"Ein kritischer Dialog ist wichtig"

Im Gespräch über die Stammzellmedizin:   Herzpatient Klaus Grählert (v.l.),  Philosoph Prof. Nikolaus Knoepffler, Moderatorin Renate Heusch-Lahl, Landesrabbiner William Wolff und Herzchirurg Prof. Gustav Steinhoff diskutieren das aktuelle Thema. Georg Scharnweber
Im Gespräch über die Stammzellmedizin: Herzpatient Klaus Grählert (v.l.), Philosoph Prof. Nikolaus Knoepffler, Moderatorin Renate Heusch-Lahl, Landesrabbiner William Wolff und Herzchirurg Prof. Gustav Steinhoff diskutieren das aktuelle Thema. Georg Scharnweber

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22. Januar 2013, 09:22 Uhr

Dürfen Menschen Gott spielen? "Nein, auf gar keinen Fall", sagt der Landesrabbiner William Wolff. "Und Menschen dürfen auch keine Versuchskaninchen werden." Beim gestrigen "Talk im Darwineum" ist der Rabbiner mit dem Herzchirurg Prof. Gustav Steinhoff, dem Philosoph Prof. Nikolaus Knoepffler und dem Herzpatient Klaus Grählert über das Thema Stammzelltherapie ins Gespräch gekommen. Es war der Auftakt einer neuen Diskussionsreihe zu medizinethischen Fragestellungen, die die Universität Rostock in Kooperation mit den Norddeutschen Neuesten Nachrichten veranstaltet.

Auch wenn William Wolff klar Position bezieht - im Judentum sind sich die Gelehrten längst nicht einig, was die Stammzellmedizin betrifft. "Jeder Rabbi kann sagen, was er will", sagt er. Es gebe keine zentrale Autorität.

Unter Ethikern wird die Arbeit mit adulten Stammzellen hingegen nicht infrage gestellt, so Nikolaus Knoepffler vom Ethikzentrum der Uni Jena. Ganz im Gegenteil zu der mit embryonalen Stammzellen. "Hier ist die Frage: Inwieweit werden Embryonen verbraucht", sagt der Philosoph. Die Menschenwürde sei Thema. Steinhoff sieht sich in der Medizin immer wieder mit ethischen Fragen konfrontiert. "Wir sind dazu angehalten, uns zu positionieren", sagt er. Gemeinsam mit den Patienten gelte es zu überlegen, wie groß die Chancen seien und wie hoch das Risiko, und dann eine Entscheidung zu treffen. "Ein kritischer Dialog ist wichtig", sagt der Herzchirurg. Ebenso wie gut konzipierte Studien.

Klaus Grählert sind nach seinem Herzinfarkt 2007 viele Ärzte begegnet, die ihm von einer Stammzelltherapie abrieten. Trotzdem entschied er sich als einer von 200 Menschen in Rostock und von 10 000 weltweit dafür. "Ich habe mich nicht wie ein Versuchskaninchen gefühlt", sagt der 72-Jährige, der die Behandlung als seine letzte Chance betrachtete. Er habe dadurch eine Lebensqualität gewonnen, von der er nicht einmal geträumt habe.

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