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Lokales

24. November 2017 | 16:19 Uhr

Ein neues Zuhause für die Menschenaffen

vom

svz.de von
erstellt am 24.Jan.2011 | 06:23 Uhr

Rostock | Noch in diesem Jahr sollen sie in ihr neues Zuhause ziehen können: Gorilla-Mann Assumbo, Orang-Utan-Kind Sabas und seine Schwester Shiwa sowie ihre Eltern Sunda und Ejde warten auf den Bau des Darwineums im Rostocker Zoo. "Es soll Besuchern die Geschichte der Evolution näherbringen und den Menschenaffen gleichzeitig ein besseres Leben ermöglichen", sagt Zoodirektor Udo Nagel.

Auf einer zwei Hektar großen Fläche im Barnstorfer Wald entsteht noch in diesem Jahr das Menschenaffenhaus. Spatenstich für das 400 Quadratmeter große Gebäude soll zwischen März und April sein. Auf einer Ausstellungsfläche zeigt der Zoo etwa 30 Tierarten in evolutionärer Reihenfolge, darunter Quallen, Wasserspringer und Nashornleguane. In einer Tropenhalle können Besucher Faultiere, Gibbons, Zwergseidenäffchen und Landschildkröten beobachten. Besonderes Augenmerk liegt auf den Gorillas und Orang-Utans. Auf 8000 Quadratmetern erhalten sie je zwei große Außenanlagen. In einer fünften begehbaren Anlage können Besucher Kattas aus der Nähe sehen.

Dass der Zoo den Bauplatz aufgrund von vorbereitenden Arbeiten für das Darwineum bereits großräumig umzäunt hat, stößt vor allem bei Spaziergängern und Sportlern auf Protest. Denn: Ihnen gehen dadurch 400 von 3200 Metern Weg im Barnstorfer Wald verloren. Ungeachtet dessen, dass der Zoo auf dem Grundstück seit 1994 Erbbaurecht hat, forderten die Athleten einen Baustopp. Eine von Nagel vorgeschlagene alternative Strecke lehnten sie vorerst ab. "Nicht nur, dass das letzte Stückchen Stadtwald verloren geht, der Weg ist viel zu eng", sagte Dr. Jens Schweder, Vorsitzender vom Triathlon-Club Fiko. Nun will der Zoodirektor den Weg breiter ziehen.

Kritik gibt es auch an den hohen Kosten für das Mammutprojekt, die sich auf 27 Millionen Euro belaufen. Einige Rostocker befürchten, dass sich der Zoo damit übernimmt. Dabei wird der Bau mit Fördermitteln des Landes und der EU in Höhe von 23 Millionen Euro sowie mit Spendengeldern in Höhe von 1,1 Millionen Euro finanziert. Zudem hat der Tiergarten einen Kredit von 2,9 Millionen Euro aufgenommen. Die Stadt wird mit keinem Euro belastet. "Wir bürgen für das Darwineum", sagt Nagel. Aufgrund des langen Winters und eines Besucherrückgangs meldete der Zoo für dieses Jahr einen Mehrbedarf von 700 000 Euro an. "Begleitende Maßnahmen zum Darwineum, wie den Bau von Zäunen und Marketingkosten, haben wir damit beglichen", so der Direktor. Nach der Öffnung des Menschenaffenhauses für Besucher im Frühjahr 2012 benötige der Zoo fünf bis zehn neue Mitarbeiter. "Die Kosten für den laufenden Betrieb werden wir selbst tragen", sagt Nagel.

Der Zoochef will Bauunternehmen aus der Region für das Darwineum gewinnen: "Bei Spezialfirmen geht die Ausschreibung allerdings über die Landesgrenzen hinaus, wenn es darum geht, Kunstfelsen und das Dach zu errichten." Die Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern, Claudia Alder, begrüßt das Vertrauen des Tiergartens auf regionale Firmen: "Rund 500 kleine und mittlere Unternehmen aus Rostock und MV sind dort Auftragnehmer." Sie profitierten vom Darwineum. Bereits in den vergangenen Jahren habe der Zoo 95 Prozent aller Bauaufträge an regionale Firmen vergeben, sagt Alder.

Mit der Eröffnung der neuen Attraktion wird der Zoo seine Eintrittspreise anziehen. "Wir werden aber nicht teurer als das Ozeaneum und liegen noch weit unter dem Spitzenpreis", so Nagel. In Stralsund kostet eine Eintrittskarte für einen Erwachsenen 14 Euro, im Rostocker Zoo sind es 11,50 Euro. Dass durch das Darwineum außerdem mehr Besucher in die Hansestadt und in den Tiergarten strömen, davon ist der Zoodirektor überzeugt.

Auch der Geschäftsführer des Stralsunder Ozeaneums, Dr. Harald Benke, geht von einer gesteigerten Wertschöpfung aus: "Das Darwineum wird neue touristische Zielgruppen für unser Bundesland gewinnen, dabei ist es unser gemeinsames Ziel, Menschen für die Schönheit der Natur zu begeistern."

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