Verbraucherzentrale rät zur Vorsicht bei Partneranzeigen : Einsame Herzen zur Kasse gebeten

Cornelia Nagel bietet  Informationsmaterial zu vielen Themen an. Cordes
Cornelia Nagel bietet Informationsmaterial zu vielen Themen an. Cordes

Die Verbraucherzentrale warnt vor Unternehmen, die Alleinstehende zur Mitgliedschaft in einem „Freizeitclub“ zu bewegen versuchen. Statt den Traumpartner zu finden, zahlen die Betroffenen Mitgliedsbeiträge in Höhe von mehreren tausend Euro.

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14. Februar 2011, 06:46 Uhr

Schwerin | Er liebt romantische Abende am Kaminfeuer, ist humorvoll, ausgeglichen und gut situiert, möchte wieder alles Schöne mit einer Partnerin teilen . Sie sehnt sich nach einem un terhaltsamen und liebenswerten Herrn, den sie umsorgen möchte. Partnerschaftsanzeigen versprechen gern den Himmel auf Erden. Nicht selten stehen dahinter allerdings allzu irdische Interessen. Das jedenfalls sagt die Schweriner Ver braucherzentrale. Sie warnt aktuell vor Unterne hmen, die alleinstehende Menschen in der Landeshauptstadt zur Mitgliedschaft in einem "Freizeitclub" zu bewegen versuchen. Statt eines Traumpartners erwarte die Betreffenden vor allem eine saftige Rechnung, erklärt die Sprecherin der Verbraucherzentrale, Cornelia Nagel.

Eine verlockende Annonce stehe fast immer am Anfang der Masche, so die Verbraucherschützerin. Statt aber mit der Person aus der Anzeige ins Gespräch zu kommen, erhielten einsame Herzen in den betreffenden Fällen nach der ersten Kontaktaufnahme daheim Besuch von einem Vertreter der vermeintlichen Partnervermittlung. "Dabei geht es dann oft schon gar nicht um die Annonce, sondern nur noch um die Mitgliedschaft in einem so genannten Freizeitclub", berichtet Nagel. Und häufig ließen sich die Betreffenden auch auf die Offerte ein. Um ihrem Wunsch partner zu begegnen, zahlten sie bis zu meh reren tausend Euro für die Zugehörigkeit zu einem Club, dessen Veranstaltungen - in der Regel außerhalb von Mecklenburg-Vorpommern - sie ei gent lich gar nicht inter essierten.

"Firmen gehen sehr konsequent vor"

Weder vor Mahnbriefen noch vor Klagen scheuten die Unternehmen zurück, um an ihr Geld zu kommen, schildert die Sprecherin der Verbraucherzentrale. "Die Firmen gehen sehr konsequent vor." Zahlreiche Betroffene, denen erst nach der Vertragsunter zeichnung ein Licht aufgehe, suchten deshalb den Rat der Verbraucherschützer in der Dr.-Külz-Straße 18. "20 derartige Verfahren betreuen wir aktuell", sagt Nagel. Jeden Monat kämen neue Fälle hinzu.

Und was rät die Verbraucherschützerin? "Partneranzeigen sollten genau geprüft werden", betont Cornelia Nagel. Wenn sich bei einer Kontaktaufnahme nicht die gewünschte Person melde, sei bereits Vorsicht geboten. Die Sprecherin der Verbraucherzentrale empfiehlt außerdem, einschlägige Verträge generell nicht sofort zu unterschreiben, sondern in Ruhe durchzulesen. Auch wer erst später bemerke, dass er unbeabsichtigt Mitglied in einem Freizeitclub geworden sei, habe noch Mög lichkei ten, sich zu wehren, so Nagel . Entsprechende Verträge unterlägen den Bestimmungen über Haustürgeschäfte und könnten deshalb widerrufen werden, außerdem sei es möglich, die Verträge zu kündigen bzw. wegen arglistiger Täuschung anzufechten. Die betreffenden Unternehmen wiesen die Argumentation in der Regel unter anderem mit dem Hinweis zurück, dass die Vertragsverhandlungen auf Bestellung des Kunden geführt worden seien, erläutert die Schweriner Verbraucherschützerin. Tatsächlich sei es den alleinstehenden Menschen aber darum gegangen, eine bestimmte Person kennen zu lernen und nicht Mitglied in einem Club zu werden. Betroffene sollten sich deshalb auch durch Klageandrohungen nicht einschüchtern lassen.

Die Verbraucherzentrale in der Landeshauptstadt ist telefonisch unter der Nummer 0385-5918110 zu erreichen.

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