zur Navigation springen

Spornitz: Evangelische Johannes-Gillhoff-Schule verlässt das Dorf : Ein "Umzug" mit Folgen

vom

Die christliche Gemeinschaftsschule wird sich aus Spornitz im Juni mit einem Gottesdienst verabschieden und dann nach Hagenow umziehen. Mit dieser Auskunft bestätigte Schulleiterin Katrin Schulz unsere Anfrage.

svz.de von
erstellt am 01.Apr.2011 | 07:15 Uhr

Spornitz/Hagenow | Die christliche Gemeinschaftsschule wird sich aus Spornitz im Juni mit einem Gottesdienst verabschieden und dann nach Hagenow umziehen. Mit dieser Auskunft bestätigte Schulleiterin Katrin Schulz unsere Anfrage. Ihr liege es allerdings fern, davon zu sprechen, dass die Schule geschlossen oder aufgelöst werde: "Ich möchte es stattdessen lieber beim Ausdruck ,Umzug belassen." Schüler und Eltern seien bereits informiert, "um Turbulenzen zu vermeiden". Katrin Schulz leitet die Schule seit Februar 2010.

Die staatlich anerkannte Ersatzschule war 2006 als Integrierte Gesamtschule zugelassen worden. Ihr Konzept sah vor, Schüler bis zum Abitur und damit zur allgemeinen Hochschulreife zu führen. Doch die für eine Gymnasial-Klasse erforderlichen Schülerzahlen waren seit Gründung der Schule (2002) bis heute nie erreicht worden; wollten Schüler nach ihrer Mittleren Reife weiterführende Schulen besuchen, mussten sie deshalb an andere Schulorte wechseln. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln, führte Schulleiterin Schulz als Hauptgrund für den ,Umzug an, sei Spornitz schlecht erreichbar. "Wir haben schon länger nach alternativen Pers pektiven gesucht." Der Abschiedsgottesdienst biete Gelegenheit zu Rückschau und Ausblick - "auf das, was gut war und auf das, was uns bevorsteht".

Gegründet wurde die christlich ausgerichtete Schule 2002 mit einer fünften und sechsten Klasse, die von zwei Lehrerinnen in der Spornitzer Bahnhofstraße unterrichtet wurden. Ein Jahr danach zogen vier Klassen und 45 Schülern in die ehemalige Haupt- und Realschule des Dorfes in die Friedensstraße um, wo dann mit dem Aufbau zur christlichen Ganztagsschule begonnen wurde. 2005 wurden die ersten Absolventen der 10. Klasse verabschiedet.

Die Spornitzer Gemeinschaftsschule ist seit 2003 nach dem Mecklenburger Johannes Gillhoff benannt, der sich als Sammler von umgangssprachlichen Redensarten, Volksrätseln und als Schriftsteller ("Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer") einen Namen gemacht hatte und 1930 in Parchim starb. Als Schulträger fungiert die in Schwerin ansässige Evangelische Schulstiftung Mecklenburg-Vorpommern und Nordelbien. Deren Vorstandsvorsitzender Helmut Hanisch führte als maßgeblich für den ,Umzug aus Spornitz bautechnische Auflagen an, "die teure Sanierungsarbeiten notwendig gemacht hätten". Auch sei das Provisorium, außer im Haupthaus noch in Containern zu unterrichten, nicht länger tragbar gewesen: "Die Elternschaft war mit deutlicher Mehrheit für den ,Umzug."


Hagenow besser auslasten und das Angebot komplettieren

In Hagenow hatte sich 2003 eine evangelische Schule mit der staatlichen Zulassung bis zur Sekundarstufe I gegründet, die jahrgangsübergreifend ihre 5. und 6. Klassen anfangs in der provisorisch umgebauten Mensa der ehemaligen Friedrich-Heincke-Schule und die Klassen 1 bis 4 in angemieteten Räumen in der Augustenstraße unterrichtete. Seit 2009 war das Gelände am Prahmer Berg erworben, die Schule saniert und ein Neubau mit weiteren Klassenräumen errichtet worden. Die Schulstiftung hatte dafür laut Hanisch 3,5 Millionen Euro investiert. Die Schule wird derzeit von Anja Tiek geleitet.

Mit dem ,Umzug aus Spornitz sei es nunmehr möglich, "Kinder mit einem durchgängigen Angebot bis zur Mittleren Reife zu beschulen". Hanisch erhofft sich dadurch eine bessere Auslastung der örtlichen Kapazitäten. Zwar sei damit zu rechnen, dass sich wegen der Ortsverlagerung und der längeren Anfahrtswege "etliche Eltern anderweitig orientieren". Durch die Verlagerung des Einzugsgebietes und Ausweitung des Angebots in Hagenow sei dort durchaus mit Neuzugängen zu rechnen. Aus Spornitz werden etwa 40 Kinder aus den Klassen 5 bis 10 und Lehrer für die Sekundarstufe I nach Hagenow wechseln. Dadurch wird die Zahl der Schulkinder dort auf mindestens 175 wachsen. Problematisch sei, dass der Landkreis das Schüler-Fahrgeld zu Privatschulen gestrichen habe, was für die Eltern spürbare Mehrausgaben bedeute.

Das Spornitzer Schulgebäude ist kommunales Eigentum. Bürgermeister Dieter Eckert erinnert sich noch mit Wehmut daran, wie die einst dort untergebrachte Regionalschule schließen musste: "Mit dem Einzug der Gemeinschaftsschule keimte im Dorf wieder Hoffnung auf." Über die künftige Verwendung sei noch nicht entschieden worden: "Wir werden das Haus aber auf keinen Fall leerstehen oder verfallen lassen", versicherte der Bürgermeister. Die Gemeindevertreter seien über den ,Umzug informiert. Mit vereinten Kräften werde derzeit nach neuen Nutzungsmöglichkeiten gesucht, Lösungen seien aber noch nicht spruchreif: "Vielleicht findet sich ein anderer Bildungsträger", deutete Dieter Eckert aber hoffnungsfroh an.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen