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Lokales

23. September 2017 | 05:52 Uhr

Ein Dorf baut sich sein Löschfahrzeug

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svz.de von
erstellt am 24.Okt.2010 | 05:09 Uhr

Sargleben | Sonnabend, kurz nach 7 Uhr. In der Werkstatt der Firma Bruhns im Karstädt/Postliner Gewerbegebiet wird bereits gehämmert, geschraubt, das Kreischen der Metallsäge erfüllt die Halle. Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Sargleben sind am Werkeln. "Wir bauen uns ein Löschfahrzeug auf", sorgt Wehrführer Mario Stech für Aufklärung.

Baujahr 1974 ist das alte. Seine Schuldigkeit hat es längst getan. "Wir haben es gerade noch mal durch den TÜV bekommen", so der Wehrführer. Einst war der LF 8 ihr ganzer Stolz. Für 15 000 DM bekamen sie es zur Wende direkt aus dem Westen, gebraucht versteht sich. "Wir waren nicht nur mit die erste Wehr in der Gemeinde, die einen fahrbareren Untersatz bekam, es war auch unser erstes Fahrzeug überhaupt. Zuvor hatten wir nur einen Hänger ", erinnert sich Mario Stech. Inzwischen sind fast 20 Lenze ins Land gezogen, die Wehr selbst begeht in diesem Jahr ihren 77. Geburtstag. "Und weitere wollen wir feiern", lassen die Kameraden nicht einen Hauch von Zweifel aufkommen. So haben sie auch gekämpft für ein neues Löschfahrzeug.

Die Gemeinde sagte schließlich Unterstützung zu, und die Sarglebener Blauröcke selbst nahmen das Geschick mit in die eigenen Hände. Der Wehrführer und seine Truppe klopfte an jeder Haustür im Dorf und es klingelte tüchtig in der Sammelbüchse für das neue Löschfahrzeug. Über 3000 Euro kamen so schon zusammen, "wieviel Geld direkt überwiesen wurde, das wissen wir noch nicht", fügt der Wehrführer ein.

Rund 40 000 Euro wird das Fahrzeug kosten, wenn es aufgebaut und ausgerüstet ist. Den Aufbau übernehmen die Kameraden in Eigenregie. Hilfe und vor allem auch fachkundige Unterstützung haben sie dabei von der Firma Bruhns, die nicht nur die Werkstatt zur Verfügung stellt, sondern auch Meister Norbert Henke. Jener ist selbst Wehrführer in Pinnow, kennt sich bestens aus in puncto feuerwehrtechnischer Ausrüstung und ist auch der Kfz-Fachmann. Gemeinsam mit Firmeninhaber Harald Bruhns, der auch Mitglied der Sarglebener Wehr ist, und Meister Henke, entwickelte die Wehr ein Projekt und "das bekommt nun Gestalt", sagt Mario Stech und deutet auf den Sprinter.

500 Liter Wasser wird das neue Fahrzeug an Bord haben und für den Schnellangriff ausgerüstet sein. "Während wir sonst sechs Leute brauchten, um ausrücken zu können, sind dann nur noch drei notwendig", erläutert der Wehrführer.

34 Mitglieder zählt die Sarglebener Wehr, das Dorf selbst nur knapp 90 Einwohner. "Ganze Familien sind in der Feuerwehr", berichtet der Wehrführer, und der Stolz ist unüberhörbar. Nachwuchssorgen, derzeit habe man die nicht. Erst jetzt sind drei Jugendliche wieder Mitglied geworden. David Alfert ist mit seinen 16 Lenzen mit der Jüngste und auch sein Bruder Michael (22) ist mit von der Partie. "Feuerwehr, da macht man was Gescheites und etwas Abenteuer ist auch dabei", gestehen die beiden.

Jennifer Krengel (27) hält in der aktiven Wehr die Ehre der Frauen hoch. "Oma und Opa waren schon Mitglied und ich wollte was tun, wollte einfach helfen können, wenn Hilfe gebaucht wird." "Doch Frauen sind noch mehr Mitglied bei uns", ergänzt der Wehrführer. "Im Dorf gibt es keinen Verein, wenn die Feuerwehr nicht was auf die Beine stellt, dann passiert auch nichts", klingt es fast im Chor. Ob Oster- oder Herbstfeuer, Arbeitseinsätze im Dorf, die Blauröcke mischen überall mit. An den nächsten Wochenenden allerdings wird jede helfende Hand in der Werkstatt gebraucht. "Wer Zeit hat, der schraubt. Vielleicht schaffen wir es, bis Jahresende unser neues Löschfahrzeug fertig zu bekommen", hofft Mario Stech. "An uns soll es nicht liegen", kontern Sandra Stech und Jennifer Krengel. "Wir Wehrfrauen sind das Cateringteam in der Werkstatt." Wenn der fast neue Sprinter aufgebaut und in den Feuerwehrdienst gestellt wird, dann wird gefeiert, "so richtig mit Segnung durch den Pfarrer, damit auch künftig jeder Kamerad gesund vom Einsatz zurück kehrt", betont Wehrführer Mario Stech.

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