Ein Künstler mahnt zum Dialog

Günther Uecker beim Aufbau seiner Kunstwerke.Saskia Panknin
Günther Uecker beim Aufbau seiner Kunstwerke.Saskia Panknin

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09. April 2010, 06:00 Uhr

Wismar | "In die St. Georgenkirche bin ich immer barfuß gegangen; hier an diesem Ort erinnere ich mich immer an meine Kindheit", sagt Günther Uecker über den Ort, der ihn und auch seine Werke in vielen Jahren geprägt hat.

Der 80-jährige Künstler, der durch seine Nagelreliefs weltberühmt geworden ist, kehrt anlässlich der Ausstellung "Handlungen" zurück in seine Heimat. Hier erinnert er sich an seine Kinder- und Jugendtage, die vor allem von Feldarbeit geprägt waren, da sein Vater Landwirt war. Erst vor kurzem kehrte er von einer Reise aus China zurück, um für seine Ausstellung selbst Hand an zu legen. Der 80-jährige gebürtige Wendorfer erinnert sich oft an seine Auslandsaufenthalte, kehrt aber gern zu seinen Wurzeln zurück. "Das Ziel der Sehnsucht ist die Heimkehr", so Uecker. In vielen Jahren seines Schaffens ist Uecker ein Künstler von internationalem Rang geworden. Er bereiste nicht nur China, sondern auch Lateinamerika, Afrika und für ihn Orte von großer Bedeutung. "Wenn ich andere Orte wie Jerusalem oder Konstantinopel besuche, bin ich immer wieder zu Tränen gerührt, denn diese Orte zeigen, wozu der Mensch fähig ist, wenn er in Demut lebt."

Günther Uecker will mit all seinen Werken den Menschen zu einem besseren Umgang miteinander und auch im Umgang mit der Natur mahnen. Zentral in der Ausstellung sind in diesem Zusammenhang große Leinwände, auf denen Friedensgebote aus dem Alten Testament, der Thora und dem Koran stehen. Die Kämpfe zwischen den Religionen spiegeln sich in den Werken des Künstlers wider. "Günther Uecker will mit seiner Kunst an die Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen erinnern", sagt Kurator und langjähriger Freund des Künstlers, Dr. Alexander Tolnay. Seit mehr als 25 Jahren arbeiten Uecker und Tolnay zusammen. Kennen gelernt haben sich die Freunde bei einer Ausstellung Ueckers in Düsseldorf. "Er ist einer der liebenswertesten und klügsten Menschen, die ich kenne" schwärmt Tolnay von Günther Uecker.

"Ich hatte immer Angst, Sie nicht treffen zu dürfen", sagt Wismars Bürgermeisterin Dr. Rosemarie Wilcken. Die Ausstellung ist nicht nur für den Künstler, sondern auch für die Stadt von großer Bedeutung. Dennoch ziert sich Günther Uecker ein bisschen, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. "Sie müssen meine Scheu verstehen, hier kann ich mich nicht verstellen, hier ist meine Herkunft", sagt Günther Uecker über Wismar. Die Ausstellung "Handlungen" zeigt vom 11. April bis zum 2. Mai Werke Ueckers aus mehr als drei Jahrzehnten. Den Titel der Ausstellung hat Kurator Alexander Tolnay bewusst gewählt, es soll den Handlungscharakter des Künstlers verdeutlichen. "Er macht alles selbst", sagt Tolnay. Auch Rosemarie Wilcken ist begeistert vom Künstler. Sie eröffne die Ausstellung als Freundin, wie sie sagt.

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