Bundesfreiwilliger im Biosphärenreservat : Ein Weltenbummler auf Durchreise

Die Arbeitan der frischen Luft gefällt Michael Sedlmeier gut, das mache den Kopf frei.
Die Arbeitan der frischen Luft gefällt Michael Sedlmeier gut, das mache den Kopf frei.

Michael Sedlmeier zieht für seinen Bundesfreiwilligendienst beim Biosphärenreservat von Bayern nach Rühstadt

von
24. März 2020, 12:00 Uhr

Mit schnellen Schlägen befreit Michael Sedlmeier den Stamm von den Trieben, wirft das Gestrüpp für die Benjeshecken auf einen Haufen und sägt die dicken Äste der Kopfweide in zwei Meter lange Stücke. Sie werden als Setzstangen wieder eingepflanzt. Michael Sedlmeier ist noch etwas unsicher, ob sie anwachsen – saß der 24-Jährige doch vor Kurzem noch in einer Bank, statt sich mit Kopfweiden zu beschäftigen. „Ich bin komplett gebietsfremd“, sagt er mit seinem markanten bayrischen Dialekt. Seit November absolviert Michael Sedlmeier seinen Bundesfreiwilligendienst beim Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe in Rühstädt.

„Ich war mit dem Studium fertig und wollte etwas machen“, erzählt Michael Sedlmeier. Drei Jahre lang hatte er Wirtschaftswissenschaften in Nürnberg studiert, zuvor in einer Bank gelernt und ein Jahr lang als Privatkundenberater gearbeitet. Der nächste Schritt: Zurück in die Bank oder als Trainee anfangen. Doch der junge Mann möchte erstmal raus aus der Finanzbranche, auch wenn er zuletzt für eine Umweltbank gearbeitet hatte.

„Der Bundesfreiwilligendienst ist eine gute Option, um mich auszuprobieren“, sagt er. Bereits zu Studienzeiten hatte er sich engagiert: In Griechenland und Rumänien in Tierschutzprojekten für Hunde und Esel, zwei Monate in Kolumbien in einer Kindertagesstätte, wo er den Kindern Englisch beibrachte und Ausflüge in Nationalparks organisierte.

Für den Bundesfreiwilligendienst fällt seine Wahl letztlich auf Rühstädt. „Hier habe ich eine Unterkunft dabei“, erklärt er. Im Erdgeschoss des Besucherzentrums hat er ein Zimmer. Ein kurzer Arbeitsweg. Seine Aufgaben kann er sich selbst einteilen, mal draußen, mal im Büro. „Ich bin eher jemand, der nicht rausgeht, wenn es kalt ist“, sagt der 24-Jährige. „Hier musste ich ein bisschen über meinen eigenen Schatten springen.“

Momentan plant er mit der zweiten Bundesfreiwilligendienstleistenden einen neuen Fahrradparkplatz. Ein altes Kinderfahrrad hat er dafür gerade restauriert. Handwerkliches Geschick bringt der junge Mann von seinem letzten Nebenjob mit, bei dem er Bühnen und Tontechnik aufbaute. „Es macht Spaß, man kriegt den Kopf frei“, sagt er.

Nach dem Feierabend steigt er oft noch aufs Rad – zum Fitnessstudio nach Wittenberge. Eine Stunde hin, eine Stunde Sport, eine Stunde zurück. „Jeden Morgen mache ich jetzt Yoga“, erzählt er, am liebsten auf der Dachterrasse des Besucherzentrums. „Es ist ein schöner Start in den Start.“ An die Einöde musste er sich aber erstmal gewöhnen – nach Jahren in der Großstadt.

Für Rühstädt hat er sich eine Gitarre gekauft und bringt sich jetzt das Spielen bei. Zudem lese er gern. „Man findet schon ein bisschen Freizeit“, sagt Sedlmeier. Jedes zweite Wochenende ist er zudem unterwegs, besucht Bekannte. Sobald es Frühling wird, will er seine Freunde auch nach Rühstädt einladen. Er betont: „Es ist wirklich schön hier.“

Bis zum Herbst wird er noch im Storchendorf bleiben. Und dann? „Ich werde auf jeden Fall einen Master machen.“ Entweder in Berlin oder Leipzig, vielleicht aber auch in Schweden. Auf jeden Fall soll es Richtung Nachhaltigkeit gehen. Zurückkehren wird er in die Prignitz vermutlich nicht.

„Es ist schön hier, aber ich halte mich nie länger als zwei, drei Jahre irgendwo auf“, sagt Michael Sedlmeier. Eben ein Weltenbummler.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen