Ein Jahrzehnt im Biosphärenreservat

Mit Pfeil und Bogen schoss Finn-Erik bei Mabel Jung von der Alten Schule.
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Mit Pfeil und Bogen schoss Finn-Erik bei Mabel Jung von der Alten Schule.

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13. September 2010, 09:37 Uhr

Roggendorf | Seit zehn Jahren existiert das Unesco-Biosphärenreservat Schaalsee, seit 20 Jahren das Naturschutzgebiet. Das feierten die Verwaltung des Biosphärenreservates, der Förderverein und die vielen inzwischen Beteiligten am Sonnabend rund um das Roggendorfer Schloss. Hunderte Gäste aus der näheren Umgebung und von weit her, nutzten den spätsommerlichen Tag, sich über das Biosphärenreservat aber auch über die Roggendorfer Schlossanlage zu informieren. Unter anderem dieser Zuspruch zeigte, dass sich trotz mancher Kritik viele Bewohner der Region inzwischen mit dem Biosphärenreservat identifizieren können. So wie es auch Robert Paeplow, der Vorsitzende des Fördervereins der Biosphäre Schaalsee tut. "Wurde ich früher gefragt, wo ich wohne, sagte ich Ratzeburg und bekam als Antwort: Ah, wo der Deutschland-Achter fährt", schilderte Paeplow. "Heute sage ich, ich lebe in der Schaalseeregion. Auch sie ist bekannt und wo ich bin werbe ich für unsere Region", so der Schlagsdorfer. Eines seiner Ziele für die Zukunft sei jedoch, die Akzeptanz des Biosphärenreservates auszubauen und deutlich zu machen: "Was hier ist, ist einzigartig."

Das vertiefte in einem Vortrag der WWF-Aktivist Thomas Neumann. Er erklärte die Entwicklung der Seeadler in der Schaalseeregion, die um 1850 in Deutschland fast ausgerottet waren. Als der WWF 1968 in Westdeutschland mit dem Adlerschutz begann, sei es "fünf vor zwölf" gewesen. Vergiftungen durch Pestizide und Quecksilber, aber auch durch bleihaltige Munition, die über Aas aufgenommen wird, hatten lange dafür gesorgt, dass die wenigen Adler keinen Nachwuchs bekamen.

Noch zu DDR-Zeiten reiste Neumann über die innerdeutsche Grenze, um sich bei Schwerin mit Naturschützern zu treffen. Der Kontakt wurde ausgebaut und mit dem Mauerfall 1990 konnte der grenzübergreifende Naturschutz beginnen. So konnte sich die Zahl der brütenden Adlerpaare seit 1969 von einem auf sechs in 2009 steigern.

Ähnlich wie beim Schutz seltener Tiere wie dem Seeadler, geht es auch beim Schutz der Pflanzen und der Landschaft teilweise darum, Fehler der Vergangenheit wieder auszubügeln. So ist inzwischen Bekannt, dass Moore weltweit etwa 250 Gigatonnen Kohlendioxid speichern. Das erklärten Ingo Valentin und weitere Ranger des Biosphärenreservates Besuchern bei Führungen durch das Roggendorfer Moor. "Aus diesem Grund ist es auch wichtig, dieses Moor wieder zu vernässen", nennt er einen zukünftigen Plan. Um 1790 war in dem 200 Hektar großen Moorgebiet mit dem Torfabbau begonnen worden. Dazu wurde das Moor entwässert, wodurch es seine natürliche Funktion nach und nach verloren hat.

An Vertiefungen, die noch auf den Torfabbau hinweisen, erklärte Ingo Valentin, welche Pflanzen durch die Entwässerung aus den Mooren verschwinden. Auch zu ihrem Schutz sollte nach Ansicht des Rangers das Moor wieder werden wie vor rund 200 Jahren. "Das wird vermutlich mindestens zwei Menschengenerationen dauern. Aber wir, beziehungsweise unsere Vorfahren, haben es so verändert", sagte Valentin. "Wir dürfen ja nicht nur an uns denken, sondern auch an folgende Generationen."

Damit sprach der Ranger Umweltminister Till Backhaus fast aus dem Munde. Ginge es ums Klima und seine Veränderungen würde immer erst weit in die Welt geschaut - zu Naturereignissen wie in Pakistan oder abgeholzten Regenwäldern. Der nächste Blick falle zum Beispiel auf die Fluten in Polen, Sachsen oder Brandenburg. Backhaus appelliert daher, sich auch auf die eigene Heimat zu fokussieren und die Vorzüge der Region zu schätzen. "Wir sind nur Gast auf dieser Welt", sagte der Minister. "Jeder kann etwas für die Zukunft tun und hier ist eine Modellregion, wie das geschehen kann." Was in den vergangene 20 Jahren in der Schaalseeregion geschehen ist, sei ohne das Engagement der hier lebenden Menschen nicht möglich gewesen.

Was sich in den zehn Jahren des Biosphärenreservates entwickelt hat, zeigten unter anderem viele der Inhaber der Regionalmarke "Für Leib und Seele", die ihre Produkte auf einem Markt vor dem Schloss anboten. Der Klein Salitzer Schäfer Detlev Mohr zeigte einige Esel und verschiedene Schafe im Park des Schlosses, denn auch der Erhalt selten gewordener Haustierrassen ist Teil der Aktionen im Biosphärenreservat.

Wie sich der Roggendorfer Schlosspark in den nächsten Jahren verändern könnte, sofern die finanziellen Mittel dafür zusammenkommen, erklärte Planer Christian Weinreich Interessierten bei einer Führung durch die Anlage hinter dem Schloss. Dabei erläuterte er auch, wie der Park zu Zeiten des früheren Besitzers Arthur Benno Curt von Haase ausgesehen hatte. Zum Teil könnte die Anlage, die viele Teiche beinhaltete wieder hergestellt werden.

Doch vorerst konnten die Besucher den Park trocken erkunden. Dazu war für Kinder eine Rallye mit Fragen zur Natur ausgearbeitet worden. Am Sportplatz neben dem Park hatte der Verein Alte Schule aus Gadebusch außerdem das Wikingerschiff Wikthor aufgebaut und mit Pfeil und Bogen oder einer Wurfaxt konnten Besucher ihre Zielsicherheit beweisen.

Auf der Kulturbühne begeisterten währenddessen Musiker der Kreismusikschule, der Plattdeutsche Verein Roggendorf und die Ballettschule Rehna-Grevesmühlen mit dem "Karneval der Tiere" das Publikum.

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