Eine Reise zum eigenen Ich

<strong>Erlebnis Kletterwald:</strong> Im Schullandheim Dreilützow besteht die Möglichkeit, wie hier mit den Schweriner Schülern, den eigenen Mut in luftiger Höhe auszutesten. <fotos>Hirschmann</fotos>
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Erlebnis Kletterwald: Im Schullandheim Dreilützow besteht die Möglichkeit, wie hier mit den Schweriner Schülern, den eigenen Mut in luftiger Höhe auszutesten. Hirschmann

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02. Juli 2010, 08:07 Uhr

Dreilützow | Viele junge Leute fahren in den Ferien nach Paris, Madrid oder Moskau. Die jungen Leute, die im Schullandheim Dreilützow an einem Mediensucht-Präventionsprojekt teilnahmen, begaben sich auf eine Reise zu ihrem eigenen Ich. Der Reisebegleiter auf diesem nicht alltäglichen Trip war Dr. Detlef Scholz, Leiter der Beratungsstelle für exzessive Mediennutzung und Medienabhängigkeit in Schwerin. Die Beratungsstelle der evangelischen Suchtkrankenhilfe gGmbH gestaltet spezielle Präventionsprojekte mit jungen Leuten zum Thema Mediensucht.

Verantwortungsbewusst mit Computer & Co umgehen

Kennen Sie das auch? Jürgen (Name geändert) sitzt beim Abendbrot und kann ohne Handy nicht mehr. Immer wieder nimmt er das kleine Teil zur Hand, schickt SMS, spielt, geht ins Internet. Ein Gespräch mit ihm scheint unmöglich zu sein.

Jugendliche mit derartigen Verhaltensmustern sind offensichtlich suchtgefährdet. Ziel des Projektes in Dreilützow war es, die jugendlichen Teilnehmern zu sensibilisieren, verantwortungsbewusster mit Computer und Handy umzugehen. Zudem sollte ihnen aufgezeigt werden, dass das reale Leben mit all seinen Höhen und Tiefen allemal interessanter sein kann, als das schönste Spiel im virtuellen Netz.

Warum ist Mediensucht ein ernst zu nehmendes Thema für Kinder und deren Eltern? Dr. Scholz nennt die aktuellen Zahlen und weiß, dass drei Prozent der Bevölkerung mediensüchtig sind, sie zeigen Abhängigkeitssymptome, gefährdet sind vor allem junge Leute, aber auch Erwachsene suchen zunehmend Beratungsstellen auf.

Die eigene Sucht zu erkennen ist ein Problem, weil sich die Mediensüchtigen in ihrer Haut wohl fühlen. Online-Spiele haben unheimlichen Zulauf, Handys nutzen unendlich viele Leute, warum soll ein Betroffener also süchtig sein?

Die Gefahr der Mediensucht besteht darin, dass der Abhängige den Bezug zur Außenwelt mit der Zeit total verliert, er ist zwar in der Lage, das Onlinespiel oder das Handy optimal zu handhaben, vergisst aber u.a seine Körperpflege, hält keine Ordnung in seiner Umgebung, hat Probleme mit der ganz normalen Kommunikation, die Fähigkeit der Selbstreflexion, also wie er auf andere Menschen wirkt, geht dem Süchtigen verloren, und es gibt einen Leistungsabfall in Schule oder Beruf. In Dreilützow ging es schließlich darum, den jungen Leuten Alternativen aufzuzeigen, sie zu interessieren, dass es außer dem virtuellen Netz vor allem das reale Leben gibt. Dass die Teilnehmer beispielsweise ohne Handy längere Zeit auskommen konnten, zeigte die gemeinsame Aktion im Dreilützower Kletterwald. Über Stunden hatten die Schüler dort ihren Spaß, sicherten sich unter Anleitung des Erlebnispädagogen Harald Jäger gegenseitig beim Klettern ab und testeten ihren Mut aus. Nach dem Handy fragte dabei keiner.

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