Ein kleiner Piks sorgt für großen Schutz

Der Impfkalender listet auf, in welchem Alter welche Schutzimpfung für Kinder empfohlen wird.Stiko
Der Impfkalender listet auf, in welchem Alter welche Schutzimpfung für Kinder empfohlen wird.Stiko

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18. September 2012, 10:26 Uhr

Wenn Babys auf die Welt kommen, sind sie vor vielen Infektionen wie Erkältungen oder Durchfall geschützt. Das liegt an den Abwehrstoffen, die die Mutter ihrem Kind bereits im Bauch über die Nabelschnur mit auf den Weg ins Leben gegeben hat. Auch gegen Krankheiten wie Masern, Mumps oder Röteln -sofern auch die Mutter immun dagegen ist. Dieser sogenannte Nestschutz hält jedoch nicht für immer. Seine Dauer ist auch abhängig davon, ob und wie lange die Mutter stillt. So oder so werden Abwehrstoffe ungefähr bis zum neunten Monat nach und nach abgebaut. Das Baby muss also ein eigenes Immunsystem aufbauen.

Anti-Körper gegen bestimmte Erreger bildet es, wenn es sich mit ihnen infiziert, also krank wird, - oder wenn es geimpft wird. Letzteres ist vor allem wichtig für Krankheiten, die einen schweren Verlauf nehmen können, und die man Kindern so ersparen kann. Dazu gehören unter anderem Keuchhusten, Diphterie, Pneumokokken, Mumps oder Masern.

Viele Impfungen werden dabei schon wenige Monate nach der Geburt als Kombination gegeben, sodass ein Piks gleich mehrfachen Schutz aufbaut. Doch gerade das verunsichert Eltern auch immer wieder. Sie fragen sich, ob das nicht zu viel ist für den kleinen Körper. Nein, sagt das Robert-Koch-Institut. Die Zahl der dabei übertragenen Fremdmoleküle, der so genannten Antigene, sei sehr gering. "Tatsächlich muss sich das kindliche Immunsystem tagtäglich mit einer vielfach größeren Menge von Fremdmolekülen auseinandersetzen, als dies bei Impfungen der Fall ist."

Nicht von der Hand zu weisen ist jedoch, dass Kinder nach einer Impfung mitunter Fieber bekommen. Auch die Einstichstelle kann rot werden, anschwellen und schmerzen. Viele Eltern halten das für eine Nebenwirkung. Mediziner sprechen in dem Fall dagegen von Impfreaktionen. Sie seien ein sichtbares Zeichen, dass der Körper - wie durch die Impfung beabsichtigt - Abwehrstoffe bildet, von kurzer Dauer und harmlos. Ärzten zufolge fordern sie das Immunsystem weniger heraus, als eine wirkliche Infektion.

Treten dagegen unerwartete Symptome wie allergische Reaktionen, Krampfanfälle oder sogar bleibende Schäden auf, sprechen Ärzte von Impfkomplikationen oder Impfschäden. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, sei jedoch sehr gering, sagen Ärzte.

Kinderärzte können Eltern zwar auf die Wichtigkeit der Schutzimpfungen hinweisen. Eine Impfpflicht gibt es in Deutschland aber nicht, heißt es beim Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz.

Ein Argument, das Eltern mitunter vom Impfen abhält, ist, dass viele der betreffenden Krankheiten heutzutage kaum noch auftreten. "Sehr häufig ist dies eine Folge umfassender Impfprogramme in der Vergangenheit", sagt Dr. Wiebke Zielinski, stellvertretende Ministeriumssprecherin. Je mehr geimpfte Menschen es gibt, desto geringer ist also die Übertragungsgefahr von Mensch zu Mensch. "Lassen sich nun immer weniger Menschen impfen, auch aus dem Gefühl heraus, dass die Erkrankung kaum noch auftritt, steigt die Ansteckungsgefahr wieder. Deshalb ist es wichtig, einen hohen Durchimpfungsgrad innerhalb der Bevölkerung aufrecht zu erhalten."

Aber nicht immer entscheiden sich Eltern freiwillig gegen eine Schutzimpfung. Mitunter sprechen auch gesundheitliche Gründe dagegen wie Chemotherapien oder Allergien.

Wenn Eltern ihre Kinder in Brandenburg in einer Kindereinrichtung anmelden, werden sie mitunter auch nach dem aktuellen Impfstatus der Kinder gefragt. "Kitas können in ihren Satzungen entsprechende Maßnahmen festlegen." Lehnen die Eltern die Vorlage des Impfausweises ab oder ist der Impfschutz des Kindes nicht ausreichend, "kann zum Schutz der anderen Kinder eine Zugangsbeschränkung erfolgen", so das Ministerium. Eltern, die sich nicht sicher sind, ob sie ihr Kind impfen lassen sollen, empfiehlt das Ministerium eine Rücksprache mit dem Kinderarzt. Er kenne den Gesundheitszustand des Kindes genau und könne fachlich fundiert beraten.

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