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Lokales

19. August 2017 | 07:40 Uhr

Eine Frage der Ähre

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Pritzwalk | Es geht um die Ähre und um die Ehre - beim brandenburgischen Erntekronenwettbewerb. An die 200 Arbeitsstunden stecken in einem Kunstwerk aus Gerste, Roggen, Weizen und Hafer. Diese vier Grundgetreidearten, erläutert Ilona Lemm, müssen sich in der Krone wiederfinden. Lemm ist eines von insgesamt 96 Mitgliedern des Landfrauenvereins Pritz walk und Umgebung e. V. und kennt sich aus in der Erntekronenwissenschaft. "Schon der Schnitt der Halme wirkt sich auf die Qualität des Gebindes aus", sagt sie. Ilona Lemm weiß, wovon sie spricht. Denn sie selbst durchstreifte, neben anderen Frauen, die Äcker, um das Grundmaterial für die Krone zu gewinnen. Natürlich nach vorheriger Absprache mit den Landwirten. Nur die besten, gerade gewachsenen Halme kommen in Frage. Die Frauen schneiden sie per Hand. "Pro Getreidesorte haben wir uns dieses Jahr rund 2000 Ähren auf Lager gelegt", berichtet die Expertin. Da die Pritzwalkerinnen neben den Grundsorten auch Flachs verwenden, macht das locker 10 000 Halme.

Wozu der ganze Aufwand? Die Landfrauen wollen an alte, erfolgreiche Zeiten beim Wettbewerb um die schönste Brandenburger Erntekrone anknüpfen. Zum 17. Mal ruft der märkische Landfrauenverband dazu in diesem Jahr auf. Zum Brandenburger Dorf- und Erntefest, das am 11. September in Jänickendorf (Teltow-Fläming) stattfindet, werden die Ergebnisse gezeigt und bewertet. Die frühere Pritzwalker Gruppe, die einst stets für vordere Platzierungen gut war, hatte sich aufgelöst. Nach zweijähriger Pause treten die Damen seit 2009 wieder in den Wettstreit. Zunächst mit nur mäßigem Erfolg. Dieses Jahr aber soll das anders werden. Der Grundstein wurde bereits mit besagten rund 10 000 Halmen gelegt. Die brauche man, um genügend Auswahl zu haben. Dieses Mal, so Ilona Lemm, würden auch keine Sträußchen vorgebunden, sondern die Halme direkt an die Streben angelegt, dicht an dicht und unglaublich exakt. "Wir denken, dass es unserer Krone voriges Jahr einfach an Fülle fehlte", so Lemm. Außerdem habe man 2009 beim Landeserntefest in Schmachtenhagen beobachtet, dass jene Kronen sich vorn einreihten, die große Schleifen trugen. Auch da ziehen die Prignitzer Vertreter - übrigens die einzigen aus der Region - dieses Jahr nach, haben die Schleifen bereits nähen lassen. Am 11. September geht es dann darum, das Schmuckstück behutsam nach Jänickendorf zu transportieren. Am besten, so Vereinsvorsitzende Kathrin Maaß, mache sich das mit einem DRK-Fahrzeug. Da könne man die Rollstuhlrampe zum Ein- und Ausladen benutzen. Außerdem würde das Behindertenfahrzeug überall durchgewunken. "Wir hatten nie Parkplatzstress", erinnert sich Maaß.

Als Vereinschefin sind ihr solche und andere werbeträchtige Aktionen wichtig. "Man sollte uns jedoch nicht auf Stricken, Backen und Erntekronenbinden reduzieren", macht sie das breit gestreute Betätigungsfeld und die soziale Verantwortung des Landfrauenvereins deutlich. Im Mai wurde er 18 Jahre alt, die Mitgliederzahl ist stabil. Es gibt regelmäßige, themenorientierte Treffs sowie einmal monatlich eine öffentliche Veranstaltung zu allgemein interessierenden Fragen, außerdem PC-Kurse. "Dozentin ist eine Landfrau - ganz bewusst, denn da trauen sich wirklich alle, ihre Fragen zu stellen."

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erstellt am 06.Aug.2010 | 05:10 Uhr

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