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Lokales

23. Oktober 2017 | 04:45 Uhr

Ein ganzes Land wird zum Pflegefall

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erstellt am 01.Apr.2011 | 08:58 Uhr

Schwerin | In keinem Bundesland ist die Zahl der Pflegebedürftigen so drastisch gestiegen wie in Mecklenburg-Vorpommern: Waren im Jahr 2003 noch 48 817 Menschen im Land auf Pflege angewiesen, stieg diese Zahl binnen sechs Jahren auf 61 442 im Jahr 2009. Dies teilte die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) gestern unter Berufung auf aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes mit. "Diese Zahlen zeigen vor allem die Folgen der demografischen Entwicklung und des medizinischen Fortschritts. Künftig wird die Frage nach einer guten und verlässlichen Versorgung im Alter noch stärker in den Mittelpunkt rücken", sagte DAK-Landeschefin Regina Schulz.

Dabei sind fehlendes Personal in Alten- und Pflegeheimen und überlastete Angehörige im privaten Umfeld nicht nur nach DAK-Angaben zentrale Probleme, die stärker angegangen werden müssen. Einer Analyse des Sozialverbandes VdK zufolge wird sich einerseits die Zahl der über 75-Jährigen von 134 383 im Jahr 2007 auf 270 178 im Jahr 2030 verdoppeln. Besonders stark wird der Zuwachs in Neubrandenburg, Rostock und den Landkreisen Bad Doberan und Rügen ausfallen.

Parallel dazu wird im gleichen Zeitraum die Zahl der Erwerbsfähigen im Alter zwischen 20 und 60 Jahren um 34 Prozent sinken - von 974 432 auf 642 238. "Standen im Jahr 2007 einem über 75-Jährigen 7,25 erwerbsfähige Einwohner gegenüber, werden es im Jahr 2030 nur noch 2,37 sein", resümiert VdK-Landesverbandsvorsitzender Jochen Rößler. Es wachse daher das Risiko, dass Kranke und Pflegebedürftige nicht mehr fachgerecht versorgt werden können, weil es nicht mehr ausreichend medizinisches und pflegerisches Fachpersonal gibt.

Dass immer weniger Frauen in Mecklenburg-Vorpommern leben - waren es 2007 noch 465 756 im Alter zwischen 20 und 60, werden es 2030 nur noch rund 308 000 sein - erschwert die Situation. Denn einerseits sind Pflegeberufe Frauenberufe, andererseits sind es auch im privaten Bereich in erster Linie Frauen, die Angehörige pflegen. Der DAK zufolge werden rund 72 Prozent der Pflegebedürftigen in MV zu Hause versorgt, entweder durch einen Pflegedienst oder durch Angehörige.

"Von der Möglichkeit, künftig den notwendigen Bedarf an Pflegekräften zu gewinnen, hängt die Zukunft der Pflege ab", resümiert Jochen Rößler vom VdK. DAK-Chefin Schulz fordert, pflegenden Angehörigen besonderes Augenmerk zu schenken, denn "sie sind die Stütze einer immer älter werdenden Gesellschaft".

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