Eine Million Euro weniger fürs Theater

Jetzt ist es offiziell: Das Land will seine Förderung für das Schweriner Staatstheater von 2010 an jährlich um eine Million Euro kürzen. Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow spricht von einer "Strafaktion" für die erfolgreichste Bühne in MV und kündigt Widerstand an. Die Stadt könne das Minus nicht ausgleichen, um ihr Fünf-Sparten-Haus finanziell zu sichern.

von
15. August 2009, 09:14 Uhr

Schwerin | Generalintendant Joachim Kümmritz hatte es bereits befürchtet, nun ist es amtlich: Das Land will das Mecklenburgische Staatstheater von 2010 an jährlich mit einer Million Euro weniger fördern als bisher. Dies habe Kultur-Staatssekretär Udo Michallik ihr gestern mitgeteilt, sagte Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) nach dem Krisengespräch.

Noch ist das neue Finanzaus gleichsgesetz, mit dem das Land seine Finanzzuweisungen an Gemeinden und Kreise regelt, nicht beschlossen. Doch die Novelle sieht vor, die an alle Bühnen in MV gezahlten Zuschüsse von insgesamt 35,8 Millionen Euro pro Jahr von 2010 an neu zu verteilen. "Die Grundförderung sämtlicher Theater soll steigen", so Gramkow. Dadurch würde im Etat weniger Geld zur Förderung besonders effizienter Spielstätten übrig bleiben, was für das Staatstheater einem Verlust von einer Million Euro jährlich gleichkäme.

"Eine solche Strafaktion gegen das mit Blick auf Besucherzahlen, Umsatz und Kostendeckung erfolgreichste Theater im Bundesland werden wir uns nicht gefallen lassen", sagte Gramkow. Der aus Mecklenburg-Strelitz stammende Kultusminister Henry Tesch (CDU) betreibe keine Kulturpolitik, in der künstlerische Leuchttürme gestärkt würden, "sondern Regionalproporz, indem er Finanzmittel von Mecklenburg nach Vorpommern verschiebt."

Eine Insolvenz des Theaters, wie von Intendant Joachim Kümmritz befürchtet, sei rechtlich zwar nicht möglich, sagte OB Gramkow: "Die Stadt ist als Träger der Bühne zum Ausgleich von Defiziten verpflichtet." Doch die Möglichkeiten, das drohende Minus auszugleichen und damit die Leistungsfähigkeit des Theaters zu erhalten, seien begrenzt. Die finanziellen Spielräume der Kommune hätten sich durch die jüngst von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) geforderte Einsparung von sieben Millionen Euro noch in diesem Jahr weiter verringert, so Gramkow. Wenig wahrscheinlich sei auch, dass das Land das Theater über den Landeshauptstadt-Vertrag stärker fördert oder Mitgesellschafter der Bühne wird: "Dafür gibt es keine politischen Mehrheiten."

Zur Forderung des Kultusministers nach kostensenkenden Kooperation zwischen den Bühnen im Land, sagte Gramkow, Parchim und Rostock hätten auf die Angebote aus Schwerin noch nicht geantwortet. Jedoch werde sie erneut Gespräche mit den Umlandkreisen suchen, um eine gemeinsame Finanzierung des Staatstheaters zu erörtern.

Die vom Innenminister angemahnte Kürzung der städtischen Theaterzuschüsse schloss Gramkow trotz Geldknappheit für sich aus: "Die Bühne ist ein zu wichtiger Wirtschaftsfaktor für Schwerin."

Bleibt vorerst die Hoffnung auf den "Theatergipfel". Am 7. September will Minister Tesch mit Kommunen reden, die Theater und Orchester betreiben. Gramkow: "Das Land muss die Kürzung zurücknehmen."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen