zur Navigation springen
Lokales

13. Dezember 2017 | 21:52 Uhr

"Eine Katastrophe für die Händler"

vom

svz.de von
erstellt am 01.Aug.2010 | 07:00 Uhr

Warnemünde | Es ist 13 Uhr, als Uwe Jessulat seine Ladentüren an der Warnemünder Promenade öffnet - eineinhalb Stunden später als an den vergangenen Sonntagen. Draußen warten bereits etliche Kunden.

Seit gestern gilt die neue Bäderregelung, die die Ladenöffnungszeiten in den Städten und Ostseebädern an Sonntagen zeitlich und räumlich einschränkt. Statt 11.30 Uhr beginnen die Öffnungszeiten um 13 Uhr. "Das ist eine Katastrophe für uns Händler", sagt Jessulat, der ein Modegeschäft am Alten Strom führt. "Damit gehen nicht nur die starken Sonntagsumsätze, sondern auch ein Stück Attraktivität des Ortes verloren."

Nicht nur die Zeiten wurden mit der neuen Regelung einschränkt, sondern auch die Anzahl der verkaufsoffenen Sonntage im Jahr. Von November bis zur letzten Märzwoche müssen die Türen am siebten Wochentag geschlossen bleiben. Beide Landeskirchen hatten Klage gegen die alte Bäderregelung eingereicht. Ihre Begründung: die Öffnung an Sonntagen sollte einen Ausnahmecharakter darstellen. Das Oberverwaltungsgericht Greifswald erklärte daraufhin am siebten April die alte Regelung für unzulässig, da die darin enthaltenen großzügigen Öffnungsbestimmungen gegen das festgelegte Regel-Ausnahme-Verhältnis des Grundgesetzes verstießen. Für viele Ladenbetreiber sind weniger Umsatz und weniger Mitarbeiter die Folge, denn Ladenmieten und andere Kosten laufen unverändert weiter. "Unsere Angestellten beschäftigen wir ganzjährig und nicht saisonal, ihr Gehalt muss immer gesichert sein", betont Jessulat, der auf die Sonntagseinnahmen angewiesen ist. "In den Wintermonaten ist nur eine geringe Kaufkraft vorhanden. Da muss im Sommer jeder Tag mitgenommen werden", sagt er. Glücklich sei er nicht über das neue Gesetz, aber er halte sich daran. Konsequenzen wie Abmahnungen, Bußgelder oder die Lizenzentziehung durch das Ordnungsamt möchte er nicht riskieren. Er würde eine freie Entscheidung über die Öffnungszeiten begrüßen. Doch nicht alle Ladenbetreiber hielten sich am ersten Sonntag der neuen Regelung an die geänderten Bestimmungen. Hier und dort konnten Besucher und Einheimische bereits vor 13 Uhr einkaufen.

Schon im Vorfeld gab es Demonstrationen gegen die neue Bäderregelung. Unterschriftensammlungen der Ladenbetreiber und Kundenbefragungen führten zu dem Ergebnis, dass auch die Besucher der Ostseebäder längere Öffnungszeiten an Sonntagen begrüßen. Tagesurlauber Dirk Bachmann gehört dazu: "Gerade für die vielen kleinen Läden zählt jeder Euro, der in der Hauptsaison eingenommen werden kann", so der 35-jährige Berliner.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen