Eindrucksvolle Panoramen

Das Ensemble von hinten: Im Wettbewerb 'Beispielhaft saniert' wurde die gelungene Restaurierung vor kurzem mit dem zweiten Preis belohnt.
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Das Ensemble von hinten: Im Wettbewerb "Beispielhaft saniert" wurde die gelungene Restaurierung vor kurzem mit dem zweiten Preis belohnt.

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19. Dezember 2010, 06:40 Uhr

Lenzen | Ein nettes Panorama hat man vor Augen, wenn man aus der Flutstraße 1 in Richtung Stadt schaut: Burgturm, Turm der St. Katharinen-Kirche und Stumpfer Turm markieren Lenzens Gesicht. Blickt man indes vom Burgturm in Richtung Flutstraße, so eröffnet sich eine ebenso attraktive Ansicht auf das jetzt sanierte Gebäudeensemble. Das sagt zumindest Günther Jelonnek. Und er muss es wissen: Als Architekt betreute er die Restaurierung der Fachwerkhäuser in der Flutstraße/Ecke Berliner Straße. "Es hat mir viel Spaß gemacht mit Ihnen beiden", drückte er am Samstagnachmittag seine Dankbarkeit gegenüber den Hausbesitzern Renate und Günter Lucht aus.

Eine große Menschentraube hatte sich da angesammelt. Der Grund: Die 18. Kalendertür öffnete sich im Rahmen der Aktion der AG Historische Stadtkerne in der Flutstraße 1. Unter den vielen Neugierigen, die sich umschauen und das Rahmenprogramm genießen wollten, befanden sich auch Karl-Friedrich Busse und seine Tochter Gisela Meier. Busse wurde 1927 in Lenzen geboren, lebte von 1931 bis 1954 in der Flutstraße ein. "Meine Großmutter väterlicherseits wohnte hier bis zu ihrem Tod 1979", erinnert sich Gisela Meier. Viele Kindheitserinnerungen verknüpft sie mit diesem Haus. Schön sei es geworden und würdig, mit solch einer Aktion in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt zu werden, sagt Gisela Meier. "Den Charakter hat man unserer Meinung nach gut bewahrt."

Um 1780 wurde das Wohnhaus erbaut, 2008 nach langem Leerstand saniert. Im Erdgeschoss richteten Renate und Günter Lucht ein Lese-Café mit Galerie und Antiquariat ein, geöffnet jeweils freitags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr, auch an den bevorstehenden Feiertagswochenenden. "Ohne Lesen bleibt die eigene Seele leer", meint Günter Lucht. Der Mensch brauche Literatur und Musik - eben Kunst.

Seit 16 Jahren leben die Hamburger in Görnitz, nicht weit von Lenzen (Landkreis Ludwigslust), stießen 2007 auf das Anwesen in der Flut-/Ecke Berliner Straße, verliebten sich, steckten eine Menge Geld in die Restaurierung. "Auch nebenan sind wir jetzt fast fertig, da entstehen zwei Wohnungen", berichtet Günter Lucht über das Haus in der Berliner Straße. Dass sich ein Rentnerehepaar einen solchen Klotz ans Bein bindet, sei alles andere als selbstverständlich, hatte bereits Architekt Jelonnek bemerkt. "Wir machen das, weils schön ist. Das Geld ist gut angelegt", sagt Günter Lucht im Brustton der Überzeugung. Der ehemalige Finanzbeamte und die frühere biologisch-technische Assistentin Renate Lucht lebten sparsam, legten Geld zur Seite. Ein Segen, wenn daraus Dinge entstehen, wie sie in Lenzen zu sehen sind. Die Luchts beteiligten sich im Übrigen auch an der Restaurierung der Scholtze-Orgel in der St. Katharinen-Kirche mit einer Zuwendung in sechsstelliger Höhe. "Aber das brauchen Sie ja nicht unbedingt zu schreiben." Recht hat Günter Lucht - denn es hat ja mit der Adventskalendertür-Aktion vom Sonnabend eigentlich nichts zu tun - zumindest auf den ersten Blick.

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