Ein Kfz-Tüftler aus Leidenschaft

Ein Tisch voller Einzelteile, die Eberhard Eickhoff aufarbeitet und wieder in den Wagen einbaut. Gezählt hat er sie nicht, aber alle genau  aufgelistet bzw. fotografiert. Petra Ferch (4)
1 von 5
Ein Tisch voller Einzelteile, die Eberhard Eickhoff aufarbeitet und wieder in den Wagen einbaut. Gezählt hat er sie nicht, aber alle genau aufgelistet bzw. fotografiert. Petra Ferch (4)

von
25. Februar 2011, 10:38 Uhr

Wittenberge | Es gibt wohl keinen Kellerraum in dem kleinen Einfamilienhaus im Wittenberger Ortsteil Lindenberg, der nicht mit Auto-Ersatzteilen bestückt ist. Von der Werkstatt draußen auf dem Hof gar nicht zu reden. Unzählige Schrauben, jede Menge Karosserie-Zubehör, der Kabelbaum, das Bremsgestänge und, und und. Für den Laien unfassbar, dass daraus wieder ein vollständiges, fahrtüchtiges Auto werden soll. Für Eberhard Eickhoff dagegen völlig normal. Denn der Mercedes 280 SL, Baujahr 1981, den sich der 71-Jährige derzeit als Oldtimer aufbaut, ist längst nicht das erste Auto, dem der passionierte Motorsportler und vor allem Tüftler wieder neues Leben einhaucht.

Alles begann mit einem Opel Olympia

"Angefangen hat alles in den 1960er Jahren in einer angemieteten Garage im Wittenberger Zellwollweg", erzählt Eberhard Eickhoff. Dort baute er sich damals einen Opel Olympia auf. "Mit dem Auto habe ich auch meine Christa kennen gelernt", spricht er liebevoll von seiner Frau, die ein großes Herz für sein Hobby hat. Dem Opel folgten ein Moskwitsch 407 und ein 408er, bevor sich Eberhard Eickhoff dann Ende der 60er Jahre an seinen ersten Mercedes traute. "Ein Übersiedler aus dem Westen kam mit seinem defekten Mercedes 180 Db nicht mehr klar, suchte einen fahrbereiten Wartburg 311", erinnert sich der Lindenberger, der sich inzwischen im ehemaligen Pferdestall der Brauereiniederlassung Gerloff in der Stein-Hardenberg- Straße eine Werkstatt eingerichtet hatte. "Wir wohnten in der Johannes-Runge-Straße, da lag das günstig", erzählt er. Der Tausch selbst wurde per Antrag über das staatliche Vermittlungskontor Schwerin vollzogen. Noch heute erinnert sich Eberhard Eickhoff genau:"Als ich die Kotflügel von dem Mercedes abnahm, klappten die Türen runter." Mit anderen Worten, es gab viel Arbeit. Doch die scheute der gelernte Bahn-Betriebsschlosser nicht. Denn von Anfang an hatte er sich für Kraftfahrzeuge interessiert, engagierte sich deshalb auch bei der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) für Motorsport und in der Betriebssportgemeinschaft Lok beim Motorrennsport. Was Wunder, dass Eberhard Eickhoff schon 1962 beruflich in den Wittenberger Kraftverkehr wechselte, dort auch seinen Verkehrsmeister machte.

Für den ersten Mercedes Teile selbst nachgearbeitet

Für seinen ersten Mercedes musste er viel improvisieren. Teile gab es in der ehemaligen DDR dafür ja so gut wie nicht. Da halfen die Geschwister im Westen, anderes wurde aufgearbeitet, getauscht oder entsprechend nachgearbeitet. Lange tat der Mercedes gute Dienste, sogar noch, als Eberhard Eickhoff auf einen Wolga wechselte. Denn den Mercedes-Dieselmotor baute er dort ein. "Wenn ich damit an die Tankstelle kam und vor die Dieselsäule fuhr, machten mich die Tankwarte immer ganz aufgeregt darauf aufmerksam, dass der Wolga doch ein Benziner ist", schmunzelt der Auto-Tüftler.

Später baute er sich einen Lada auf. "Ein neues Auto konnten wir uns nie leisten", erzählt der Familienvater von drei Söhnen, der gemeinsam mit seiner Christa und Kollegen nach Feierabend auch das Häuschen in Lindenberg im wahrsten Sinne des Wortes mit eigenen Händen aufbaute. Eine Autobestellung hatten Eickhoffs aber doch, "für einen neuen Wartburg, den wollten wir dann gegen einen gebrauchten Lada tauschen. Aber wir waren erst nach der Wende dran, und da haben wir dann dankend verzichtet", erzählt Eickhoff.

Schließlich gab es jetzt ja ganz andere Möglichkeiten, vor allem was die Lieblingsautomarke des Lindenbergers anbelangt. So wurde ein Mercedes 190 erworben, ein Unfallwagen, den Eberhard Eickhoff in mühevoller Kleinarbeit wieder aufarbeitete "und mit Hilfe vieler alter Bekannte aus meinen beruflichen Kontakten zu DDR-Zeiten", freut sich der Lindenberger über die Hilfsbereitschaft auch so mancher kleiner Unternehmen. 17 Jahre sind Eickhoffs mit dem Mercedes gefahren, insgesamt 238 000 Kilometer. Und es wären wohl noch mehr geworden, hätten nicht einige deutsche Städte Umweltzonen eingeführt. Darunter auch Stuttgart, wo seit Jahren einer der Eickhoffschen Söhne mit seiner Familie lebt. Also schaffte sich der Lindenberger 2008 einen Mercedes 200 an, wieder ein Unfallwagen, an dem er dann fast ein Jahr bastelte.

Und warum jetzt das Cabriolet? Ganz einfach, "das war schon immer mein Traum", gesteht der Autofreak. Aber das sei es nicht allein. Eberhard Eickhoff ist seit gut 20 Jahren Mitglied der Oldtimerfreunde Perleberg, nahm auch schon an vielen Ausfahrten teil, aber immer mit seinen Oldtimer-Motorrädern. "Da steigt Christa nicht auf, also muss ich immer allein auf Tour gehen." Das gefällt dem Ehemann auf Dauer nicht. Und deshalb wird jetzt der Mercedes SL aufgearbeitet. Wirklich Stück für Stück, von dem alten Wagen bleibt praktisch kaum etwas übrig. Eberhard Eickhoff hat alles fotografiert, aufgelistet, sortiert. Jetzt arbeitet er auf. 2012, zu Saisonbeginn im Frühjahr, soll das Schmuckstück fertig sein, dann geht es auf Oldtimerfahrt. Auch Christa freut sich schon darauf.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen