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Lokales

20. November 2017 | 18:20 Uhr

Ein Todesstoß für die Elbbrücke

vom

svz.de von
erstellt am 17.Nov.2011 | 11:36 Uhr

Gestern um 17 Uhr haben SPD und Bündnis 90/Die Grünen, die künftig im Lüneburger Landkreis die Mehrheitsgruppe bilden, den Gruppenvertrag unterschrieben. Was sich unter Punkt VI verbirgt, ist ein Schlag ins Gesicht aller, die eine Elb brücke zwischen Darchau und Neu Darchau wünschen. Denn die Mehrheitsfraktion plant eine Befragung aller im Landkreis lebenden Bürger zur Brücke: "Im Sinne des Ziels einer besseren Bürgerbeteiligung und Mitwirkungsmöglichkeit wird die Entscheidung über den Brückenbau in die Hände der Bürgerinnen und Bürger des Landkreises gelegt" heißt es unter Punkt vier.

"Beschämend für die Politik im Kreistag"

Das soll im Zuge der nächsten Landtagswahl Anfang 2013 passieren. Alle Bürger sollen befragt werden. "Das ist das endgültige Aus für die Brücke, der Todesstoß. Damit wird das Buch zugeschlagen. Es ist beschämend für die Politik im Kreistag, sie versteckt sich hinter dem Bürgerwillen. Denn wie die Befragung ausgeht, ist doch klar. In Amelinghausen und in Lüneburg interessiert sich doch keiner für unsere Probleme im Amt Neuhaus und im übrigen Ostkreis, da sieht man nur das Geld, das die Brücke kosten wird." Ratsmitglied Jürgen Elvers hat zum Vorhaben der neuen Mehrheitsgruppe im Lüneburger Kreistag eine klare Einschätzung und Meinung und scheut auch keine deutlichen Worte.

Etwas vorsichtiger ist Lutz Röding vom Förderkreis Elbbrücke, er hat die Vereinbarung noch nicht gelesen, aber die Bestürzung ist ihm deutlich anzumerken. "Wir vom Förderkreis werden uns sehr bald treffen und überlegen, was wir tun können. "

Für Johanna Lange, die sich seit Jahren für die Brücke einsetzt, obwohl sie als Rentnerin nur ab und an über die Elbe fahren muss, ist das, was da passiert, eine "Riesenschweinerei". "Wenn man nur die betroffenen Bürger im Ostkreis befragt, dann könnte ich das noch verstehen, aber alle im Landkreis, da ist das Ergebnis vorprogrammiert. "

Nun sollen die Befragten nicht nur einfach ja oder nein zur Brücke sagen, so Franz Josef Kamp, Gruppensprecher der Gruppe SPD/Grüne, sondern die Vor- und Nachteile sowie die Erstellungs- und Betriebskosten (incl. deren Finanzierung durch das Land und den Landkreis) der geplanten Brücke sollen ermittelt werden, genau wie die Vor- und Nachteile sowie die Kosten einer Alternative, die von wesentlich verbesserten Fährverbindungen ausgeht. Dazu gehört das Ziel einer gemeinsamen Gesellschaft der beiden Fähren bei Bleckede und Darchau mit den gleichen Fährtarifen.

Das Planungsverfahren soll zunächst weiter geführt werden. Das neue Verfahren (also das nach dem Gerichtsurteil) hat inzwischen Gutachterkosten von 350 000 Euro verursacht.

Einer der sieht, dass seine jahrelangen Anstrengungen für eine Brücke während seiner aktiven Zeit wohl keine Früchte tragen wird, ist der ehemalige Landrat Franz Fietz. "Es tut mir so leid für die Menschen im Amt Neuhaus, dass die Hoffnungen, die sie in eine Brücke gesetzt haben, nun mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht in Erfüllung gehen. Ich befürchte, dass diese Vereinbarung zwischen der SPD- und der Grünen-Kreistagsfraktion eine Umschreibung für die Tatsache ist, dass man die Brücke nicht mehr will und nicht realisieren wird. Ich bin darüber wirklich sehr bestürzt", so Franz Fietz, "vor allem, wenn man sieht, was sonst noch so alles im Landkreis finanziert werden kann."

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