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Lokales

19. August 2017 | 09:39 Uhr

Eine Biberburg zum Wohlfühlen

vom

Wootz | Lustige Biber blicken über den Buntstift-Palisadenzaun, der Wappenbiber grüßt den Brandenburgadler und eine Biberfrau verschenkt köstlich aussehenden Baumkuchen. Wer hier wohnt, muss sich wohl fühlen. Genauso ist es, bestätigt Irmtraud Mewes, die zusammen mit Ines Hahnefeld in der Wootzer Biberburg residiert. Die beiden Frauen betreuen 18 Knirpse in ihrer privat geführten Kita "Biberburg".Dass diese jetzt jedem Vorbeifahrenden auffällt, ist den Pinselstrichen des Mödlicher Künstlers Bernd Streiter zu verdanken.

Ein kleiner Holzhaufen mit einem Biber davor - das war die Idee der Frauen für ihr Kita-Logo, so lautete ihr Wunsch an Streiter, dessen Kinder selbst die Einrichtung besuchen. Der hörte sich das geduldig an, schüttelte den Kopf und sagte "Nö". Klein gehe gar nicht, wenn schon, dann groß und ins Auge fallend. "Ich hatte Lust darauf", sagt Streiter.

Aus Ideen wurden Entwürfe, Skizzen, erste Motive. Hier der Biber, dort der Reiher und Kasperle darf nicht fehlen. Ein Motiv kam zum anderen. Aus Tagen wurden Wochen und Monate. Knapp ein Jahr arbeitete der Künstler an dieser Fassade. "Wenn ich es mache, dann richtig und Zeit ist Nebensache."

Die Themen zu finden, war nicht schwer. Dazu genügte ein Blick in den Kitaalltag, der eine naturnahe Philosophie verfolgt. "Die Kinder bauen Kürbisse an, machen mit Erziehern und Eltern daraus Marmelade, also malte ich Kürbisse." Es gibt eine Musik- und Tanzschule, also durften Klaviertasten nicht fehlen. Einen Tag der Woche verbringen die Kinder im Freien,deshalb ist im Hintergrund die Elbe zu sehen. Biber gibts hier natürlich auch. Und das Streiters Biber eine Taucherbrille trägt, nun ja, er sei halt ein "Humorfrosch", lächelt der Künstler.

Bei dieser Sache ging es ihm nicht um Geld, ja nicht einmal um ein Dankeschön, denn eigentlich war er es, der Danke sagen möchte. 2008 drohte die Schließung der Einrichtung, die Gemeinde als Betreiber musste aufgeben. Leicht hatten sich Irmtraut Mewes und Ines Hahnefeld die Entscheidung nicht gemacht, sich dann aber doch für die Selbstständigkeit entscheiden. Beide Erzieherinnen kannten die Kita seit 20 Jahren und länger.

"Ich war begeistert, dass sie sich dafür entschieden", sagt Streiter. Für die Eltern sei das enorm wichtig gewesen, aber auch für die Gemeinde und die gesamte Wische. "So eine Einrichtung ist ein Integrationspunkt, Eltern lernen sich über Kinder kennen." Ohne Kita hätte die sowieso schon schwache Wische ein weiteres Stück sozialen Zusammenhalt verloren. Mehr noch, "ein Stück Seele wäre gestorben", meint Bernd Streiter.

Das Dankeschön bekommt er dennoch von Irmtraut Mewes, ihren Kollegen und den Kindern. "Wir waren schon von den ersten Zeichnungen begeistert, sind einfach glücklich, er hat sich mächtig ins Zeug gelegt", sagt Mewes. Nichts habe er vergessen, alles berücksichtigt, was die Kita ausmache.

Selbst Kater Felix lugt frech um die Ecke. Felix ist das 19. Kind, was hier betreut wird. Eines Tages war er einfach da. Lieb und anschmiegsam. "Unsere Kinder brachten ihn immer wieder mit hinein und wollten ihn behalten." Die Frauen gaben nach und einigten sich mit der Gemeinde: Die Kita versorgt den Kater, die Gemeinde zahlt den Tierarzt. Alle zusammen sind sie glücklich in ihrer Biberburg.

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erstellt am 10.Sep.2010 | 06:40 Uhr

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