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Lokales

24. November 2017 | 12:28 Uhr

Eisschollen setzen Seefahrern zu

vom

svz.de von
erstellt am 05.Jan.2011 | 06:09 Uhr

Groß Klein | Dicke Eisschollen knacken und knirschen unter dem Schlepper. Meter für Meter tastet sich die "Fairplay VII" vor und bricht dabei die bis zu 20 Zentimeter starken Platten entzwei. Je südlicher sich der Schlepper auf der Warnow bewegt, desto dicker sind die Schollen. "Ganz besonders tückisch ist es, wenn die Platten brechen, sich übereinanderschieben und wieder festfrieren", sagt Kapitän Peter Richter. Zwischen Marienehe und Warnemünder Mole bricht die "Fairplay VII" das Eis. Jeden Morgen und Abend fährt sie seit zwei Wochen rauf und runter, damit die Strecke für die Schifffahrt befahrbar bleibt.

Schiffe, die es aus eigener Kraft nicht mehr durch das Packeis schaffen, befreit der Schlepper von den Massen und bringt sie in offenes Fahrwasser. Auf die Hilfe angewiesen war gestern auch das Umweltboot der Feuerwehr "Äsche". Nach ihrer Klassenbesichtigung in der Gehlsdorfer Yachtwerft Tamsen Maritim lag das Umweltboot, eingekeilt vom Eis, manövrierunfähig am Kai. "Damit sie wieder an ihrem Liegeplatz in Groß Klein festmachen kann, machen wir den Weg frei und schleppen die ,Äsche" ab", sagt Richter.

Schwieriges Manöver durch Landungsklappe

Mit reduzierter Geschwindigkeit gleitet die 28 Meter lange "Fairplay VII" seitlings an dem Feuerwehrschiff vorbei, um sich Achtern an Achtern dem Rettungsboot anzunähern. Auf diese Weise verdrängt und bricht der Schlepper großflächige Schollen. Erst als die letzte Eisplatte zwischen den zwei Schiffen zerbricht, kann die Aktion beginnen. "Normalerweise schleppen wir Schiffe über den Bug ab, aber hier ist das nicht möglich, weil wir an ihrer Landungsklappe keine Befestigungsmöglichkeit haben", sagt Jens Hahn, Kapitän der "Fairplay II", der zur Unterstützung der dreiköpfigen Besatzung an Bord des Schleppers ist.

Der angehende Schiffsmechaniker Florian Rudloff und Decksmann Roland Storm werfen den Kollegen von der Feuerwehr zwei Tampen zu, um mit dem Abschleppmanöver zu beginnen. Auf wenige Meter wird die Leine durch eine Seilwinde eingefahren. Eigentlich hatte die Besatzung der "Fairplay VII" vor, die 23,6 Meter lange "Äsche" so kurz zu fassen, dass sie direkt gegen die Schlepperfender gedrückt wird. Weil sich aber ein Überlauf neben dem Schriftzug des Einsatzbootes hervorwölbt, fällt das aus. "Damit würde unser Schiff beschädigt", sagt Hahn. Für Probleme sorgt auch die Manövrierunfähigkeit der "Äsche" bei ihrem rückwärtigen Abtransport. Die Schollen drücken das Schiff von links nach rechts, sodass es anfängt, auszubrechen. "Auch die Strömung durch unseren Schlepper verursacht ungünstige Bedingungen", sagt Richter. Erst als die Eisgrenze auf Höhe des Iga-Parks erreicht ist, kann die Besatzung des Umweltbootes die Stricke lösen und Fahrt aufnehmen.

Große Schiffe seien beim Schleppen durch den Seekanal unproblematischer, sagt der Kapitän der "Fairplay VII": "Sie sind nicht so bewegungsanfällig bei Eisschollen oder Kursänderungen." Bis zu 30 Zentimeter dicke Platten kann das Schiff durchbrechen. Mit einer Pfahlzugkraft von 41 Tonnen kann es Frachtschiffe und Fähren sicher in den Hafen geleiten. Erst gestern verhalf der Schlepper unter anderem einem Getreideschiff und einem Gastanker zu sicherem Einlaufen. "Einen festgefrorenen Kabelleger haben wir schon am frühen Morgen befreit", so Richter. Vor einer Woche hatte sich außerdem die "Baltica" auf dem Weg nach Kühlungsborn festgefahren und brauchte die Hilfe der Schlepp-Reederei.

Aber nicht nur auf der Warnow und Kadetrinne sind die kleinen Kraftpakete unterwegs. Hin und wieder sind sie in Holland, Russland oder Finnland im Einsatz. "Vor Kurzem haben wir Bauteile für ein Kreuzfahrtschiff zur Meyer Werft nach Papenburg transportiert", sagt er. Im Augenblick sind die Schiffe von Fairplay im Dauereinsatz. Kündigt sich ein Frachter an, schieben die Schlepper die Eisflächen in den jeweiligen Hafenbecken beiseite. Das für das Wochenende angekündigte Tauwetter sorgt wahrscheinlich für eine Entspannung der Lage.

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