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Archäologische Grabungen unter "Haus Sonne" : Eintauchen in Güstrower Geschichte

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Vor 600 Jahren brannte es in der Güstrower Baustraße. Möglicherweise war es das Haus eines Grapengießers - das sind Handwerker, die im Mittelalter bronzene Kochtöpfe herstellten -, das in hellen Flammen stand.

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erstellt am 27.Jul.2011 | 04:29 Uhr

Güstrow | Vor 600 Jahren brannte es in der Güstrower Baustraße. Möglicherweise war es das Haus eines Grapengießers - das sind Handwerker, die im Mittelalter bronzene Kochtöpfe herstellten -, dass in hellen Flammen stand. Alles muss sehr schnell gegangen sein. Selbst lebenswichtige Vorräte blieben liegen. "Wir haben den verkohlten Holzfußboden freigelegt und Getreidereste gefunden", berichtet Grabungsleiter Holger Fries. Vor wenigen Tagen begannen die archäologischen Ausgrabungen auf dem Gelände des ehemaligen Hauses "Sonne" an der Baustraße. Die Reste eines Hauses aus dem 14. Jahrhundert sind das erste Ergebnis.

Anhand der Keramikscherben habe man den Fund schnell datieren können, erklärt der Ausgrabungsleiter. "Damit haben wir den ersten Beweis, dass dieses Areal der Stadt mindestens seit 600 Jahren bewohnt ist", betont Fries. Das sei nicht etwa selbstverständlich. Oft habe es in Städten nach deren Gründung noch lange freie Quartiere gegeben. Das, was von den Mitarbeitern des Landesamtes für Bodendenkmalpflege jetzt freigelegt werde, ist für Fries so etwas wie eine Momentaufnahme der Geschichte. "Das ist das Spannende der Archäologie, man taucht ein in eine Lebenssituation, die Hunderte von Jahren zurückliegen kann", erklärt der Grabungsleiter und kündigt an, dass man das Korn archäologisch-botanisch untersuchen lassen werde, um herauszufinden, ob es vielleicht Saatgut war oder auch Braugerste.

Führungen am Tag des offenen Denkmals

Ansonsten arbeiten sich die Ausgräber in die Keller des im vergangenen Jahr abgerissenen Gebäudes. An den Mauerresten liest Fries ab, dass nach Erbauung des Hauses im Keller zweimal umgebaut wurde. Haben die Güstrower das Gebäude als Hotel mit einem Tanzsaal in Erinnerung, so sei es doch viel älter.

Voruntersuchungen hatten bereits deutlich gemacht, dass mit Funden bis weit in das Mittelalter hinein gerechnet werden kann. "Wir waren bis auf eine Torfschicht hinunter, darüber folgen mittelalterliche Kulturschichten", sagt der Grabungsleiter. Man habe jetzt an der Baustraße begonnen und arbeite sich auf dem Gelände von Süd nach Nord vor.

Bis zum Jahresende haben die Archäologen Zeit, Zeugnisse der Vergangenheit ans Tageslicht zu befördern, zu bergen und zu dokumentieren. Dabei gehen sie nicht tiefer ins Erdreich hinein, als dies für die neue Bebauung notwendig ist. "Was darunter ist, bleibt liegen und wird durch den darauf entstehenden Neubau wunderbar konserviert", erklärt der Grabungsleiter.

Fries kündigt an, dass er am Tag des offenen Denkmals am 11. September Neugierige über das Grabungsfeld führen werde. "Dann haben wir schon viel mehr freigelegt und können was erzählen", sagt der Grabungsleiter.

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