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Lokales

21. Oktober 2017 | 10:34 Uhr

Ein Jahr nach der Explosion

vom

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erstellt am 31.Aug.2010 | 01:05 Uhr

Wittenberge | Mahnend erinnert der Schuttberg auf dem Grundstück mit der Nummer 76 in der Kyritzer Straße an das Unglück vor genau einem Jahr. Der Knall der Gasexplosion, die sich gegen 14 Uhr an diesem Ort in Folge einer defekten Heizung ereignete, war in der ganzen Stadt zu hören, und das sich anschließende Konzert aus Martinshörnern bestätigte den Verdacht vieler Menschen, dass etwas schlimmes passiert sein musste. Ein damals 47-jähriger Mann überlebte das Unglück schwer verletzt, für seine 55-jährige Nachbarin kam jede Hilfe zu spät.

Die Schäden an den umliegenden Gebäuden sind inzwischen repariert. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite markieren einige helle Latten an einem dunklen Zaun, wo die Druckwelle der Explosion durchgefegt war. Wann auch das Grundstück Nummer 76 beräumt werden kann, ist nach wie vor offen, obwohl die Staatsanwaltschaft Neuruppin ihre Untersuchungen abgeschlossen hat. Einem Tüv-Gutachten zufolge war ein Defekt an der Heizung Auslöser für das Unglück.

"Wir wissen, dass es bei der Regulierung des Schadens auf dem Grundstück Nummer 76 Unstimmigkeiten bei den Versicherungen gibt", sagte Ordnungsamtschef Gotthard Poorten auf "Prignitzer"-Nachfrage. "Momentan geht von dem Grundstück zwar keine Gefahr aus, aber natürlich hat die Stadt ein hohes Interesse daran, dass dieser Schandfleck möglichst bald neu gestaltet werden kann." Ob dort neu gebaut werde, liege an den Eigentümern der Grundstücke.

Daran glauben viele Nachbarn vorerst nicht. "Die Erinnerungen an das Unglück kommen immer wieder hoch, wenn man den Trümmerhaufen sieht", sagt Rosemarie Schulz. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Eigentümer dort wieder bauen wollen, da hängen sicher zu viele Emotionen dran." An ihrem Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite war ein Schaden von rund 30 000 Euro entstanden. "Die Versicherungen haben alles schnell in die Wege geleitet, das hat es für mich einfacher gemacht, damit umzugehen.

Auch Hansjürgen Heuer, Bewohner der Kyritzer Straße 72, die unmittelbar an die drei völlig zerstörten Häuser grenzt, wurde schnell geholfen. "Alle Türen und Fenster waren kaputt, dazu die Schäden am Dach, aber die Versicherungen haben zügig gehandelt", sagt er. Vergessen könne er den Anblick der Ruine nebenan jedoch nicht. "Jetzt sollte die Stadt langsam Druck machen, damit der Trümmerberg endlich verschwindet", findet Heuer.

Doch nicht nur die Anwohner, sondern auch die Helfer der Feuerwehren des Rettungsdienstes und des THW mussten das Erlebte verarbeiten. "Die Gasexplosion war in Bezug auf die Kräfte und die Technik vor Ort der umfangreichste Einsatz seit dem Hochwasser 2002", blickt Wittenberges Wehrführer Chris Brandt zurück. "In den Tagen danach haben die Kameraden schon das ein oder andere Mal über das Erlebte gesprochen, und ich denke, die gemeinsame Nachbereitung des Einsatzes mit allen Beteiligten hat jedem von uns bei der Verarbeitung geholfen."

Allerdings kann der Wehrführer dem Einsatz auch etwas positives abgewinnen. "Der Ernstfall hat gezeigt, wie gut die Zusammenarbeit beispielsweise mit dem THW klappt, wenn es drauf ankommt. Wir sind dadurch ein Stück enger zusammengerückt."

Außer den Feuerwehrleuten und Rettungsdiensten war auch Pfarrer Olaf Glomke vom Team der Prignitzer Not fallseelsorge anwesend, um Betroffenen und Angehörigen Trost zu spenden. "Es ging darum, einfach da zu sein und zuzuhören oder gemeinsam zu schweigen", so Glomke. "Und die Tatsache, dass die Menschen das Angebot angenommen haben zeigt, dass wir mit unserer Arbeit einen wichtigen Beitrag in solchen Ausnahmesituationen leisten können.

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