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Lokales

11. Dezember 2017 | 14:30 Uhr

Ein Hauch von Venedig in Perleberg

vom

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erstellt am 03.Aug.2010 | 05:23 Uhr

Perleberg | "Das sind meine Eltern und Geschwister", berichtet Devone und deutet auf ihren Reifrock. Erste Bilder aus dem Familienalbum zieren diesen. Ihren Stammbaum will die Elfjährige am Freitag auf dem Laufsteg präsentieren. Luise hingegen ist eine kleine Naschkatze und das trägt sie an jenem Tag dann auch offen zur Schau. "Ein Kleid aus Bonbons, Schleifen und Knöpfen mache ich mir." Hilfreich zur Hand geht ihr dabei Lea (16). Denn die Krinoline, wie der Reifrock fachmännisch genannt wird, wird am Körper gefertigt. Hula-Reifen, Besenstiel, Bänder und Schnüre werden zu einer solchen maßgeschneidert.

"Alles was verbindet" heißt das Ferienprojekt der Jugendhilfe Nordwestbrandenburg. Seit Montag hat sich das Pädagogische Zentrum am Perleberger Friedrich-Engels-Platz so in eine kleine Schneiderstube verwandelt. Allerdings surren hier keine Nähmaschinen, "Kleber hält alles zusammen", bringt es Cornelia Golisch-Koch auf den Punkt. Im Wartezimmer stach der Sozialarbeiterin ein Beitrag ins Auge, der sie faszinierte und nicht mehr losließ. Eine junge Frau wurde vorgestellt, die traumhafte Kostüm für den Karneval in Venedig fertigt und sogar schon Preise gewann. Kurzentschlossen nahm Cornelia Golisch-Koch mit Tanja Schulz-Hess Kontakt auf und erzählte ihr von der Idee eines Ferienprojektes.

"Und hier bin ich", so die Hamburgerin, die als Redaktionssekretärin arbeitet. Ganz nebenbei entwirft und klebt sie zauberhafte Kostüme. Ein Trip zum Karneval nach Venedig brachte sie einst auf die Idee. Nur im Kostüm wollte sie wiederkommen, schwor sie sich. Gesagt, getan - allerdings lagen dazwischen Jahre und etliche Versuche, mit der Nähmaschine eins zu werden. "Die wollte aber nicht, wie ich", gesteht Tanja Schulz-Hess unverhohlen ein und fand in Heißkleber und Tacker schließlich eine brauchbare Alternative. Mit einem einfachen Kaftan und einem Kopfteil aus Draht sorgte sie für einen ersten Hingucker in Venedig. "Es ist einfach ein tolles Gefühlt angehimmelt zu werden, wenn man ein Kostüm trägt", so die junge Frau.

In den Jahren wurden ihre Kostüme immer größer und schöner, und sie zeigte sich auch mit ihnen bei der Modenschau auf dem Markusplatz im Reigen von Profis und "Hobbymonteuren", wie sie scherzhaft sagt. Einmal im Leben hier zu siegen, das sei der Traum eines jeden. Tanja Schulz-Hess schaffte es mit ihren Kostümen gleich dreimal hintereinander - ein Novum bis dato. Mitmachen darf sie weiterhin, aber außerhalb der Konkurrenz, um auch anderen eine Chance zu geben.

Mit den Kindern aus der Gemeinde Karstädt startet sie nun modemäßig einen Exkurs in die Zeit des Barocks. Und dazu ging es erst einmal in den Baumarkt und diverse Billigmärkte. Denn eigentlich gibt es nichts, wofür die Hamburgerin keine Verwendung hat: Duschvorhänge, Bänder, CDs, Blüten und Blätter, Draht, Kleidungsstücke vom Flohmarkt. In einer Bewerbung teilten ihr die Mädchen zuvor mit, was für Mode sie gerne für sich kreieren möchten. Als Antwort kam eine Liste mit Dingen, die sie fleißig sammeln sollten. Daraus entstehen nun im Stile des Barocks unter anderem das verrückte Huhn, der Stammbaum, das Naschkätzchen, der Sommer. Mit Feuereifer sind die Kids bei der Sache. "Ich wollte immer was mit Mode machen", berichtet Luise. Doch sie hat, wie die anderen auch, noch nie an der Nähmaschine gesessen. "Kleben ist viel einfacher und funktioniert", bestätigt Devone, die den Reifrock außerdem ziemlich cool findet. "Und wie man sich damit auch hinsetzen kann, das lernen wir auch."

Am Freitagabend führen die kleinen Models ihren Eltern die kreativen Maßanfertigungen vor.

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