Parchim : Ein Leben für den Wald hat sich vollendet

Fritz Hackert (†) 2006 während der Eintragung ins Goldende Buch der Stadt.
Fritz Hackert (†) 2006 während der Eintragung ins Goldende Buch der Stadt.

Treu und redlich Parchims grüne Lunge gepflegt: Revierförster Fritz Hackert i. R. starb im Alter von 99 Jahren. Er war einer der Förster, die sich um die Stadtforst Parchim verdient gemacht haben.

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23. November 2010, 10:52 Uhr

Am vergangenen Sonnabend nahm der Heimatbund Parchim in einer Gedenkminute Abschied von seinem ältesten Mitglied, dem Förster i. R. Fritz Hackert, der vor einigen Tagen im Alter von 99 Jahren heimgegangen ist. "Ich bin in der Natur groß geworden und kann nicht von ihr lassen", so schrieb er einmal an einen befreundeten Naturschützer. Er war einer der Förster, die sich um die Stadtforst Parchim verdient gemacht haben.

Als man 1951 für das Revier Kiekindemark einen Förster mit Erfahrungen im Anbau von Douglasien und mit Kenntnissen im Laubholzanbau suchte, begann für Fritz Hackert die über zwei Jahrzehnte währende Tätigkeit im Dienste der Parchimer Stadtforst, auch wenn sie damals so nicht mehr heißen durfte. Aber weder die Bäume noch Fritz Hackert haben sich darum geschert! Im Dienste seines geliebten Waldes hat er seine Arbeit treu und redlich verrichtet, bis er 1977 in den Ruhestand trat. Wenn es in dem bekannten Lied von Eichendorff "Wer hat Dich, Du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben?" heißt, dann waren es die Förster - wie Fritz Hackert! Sein ganzes Leben stand im Dienst des Waldes.

Förster Hackert hat nicht nur das Erbe seiner Vorgänger, insbesondere das des Forstsenators Evers, bewahrt, sondern durch den Anbau anderer Gehölzarten den Artenreichtum und damit die Integrität, Stabilität und Schönheit der Natur in unserer heimatlichen Umgebung erhöht. Als im Jahre 1951 Fritz Hackert das Revier Kiekindemark übernahm, nutzte er seine waldbaulichen Kenntnisse und Erfahrungen und die Gunst der Stunde, um die durch die Kriegsfolgen entstandenen größeren Kahlschläge mit neuen Holzarten aufzuforsten. Es kamen hinzu: Kanadische Hemlocktanne, Colorado-Tanne, Küsten-Tanne, Serbische Fichte, Engelmanns Fichte, Riesen-Lebensbaum und der Urweltmammutbaum. Wenn es heute in der Stadtforst Parchim 29 verschiedene Baumarten gibt, ist das auch ein Verdienst dieses Försters.

Würdigung verdienen ebenso sein Einsatz für die heimatliche Natur und den Naturschutz. Fritz Hackert war ein aktives Mitglied des Parchimer Heimatbundes, ein passionierter Weidmann und Imker. In der Schriftenreihe des Parchimer Heimatbundes veröffentlichte Hackert Beiträge über die Stadtforst, den Sonnenberg, das Buchholz und Baumarten. Konstruktiv hat er mit den Parchimer Kreisnaturschutzbeauftragten Walter Dahnke und Willi Zachow zusammen gearbeitet, er war zugegen, als am 23. März 1965 zum 75. Geburtstag von Walter Dahnke ihm eine Eiche im Revier Kiekindemark gewidmet wurde. Jahrelang war er Betreuer für den Horst eines Seeadlers. Um den Bestand der Spanischen Reseda in der Böckerried, den einzigen in Mecklenburg-Vorpommern, hat er sich immer gekümmert. Schon relativ früh nutzte er den Fotoapparat zur Dokumentation. Aufnahmen zu Fuß wandernder Schwäne vom Plumsee zum Plauer See durch Wald und Gestrüpp sowie der Aufbau und der Arbeitsablauf eines Meilers zur Gewinnung von Holzkohle im Revier Glashütte 1937 sind heute seltene Dokumente. Es war offensichtlich die letzte Köhlerei in Mecklenburg gewesen, die das durch den Raupenfraß des Kiefernspanners anfallende Trockenholz aus den Jungbeständen nutzte.

Der Lebensweg von Fritz Hackert begann 1911 in Grischow bei Stavenhagen. Schon als Kind hielt er sich viel in den Wäldern auf, die seinen Geburtsort umgaben. Diese Prägung in der Kindheit legte den Berufswunsch fest: Fritz Hackert wollte Förster werden. Er begann eine zweijährige Lehrzeit im Revier Gielow, im damaligen Forstamt Malchin. Es schloss sich eine einjährige Ausbildung an der Forstschule in Miltenberg in Franken an. Es folgte eine fünfjährige Pflichtzeit als Hilfsförster in drei verschiedenen Privatforsten. 1937 legte Fritz Hackert sein Revierförsterexamen ab und bekam eine feste Anstellung als Revierförster. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zunächst im Forstamt Dobbertin angestellt, ehe er Revierförster in Kiekindemark wurde.

Für ihn war Beruf wirklich Berufung. Sein Lebensmotto gebot ihm, sein ganzes Leben in den Dienst des Waldes zu stellen. Dafür danken wir ihm und erinnern uns gern an ihn. Die Stadt Parchim ehrte ihn anlässlich seines 95. Geburtstages mit der Eintragung in das "Goldene Buch" der Stadt Parchim.

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