"Ein Projekt mit Pilotcharakter"

<strong>Jürgen Trittin (r.) lässt</strong> sich von  Projektleiter Eckard Krüger das Modell der Deichrückverlegung erklären. <foto>Lars Reinhold</foto>
Jürgen Trittin (r.) lässt sich von Projektleiter Eckard Krüger das Modell der Deichrückverlegung erklären. Lars Reinhold

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22. Juli 2010, 07:12 Uhr

Lenzen | Hoher Besuch am Mittwoch im BUND-Besucherzentrum auf der Burg Lenzen. Der ehemalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) informierte sich im Rahmen der "Grüne Elbe Tour" seiner Partei über den Erfolg des Deichrückverlegungsprojektes bei Lenzen. Für Trittin war es die Rückkehr an einen Ort des persönlichen Erfolges, denn er hatte dieses Projekt in seiner Amtszeit als Umweltminister (1998 bis 2005) maßgeblich mit auf den Weg gebracht. Den ersten Spatenstich dafür machte er gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten Matthias Platzeck, Brandenburgs Umweltminister Dietmar Woidke und Landrat Hans Lange.

Seitdem ist viel passiert an der Elbe bei Lenzen. Der ursprüngliche Deich wurde über eine Länge von sieben Kilometern bis zu 1300 Meter in das Landesinnere verlegt und dadurch eine Auenfläche von rund 420 Hektar geschaffen. Durch Öffnung des Altdeiches kann diese Fläche bei Hochwasser überflutet werden.

"Hier ist ein Hochwasser- und Naturschutzprojekt mit Pilotcharakter entstanden", sagte Jürgen Trittin, während er sich das Modell der Deichrückverlegung im BUND-Besucherzentrum erklären ließ. "Es hat eine erstaunlich hohe Akzeptanz für dieses Vorhaben gegeben, sowohl bei den Unternehmen, die die entsprechenden Flächen bewirtschafteten, als auch bei den Menschen, die hier leben", erinnert sich der Umweltminister a.D. "Allerdings", relativiert Trittin die Euphorie um das Projekt, "ist diese hohe Akzeptanz auch der Hochwasserkatastrophe von 2002 geschuldet, die entlang der Elbe schwere Schäden angerichtet hat." Den Menschen hier vor Ort sei klar gewesen, dass der Lenzener Deich solch einem Druck nicht noch einmal standhalten würde und dementsprechend gehandelt werden musste, sagte Trittin.

Zudem habe eine Expertenkommission in der Planungsphase 33 Stellen im Flussverlauf ermittelt, an denen eine Deichrückverlegung oder ähnliche Projekte notwendig seien, um die Hochwasserproblematik umfassend einzudämmen. Nach einem Blick vom Kirchturm über die Auenlandschaft und die Stadt Lenzen machten sich der Politiker und seine Begleiter mit dem Fahrrad auf in Richtung Sportboothafen, um den neu gestalteten Deich noch einmal aus der Nähe zu betrachten. "Es ist toll, zu sehen, was man einst selbst mit auf den Weg gebracht hat", resümierte Trittin. "Denn wenn man es genau nimmt, bin ich dabei über meine Kompetenzen hinausgegangen, solche Maßnahmen hätte eigentlich das Verkehrsministerium beschließen müssen" sagt er mit einem Lachen. So habe der Böse Ort seinen Schrecken verloren, auch wenn der Name bleiben wird.

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