es keinen Sinn ergebe, das Flussbett der Elbe insbesondere von Dömitz flussabwärts bis nach Hitzacker zu zwingen, wurde im Verlauf der Schiffstour von einem Vertreter des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe verdeutlicht. Mit Hilfe eines Echolotes wurde der Grund des Flussbettes an Bord sichtbar: Unter der Wasseroberfläche tat sich eine Hügellandschaft auf, die Wassertiefen von weniger als einem Meter dicht an der Fahrrinne und bis zu über vier Meter zwischen zwei Buhnen erreichte. "Das alles dort unten ist Sand. Die Griese Gegend beginnt bereits im Flussbett", stellte Dörfler beim Betrachten der Sonarwerte für sich fest. Und Dörfler erhielt die zusätzliche Information, dass sich dieser Sand ständig verschiebe, das Flussbett 24 Stunden lang in Bewegung sei. Der ausschlaggebende Grund dafür, dass Kapitäne von Transportschiffen sich strikt an die Vorgaben zum Befahren der Elberinne halten müssen. Eine Vertiefung der Fahrrinne oder gar ein Erhöhen der Fließgeschwindigkeit würde sprichwörtlich im Sande verlaufen. Der Erhalt solch eines Ausbaus würde die Ausgaben der Anrainerländer ins Uferlose schwappen lassen, lautete die Information des Vertreters für das Biosphärenreservat.

Der BUND spreche sich beim Elbeprojekt auch deshalb gegen den Ausbau zu einem kanalähnlichen Flusslauf aus, weil ihn das Bundesverkehrsministerium aus den beiden ersten Kategorien für Bundesschifffahrtswege herausgenommen habe, weil der Transportweg auf der Elbe an Bedeutung abnehme. Der Wasserweg Elbe besitze nur noch den Status "Erhaltenswert".

Eine Kompensation des Frachtaufkommens könne der Transport auf der Schiene erbringen. Für den Hochwasserschutz müsse das vom M-V-Ministerium geforderte Gehölzmanagement schonend vorgenommen werden - kein Hauruck-Aktionismus wie 2006 durch den niedersächsischen Umweltminister Sander. Zu überlegen sei eine stärkere Beweidung des gesamten Elbvorlandes mit den Uferbereichen. Da es immer noch Belastungen der Grünflächen durch Dioxine gebe, so die BUND-Vertreter, könnte solch eine natürliche Entbuschung durch Tiere erfolgen, die einmal nicht nach wirtschaftlichen Nutzen ausgerichtet, auf einem Schlachthof enden. Ein sofortiges Aus müsse das Verbauen von solchem Buhnensteingut haben, das mit Schlackeresten aus Hochöfen versetzt sei oder gar komplett daraus bestehe.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen