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Lokales

22. September 2017 | 13:53 Uhr

"Ein Hund sollte einen Job haben"

vom

svz.de von
erstellt am 30.Mär.2011 | 06:36 Uhr

Lutheran | Floppy heißt der große schwarze Rüde, der freudig mit dem Schwanz wedelnd auf dem Fußweg auf und ab springt. Immer wieder wirft Floppy seinem Ausbilder, Raimon Jordt, einen Blick zu und wartet auf dessen Zustimmung, loszustürmen und die Gegend zu erkunden. Jordt, der in Lutheran eine Hundeschule führt, bildet den einjährigen Wirbelwind derzeit zum Assistenzhund aus. Dies bedeutet, dass Floppy in Zukunft einen körperlich behinderten Menschen durch den Alltag begleitet und ihm bei bestimmten Aufgaben zur Hand gehen wird.

"Ich wollte etwas Sinnvolles aus ihm machen. Ein Hund sollte einen Job haben", erklärt Jordt seine Intention, dem Rüden diese besondere Ausbildung zukommen zu lassen. "Und Floppy ist ein toller Apportier-Hund. Er schleppt seine Stoffente überall hin." Hinzu kommt, dass der Labradudel - eine Kreuzung aus Labrador und Pudel - ein echter Sympathieträger ist. Und weil er bei Artgenossen wie auch Menschen so gut ankommt, ist er für den Job als Begleithund bestens geeignet, findet Jordt.

Der runde Körperbau macht Floppy zum Sympathieträger

"Die Aufgabe eines Begleithundes ist es auch, eine Brücke zwischen dem Behinderten und seinem sozialen Umfeld zu schaffen", erklärt der Ausbilder, während er Floppy das schwarze, flauschige Fell krault. "Labradudel sind gut für diesen Job geeignet. Diese Rasse ist wegen ihrer runden Körperform ein Sympathieträger und ihr Fell ist pflegeleicht." Floppy ist zudem sensibel und leichtführig, sagt Jordt. Auch dies qualifiziere ihn für seinen neuen Job.

Die Ausbildung des Rüden dauert etwa neun Monate - im Sommer wird er sie beendet haben. "Seine Aufgaben stehen aber noch nicht fest. Da muss man individuell nach den Bedürfnissen des zukünftigen Halters schauen", sagt Jordt. Und wer Floppy´s neues Herrchen sein wird, ist derzeit noch nicht ganz klar.

Klar ist aber, dass er bestimmt Aufgaben zu meistern haben wird. Dazu gehört es, Türen zu öffnen, Gegenstände aufzuheben, das Licht auszuschalten und seinem künftigen Halter zu helfen, die Jacke auszuziehen. Dies seien klassische Aufgaben eines Begleithundes, erläutert der Ausbilder. Floppy stürmt derweil begeistert über die Äcker und nimmt die Büsche in der Nähe unter die Lupe. Dann sagt Jordt: "Sitz!". Der Labradudel kommt sogleich von seinem Ausflug zurück und setzt sich ihm zu Füßen. "Das klappt sehr gut. Diesen Grundgehorsam muss er haben - er muss auf Sitz, Platz und Fuß sofort reagieren." Außerdem sei es wichtig, dass Floppy lerne, im Haus nichts zu zerstören. "Damit er nach menschlichen Gesichtspunkten nicht negativ auffällt", so Jordt. Derzeit steht ein solches Grundtraining auf dem Plan und der junge Rüde macht sich gut.

Jordt arbeitet nur mit Hunden, die eigene Motivation mitbringen

Das Ziehen übt Floppy mit seinem Lieblingsspielzeug - einer Stoffente. "Da hat er sowieso Lust, daran zu ziehen. Also fangen wir an, dass ich an der Ente ziehe und ihm das Kommando gebe: ,Zieh!. Irgendwann kann man das auf andere Sachen ummünzen, zum Beispiel eine Jacke." Floppy springt derweil in Erwartung des nächsten Kommandos um seinen Ausbilder herum. Er stürmt los, als Jordt die Stoffente in weitem Bogen über die Felder wirft. Kurz darauf ist der Rüde wieder da - die Ente im Maul. "Ich arbeite nur mit Hunden, die von Natur aus Motivation mitbringen", erklärt Jordt. "Wenn man das Tier nur durch ein Leckerli dazu bekommt, Sachen zu machen, dann wird es in der Praxis nicht funktionieren", weiß der Ausbilder aus Erfahrung.

Floppy bringt die nötige Begeisterung mit, sagt Jordt. Sofort als er das Kommando "Sitz!" gibt, setzt sich der Rüde ihm still zu Füßen, schaut mit großen Augen sein Herrchen an und wartet gespannt darauf, welche Aufgabe er als nächstes meistern darf.

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