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Mathias Kohrt aus Neukloster reist jedes Jahr nach Mosambik um zu helfen : Ein Solarmodul für Santa Isabel

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Rauch liegt in der Luft. Das fällt Mathias Kohrt auf, als er aus dem Flugzeug steigt. Rauch, der von den Feuerstellen kommt, an denen die Menschen ihr Essen zubereiten. Einen Herd können sie sich oft nicht leisten.

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erstellt am 04.Jan.2011 | 07:52 Uhr

Neukloster/Santa Isabel | Überall liegt Rauch in der Luft. Das fällt Mathias Kohrt gleich auf, als er aus dem Flugzeug steigt. Rauch, der von den Feuerstellen kommt, an denen die Menschen ihr Essen zubereiten. Strom oder gar einen Herd können sie sich oft nicht leisten. Reis und Bohnen werden deshalb im Topf direkt in die glühenden und kokelnden Holzscheite gestellt.

Mathias Kohrt ist mit großem Gepäck nach Mosambik gereist. Das zwei mal ein Meter große Solarmodul bringt er in ein Dorf in der Nähe der mosambikanischen Hauptstadt Maputo. In zwei Reisetaschen sind Kabel und Schläuche verstaut. Ein Koffer bietet Raum für alles, was der junge Mann aus Neukloster sonst noch während seines vierwöchigen Aufenthaltes in Südostafrika brauchen wird. Es ist das erste Mal, dass der Geschäftsführer eines mittelständischen Familienunternehmens für Elektrik und Gebäudetechnik auf eine so weite Reise geht, als er 2007 nach Mosambik fliegt, um hier zu helfen. Seither reist er jedes Jahr in das Land auf der südlichen Hälfte der Erdkugel.

Die Hälfte der Menschen lebt in absoluter Armut

Mosambik gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Der Human Development Index (HDI) 2009 der Vereinten Nationen verweist Mosambik auf Platz 172 von 182 Ländern. Der HDI ist eine Messzahl für den Entwicklungsstand eines Landes. Er setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Lebenserwartung, Ausbildung und Kaufkraft. Etwa 50 Prozent aller Mosambikaner leben in absoluter Armut. 16 Jahre Bürgerkrieg haben eine zerstörte Infrastruktur hinterlassen. Die Regierung bemüht sich seit dem Friedensschluss 1992, das Verkehrsnetz wieder aufzubauen, den Analphabetismus zu bekämpfen, Kriminalität einzudämmen.

Mathias Kohrt ist zusammen mit zehn weiteren Entwicklungshelfern nach Mosambik gekommen. Ihr Ziel ist das Zentrum für Straßenkinder und Aids-Waisen "Fonte da Vida" (Quelle des Lebens). Am Flughafen werden sie von heimischen Arbeitern abgeholt, die sich für das Heim-Projekt engagieren. Auf der Ladefläche eines Transporters nehmen die Helfer Platz. Über holprige Straßen geht es ins Hinterland vorbei an hoch gesicherten Villen weniger Reicher und den verdreckten Vierteln der vielen Armen.

Eine halbe Stunde Autofahrt nördlich der Zwei-Millionen-Stadt Maputo liegt das kleine Dorf Santa Isabel im Bezirk Marracuene. Hier leistet der deutsche Verein "Mastering your Life" seit 2001 Entwicklungshilfe. Und hier will Mathias Kohrt seine Solaranlage installieren, damit die Bewohner ein wenig eigenen Strom gewinnen können. "Als wir ins Dorf kamen und an der Schule vorbeifuhren, kamen die Kinder herausgelaufen, winkten und riefen: Abalunga", erzählt Kohrt. In der Sprache der Bewohner dieser Region bedeutet das: Weiße. "Jemand aus der Gruppe hatte uns vorher gesagt, dass das passieren könnte. Deshalb antworteten wir den Kindern: Abalandi - Schwarze."

In Santa Isabel gibt es eine Schule. In dem Gebäude lernen die Kinder der Umgebung von der ersten bis zur sechsten Klassenstufe. Die Gruppen sind groß. Etwa 60 Schüler werden in einer Klasse unterrichtet. Manchmal gibt es nicht genügend Stifte für alle Kinder. Dann wartet der eine, bis sein Banknachbar fertig ist und den Schreiber weiterreicht. Die Grundschule ist für die Kinder in Mosambik kostenlos. "Allerdings brauchen sie eine Schuluniform", erklärt der 26-Jährige. "Daran scheitern bereits viele."

Freundschaft über Sprachgrenzen hinaus

Unter den Schülern sind Waisen und Halbwaisen. Oft haben die alleinerziehenden Eltern oder die Großeltern nicht genug Geld, um die Kinder zu versorgen. Dann finden sie im Heim "Fonte da Vida" ein neues Zuhause. Hier leben zurzeit 15 Jungen und Mädchen unter der Obhut der Erzieher. Drei Wohnhäuser sind bereits gebaut, sieben sollen es einmal werden. Dann werden sie Platz für 150 Kinder bieten. Dafür legen sich die Helfer ins Zeug. Sie packen mit an und bringen immer wieder Spielsachen, Haushaltsgeräte und vor allem Know-how mit. Mathias Kohrt kümmert sich um die Elektrik. Kleine Lampen hat er in den Räumen installiert. Eine Pumpe befördert das Wasser aus dem Brunnen in einen Tank. Gerade entsteht eine Großküche mit Speisesaal.

Die Häuser bauen die Arbeiter und Helfer aus Hohlblocksteinen. Sie sorgen dafür, dass die Hitze des Tages über Nacht in den Gebäuden gespeichert bleibt. Schwer sind die Betonblöcke. Und bei 25 bis 30 Grad Celsius im afrikanischen Winter müssen alle mit anpacken. Wenn die Helfer eine Kette bilden, um die Steine von einem Ort zum anderen zu schaffen, steht Mathias Kohrt neben João. Die beiden verstehen sich gut - auch ohne Worte. Denn verständigen können sie sich nur mit Händen und Füßen. "Auch wenn ich jedes Jahr ein bisschen von der Sprache lerne", sagt Kohrt. Jedes Mal, wenn es nach Mosambik geht, ist die Freude auf das Wiedersehen mit dem Freund groß. Auch die Kinder sind dem Mecklenburger ans Herz gewachsen. "Es ist ein gutes Gefühl, dass es durch unsere Hilfe einem kleinen Teil der Menschen dort besser geht", sagt Mathias Kohrt. Doch manchmal stimmt ihn der Gedanke auch traurig: "Man hat vielleicht einen gerettet, aber hundert andere hätten auch Hilfe gebraucht."

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