Eine wechselvolle Geschichte

<strong>Freizeitort Schulhof: </strong>Tina Brüsehaber, Laura Taubert und Wencke Markmann fühlen sich im Amphitheater im Innenhof wohl.<foto>Georg Scharnweber</foto>
Freizeitort Schulhof: Tina Brüsehaber, Laura Taubert und Wencke Markmann fühlen sich im Amphitheater im Innenhof wohl.Georg Scharnweber

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05. Juli 2010, 08:19 Uhr

Steintor-Vorstadt | Eine wechselvolle Geschichte hat der Berringer-Bau am Goetheplatz hinter sich. Könnten die Mauern des heutigen Innerstädtischen Gymnasiums (ISG) reden, hätten sie sicherlich viele Geschichten zu erzählen. Von den Mädchen, die getrennt von den Jungs dort unterrichtet wurden, von den Kranken, die im Lazarett versorgt wurden, von unzähligen Umbaumaßnahmen und von Kindern, die im Amphitheater im Innenhof Theater proben.

Zwar kann Eva König die Mauern nicht zum Sprechen bringen, aber sie kann die wechselvolle Geschichte der Schule - ihrer Schule - akribisch zusammentragen. Die Lehrerin für Geschichte und Sport am ISG leitet die schuleigene Geschichtswerkstatt. Unterstützung bekommt sie von Schülern und dem Referendar Michael Schreiber. So gut es geht, hat das Team die 80-jährige Geschichte der Schulen am Goetheplatz aufgearbeitet. In einer Liste stehen nun alle Direktoren der Schulen. "Das Interesse an der Schule und an dem Gebäude ist ungebrochen", weiß König. "Es vergeht kaum ein Wochenende ohne Führungen."

Doch dafür ist eine Menge Arbeit notwendig. "Wir laden beispielsweise ehemalige Schulleiter ein, die uns erzählen, wie es damals so war", sagt Juliane Augustin. Die Siebtklässlerin hat sich die Geschichtswerkstatt unter den Ganztagsangeboten ihrer Schule ausgesucht. Doch auch die Zeitzeugen werden älter. "Das genießen sie aber richtig, dann kommen sie richtig ins Reden", berichtet Referendar Schreiber. Einige der Gespräche werden von Schülern sogar auf Video aufgezeichnet.

1930 wurden in dem Gebäude von Gustav Wilhelm Berringer im Stil der Neuen Sachlichkeit die Studienanstalt und das Staatliche Oberlyzeum Rostock untergebracht. Ab 1938 wurden Mädchen in den beiden Oberschulen für Hauswirtschaft und Sprachen ausgebildet, 1945 kam die Gewerbliche Kreisberufs- und die Volksbibliothekarschule hinzu. Später beherbergte das schon damals als modern geltende Gebäude ab 1947 auch die Goetheschule, die Herderoberschule ab 1955 und 1963, die erweiterte Oberschule Ernst Thälmann sowie ab 1991 das Gymnasium am Goetheplatz, das spätere Goethegymnasium. "Die Schule stand damals im Kontrast zu den DDR-Normbauten", sagt der heutige Schulleiter Thomas Döring.

2005 fusionierte sie mit der Großen Stadtschule als Innerstädtisches Gymnasium, das erst in die gemeinsamen Gebäude am Rosengarten und in der Lindenstraße zog. Nach der Sanierung des Berringer-Baus wechselte das Gymnasium an den Goetheplatz. Dort gesellten sich seit 2008 das Abendgymnasium und seit 2009 auch das Centre franco-allemand hinzu. "Das Haus hat ja auch was", sagt König. Ironie der Geschichte: Im Jahr 1946 zog die Große Stadtschule schon einmal an den Goetheplatz. Ein Jahr später, 1947, folgte die damalige Abendoberschule.

Die Geschichte der Großen Stadtschule, die bis zur Fusion auf 425 Jahre zurückblicken kann, soll in der ISG-Geschichtswerkstatt ebenfalls nicht zu kurz kommen. "Wir sammeln Materialien beider Schulen", versichert König. Für das nächste Jahr plant das ISG eine Ausstellung über die Historie beider Gymnasien. Doch zunächst blickt das Innerstädtische Gymnasium auf die vergangenen 80 Jahre zurück. Zum morgigen Festakt zeigt das Team von der Geschichtswerkstatt die wechselvolle Historie des Gebäudes. Berühmte Kinder der Schule haben sich angekündigt, darunter Regisseur Dr. Hans-Jürgen Syberberg und der ehmalige Stasi-Behördenleiter Dr. Joachim Gauck.

ISG-Schüler stellen aktuelle Projekte vor, darunter auch das von Jugendlichen selbst geschriebene Musical "Rostock Rockstar". Die Festveranstaltung beginnt um 16 Uhr in der Aula des Innerstädtischen Gymnasiums.

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