Ein Jahr Südafrika

'Hier geht es hin.' Lisa Mahnke bricht Sonntag zu einem einjährigen Aufenthalt nach Südafrika auf.
"Hier geht es hin." Lisa Mahnke bricht Sonntag zu einem einjährigen Aufenthalt nach Südafrika auf.

Noch einige Tage in vertrauter Umgebung, dann bricht Lisa Mahnke nach Südafrika auf. Ein Jahr lang wird die 19-Jährige ihrer Heimatstadt Neustadt-Glewe den Rücken kehren, um in dem Entwicklungsland zu arbeiten, zu leben und zu lernen.

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13. August 2009, 11:30 Uhr

Neustadt-Glewe | Lisa Mahnke sitzt auf einer wuchtigen Holzbank im Hof der Burg Neustadt-Glewe und schlägt in einem Atlas die Seiten mit dem afrikanischen Kontinent auf. "Dort ist Johannesburg", sagt die junge Frau und tippt mit dem Finger auf den Teil der Karte, der Südafrika zeigt. Johannesburg, dort wird sie nach elfstündigem Flug am Sonntag landen, ein dreitägiges Seminar absolvieren und dann weiter reisen. Ihr Ziel ist das 120 Kilometer südwestlich von Johannesburg entfernte Potchefstroom, eine Stadt mit rund 132 000 Einwohnern, vielen Problemen und einem Kinderhaus namens "Abraham Kriel". Das wird für das kommende Jahr das Zuhause von Lisa Mahnke.

"Afrika hat mich schon immer interessiert", sagt die 19-Jährige. Sie hat viel über den Kontinent gelesen und hört gerne Reggae-Musik. Jetzt, da sie ihr Abitur in der Tasche habe und sich mit dem Studium noch etwas Zeit lassen wolle, sei genau die richtige Zeit für ein Lerndienstjahr. Dieses Jahr wird über ein entwicklungspolitisches Förderprogramm vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung angeboten und läuft unter dem Namen "weltwärts". Lernen durch tatkräftiges Helfen - das ist das Motto des Freiwilligendienstes. "Weltwärts" soll das Engagement für die Eine Welt nachhaltig fördern und versteht sich als Lerndienst, der jungen Menschen einen interkulturellen Austausch in Entwicklungsländern ermöglicht. Durch die Arbeit mit den Projektpartnern vor Ort in den Entwicklungsländern sollen die Freiwilligen unter anderem lernen, globale Abhängigkeiten und Wechselwirkungen besser zu verstehen. Den Projektpartnern soll der Einsatz im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe zugute kommen.

"Als Entsendeorganisation hat sich Lisa Mahnke für das Deutsch-Südafrikanische Jugendwerk entschieden. Dieser Verein betreut die Neustädterin auch während ihres einjährigen Aufenthaltes vor Ort. Die Finanzierung des Lerndienstjahres steht auf mehreren Füßen. Einen Teil steuert "weltwärts" bei, den anderen ein Sponsoring-Förderkreis, den Lisa Mahnke selber aufbauen musste. Die Akquise der jungen Frau war erfolgreich, im Gegenzug hat sie sich verpflichtet, ihren Sponsoren regelmäßig Projektberichte zu senden.

"Mein Arbeitstag beginnt um 14 Uhr und endet um 20 Uhr", sagt die ehemalige Goethe-Gymnasiastin. Insgesamt werden in dem Kinderheim rund 200 Mädchen und Jungen betreut, die aus schwierigen Verhältnissen kommen. 27 junge Mädchen und Frauen zwischen 14 und 18 Jahren wird Lisa mitbetreuen, im selben Haus mit ihnen wohnen und ihnen Nachhilfe in Mathe oder Englisch geben. Doch die Mecklenburgerin will nicht nur Wissen vermitteln, sie will auch viel lernen. "Die landestypische Sprache Afrikaans beispielsweise", sagt Lisa Mahnke. 42 Tage Urlaub wird sie haben, und sie möchte diese Zeit nutzen, um das Land zu bereisen. "Außerdem bin ich noch in Südafrika, wenn dort im kommenden Jahr die Fußball-Weltmeisterschaft stattfinden wird", sagt der Fußballfan, der zur WM auch Besuch aus Deutschland erwartet.

Der Tag der Abreise rückt näher. Von den Freundinnen hat sich Lisa Mahnke schon verabschiedet, die Eltern fahren mit ihr zum Flughafen nach Frankfurt am Main. Ihren fünf Geschwistern sagt sie vorher adé. "Noch bin ich nicht aufgeregt", sagt sie. "Aber das kommt bestimmt noch." Bestimmt.

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