Archäologen „schnitten“ die Schwedenschanze bei Horst auf : Ein Geheimnis ist gelüftet

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Wo haben jene Menschen gelebt, die ihrem Herrscher im 9. Jahrhundert vor Christi in Seddin eine prächtige Grabstätte errichteten? Mit der Herbstgrabung sind die Archäologen der Antwort ein Stück näher gekommen.

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23. November 2010, 10:40 Uhr

Horst | Thomas Hauptmann vom Büro für archäologische Baugrunduntersuchungen stellte am Freitag (der Prignitzer berichtete am Sonnabend kurz auf Seite 1) die Ergebnisse der fünftägigen intensiven Erforschungen vor. Das Ergebnis ist herausragend. "Wir können jetzt sagen, dass es einen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Königsgrab von Seddin und der Schwedenschanze in Horst gibt", fasst Professor Dr. Franz Schopper als Leiter des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege zusammen. Auf "Prignitzer"-Nachfrage ergänzte er mit Verweis auch auf die räumliche Beziehung. Allerdings lasse sich nicht mit Gewissheit sagen, ob der Herr von Horst jener war, der in Seddin beigesetzt wurde, zumal außer der dortigen Grabanlage aus der Bronzezeit weitere in der näheren Umgebung existierten.

Gewissheit haben die Grabungen von Hauptmann und Kollegen zur Nutzung der Schwedenschanze gebracht. Der Wall umschließt im Wald nahe Horst ein an die Dömnitz grenzendes Areal. Das Gelände fällt relativ steil zum Ufer des Flüsschens ab. Der Wall ist stark verwittert, von Bäumen und Gesträuch bewachsen.

Was birgt er in seinem Innern? Seit wenigen Tages gibt es darauf erstmals eine Antwort. In diesem Jahr, es war die dritte Grabungskampagne in Folge, haben die Archäologen den Wall quasi aufgeschnitten. Damit gab die Schanze ihr Geheimnis preis. "Wir können vier Nutzungsarten nachweisen", sagt Thomas Hauptmann. Er hält ein noch gut erhaltenes Urnengefäß in der Hand. Es kündet von einem Gräberfeld an dieser Stelle. Aber auch Siedlungsspuren haben die Archäologen nachweisen können. Sie belegen, dass hier am Ufer der Dömnitz, die den Handel über die Stepenitz bis hin zur Elbe möglich machte, zur Bronzezeit Menschen gelebt haben. Spuren von Feuer, die der geöffnete Wall ebenfalls freigab, werden noch genauer zu untersuchen sein, ebenso wie jene Funde, die die Schwedenschanze als Wallanlage charakterisieren. "Eine genauere zeitliche Einordnung wird möglich sein, wenn die Radio-Karbon-Untersuchungen der gefundenen Materialien abgeschlossen sind", sagt Professor Schopper.

Aber schon jetzt erregt die Grabung mit ihren Erkenntnisse deutschlandweit Aufsehen. Wissenschaftler der Freien Universität und der Humboldt-Uni Berlin, der Universität Göttingen sowie aus Sachsen tauschen sich Ende letzter Woche an der Schwedenschanze zu den bedeutenden Funden aus.

Dem Landkreis Prignitz ist es zu danken, dass zehn Jahre lang kontinuierlich am Königsgrab von Seddin geforscht werden konnte, dass die drei Grabungen bei Horst stattfanden. Denkmalschutz gehöre zu den Pflichtaufgaben der Kreisverwaltung. Wie die Mittel verteilt werden, liege in den kreislichen Händen. Seit zehn Jahren fließt das Geld für archäologischen Grabungen, in diesem Jahr wieder 6000 Euro. Edelgard Schimko als zuständige Fachbereichsleiterin hebt die Verantwortung des Landkreises hervor, sprich von den Vorstellungen der unteren Denkmalbehörde und des Landesamtes für Denkmalpflege, das Königsgrab und die bedeutenden Fundstätten in der Umgebung durch einen archäologischen Pfad zu verbinden als besonderes kulturtouristisches Angebot.

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