Medienpreis der Hörzu rührt jährlich Millionen : Ein Wittenberger erfand die Goldene Kamera

Die diesjährige Verleihung der Goldenen Kamera wurde von Hape Kerkeling moderiert.
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Die diesjährige Verleihung der Goldenen Kamera wurde von Hape Kerkeling moderiert.

Jedes Jahr erreicht die Verleihung der Goldenen Kamera ein Millionenpublikum. Erfunden hat Deutschlands ältesten Medienpreis Hans Bluhm - ein gebürtiger Wittenberger.

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09. Februar 2011, 07:52 Uhr

Wittenberge | Es war der Abend der großen, der ganz großen Gefühle: Moderatorin Monica Lierhaus kämpft sich nach schwerster Erkrankung zurück ins Leben, steht bei der Verleihung der Gol denen Kamera erstmals wieder vor Mikrofon und Kamera.

Filmproduzent Bernd Eichinger erhält postum die Goldenen Kamera.

Sängerin Lena Meyer-Landrut bricht vor Ergriffenheit die Stimme weg, als ihr die Goldene Kamera verliehen wird.

Ein Millionenpublikum sitzt an den Fernsehapparaten, um diese 46. Verleihung von Deutschlands ältestem Medienpreis mitzuerleben. Auch in der August-Bebel-Straße bei Mintes läuft der Fernseher. Ursula Minte möchte wissen, wer Auszeichnungen bekommt. Auch Hans Minte guckt zu. Ganz bei der Sache ist er aber nicht. "Immer, wenn ich was von der Goldenen Kamera sehe oder höre, muss ich an Hans Bluhm denken", sagt Minte.

Hans Bluhm ist der Erfinder der Goldenen Kamera. Er war Chefredakteur der Programmzeitschrift Hörzu, als diese 1966 den Fernsehpreis das erste Mal verlieh. "Das wissen viele. Aber dass Hans hier in der Stadt geboren wurde, hier auch zur Schule ging, dass wissen bestimmt nur wenige", sagt Minte. Minte ist hier in der Wilhelmstraße aufgewachsen. Seine Verwandtschaft lebte in der Moorenstraße. Da war auch Hänschen Bluhm zu Hause. "Wir haben als Kinder miteinander gespielt, auch in Jugendjahren manches zusammen unternommen. Das war in den 30-er Jahren", erzählt Minte dem "Prignitzer".

Der 2. Weltkrieg hat die Lebensläufe auseinander dividiert. Minte fand seine Zukunft in Wittenberge. Hans Bluhm machte seinen Weg als Journalist in der BRD, wo der 1922 Geborene am 25. Februar 2009 starb. Seinen steilen Aufstieg begann Bluhm 1947 beim "Hamburger Echo", das Herbert Weh ner damals leitete. Beim Schwesterblatt "Hamburger Morgenpost" wurde der gebürtige Wittenberger 1949 Redakteur. 1953 wechselte er in das Verlagshaus Axel Springer. Bei der Bild-Zeitung war er Ressortleiter. Nach Gründung von Bild am Sonntag war Hans Bluhm ab 1960 deren Chefredakteur bis 1964. Von 1965 bis 1974 stand Blum der Redaktion der Hörzu vor. Zum Tod ihres ehemaligen Chefredakteurs veröffentlichte die Programmzeitschrift Abschiedsworte, die den Journalisten würdigten.

Hans Minte kramt in seinen Papieren. Ein Verwandter, der heute in Mannheim/Ludwigshafen lebt, hat ihm eine Fotokopie dieses Artikels geschickt. Mintes Finger gleiten über die Zeilen. Er hat die gesuchte Stelle gefunden. Da steht zu lesen, dass Bluhm witzig, spritzig und voll des Humors war, "von dem man sagt, er sei typisch berlinerisch, weil so schön schnodderig". "Dabei wurde Hans Bluhm als ,Landei in Wittenberge geboren."

Das "Landei" hat sich gemausert. Minte verfolgte aus der Ferne, so wie es möglich war, das Werden des Jugendfreundes. Manchmal, so erinnert er sich, ist Bluhm auch zu DDR-Zeiten nach Wittenberge gekommen. "Dann stand sein großes Auto in der Perleberger Straße. Er hat seinen Bruder besucht." Gekreuzt haben sich die Lebenswege von Hans Minte und Hans Bluhm jedoch nicht noch einmal.

Aber spätestens dann, wenn wieder einmal die Goldenen Kameras verliehen werden, denkt Minte an den Freund aus Jugendtagen. Und als Wittenberger ist er ein bisschen stolz darauf, dass ein Junge hier aus der Stadt es soweit gebracht hat.


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