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Lokales

25. September 2017 | 06:31 Uhr

Ein Dorf aus den Träumen gerissen

vom

svz.de von
erstellt am 04.Jun.2010 | 07:50 Uhr

Glaisin | Jeden Morgen werden die Glaisiner aus ihren Träumen gerissen. Pünktlich ab 4 Uhr in der Früh donnert es in dem idyllischen Dorf bis die Gläser in den Schränken wackeln.

Wenn der Berufsverkehr startet, dann müssen die Fahrzeuge über die Lindenstraße des Ludwigsluster Ortsteils fahren. "Und ist der Berufsverkehr durch, dann kommen die 30-Tonner und machen weiter", sagt Ortsteilvorsteher Jürgen Behrends. Die Bürger des vor zehn Jahren sogar auf Bundesebene prämierten schönsten Dorfes haben ein Lärmproblem. "Und das steht bei uns schon seit zehn Jahren auf dem Zettel", so Behrends. Fortschritte wurden bisher nicht erzielt.

Urlauber loben den Forsthof, beklagen aber den Lärm

Konkret geht es um den "historischen Abschnitt" der Lindenstraße in Höhe des Forsthofes und um die Schnellbergstraße, die jeweils eine Landes- und Kreisstraße sind. Zwar verfehle der Charme der gepflegten alten Pflasterstraßen nicht seine Wirkung, aber die Belastung durch Abrollgeräusche der Fahrzeuge sei für die Bewohner außerordentlich groß. "Selbst Urlauber, die im Forsthof übernachten, loben im Gästebuch, dass zwar alles schön im Dorf sei. Kritisieren aber, dass der Schlaf gestört werde", berichtet Behrends. Laut Ortsteilvorsteher würden die vom Straßenverkehr verursachten Vibrationen auch die Häuser in Mitleidenschaft ziehen. "Risse in den Wänden senken den Wert der Immobilien."

Nachdem eine Initiative, die ganze Ortslage auf eine Geschwindigkeit von 30 km/h zu reduzieren, gescheitert war, regt sich der Unmut der Dorfbevölkerung. Mittlerweile startete die dritte Unterschriftenaktionen. Ziel ist die streckenweise Reduzierung der Geschwindigkeit von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde in besonders belasteten Abschnitten innerhalb der Ortschaft.

"Wir haben jetzt schon über 300 Unterschriften gesammelt", sagt Ortsteilvorsteher Behrends erfreut und selbstbewusst mit so einem eindeutigen Unterstützervotum im Rücken. Glaisin zähle nämlich rund 370 Bürger.

Jetzt sei es an der Zeit, einen zweiten Versuch zu starten. Aus diesem Grund beschloss die Glaisiner Ortsteilvertretung auf ihrer jüngsten Sitzung am Donnerstagabend einen Antrag auf abschnittsweise Reduzierung der Ortsdurchfahrtsgeschwindigkeit zu stellen. Der Antrag soll in den Stadtausschuss Ordnung und Verkehr eingebracht und später als Vorlage der Ludwigsluster Stadtvertretung auf die Tagesordnung gesetzt werden.

Trotz einstimmiger Annahme des Antrages, diskutierte die Vertretung über die möglichen Maximalziele. "Wie in Kummer, Bresegard und Viez werden wir wohl zwischen Fahrzeugen differenzieren müssen", so der Ortsvorsteher. Gültig wäre die Geschwindigkeitsreduzierung demnach nur für den Schwerlastverkehr und Landmaschinen. Davon zeigte sich Vertretungsmitglied Wolfgang Götz wenig begeistert. "Die Anwohner verlieren die Geduld. Die Lärm und die Staubbelästigung in der Schnellbergstraße sind unerträglich", so Götz. Er würde keine Ausnahmen wollen.

30 km/h für alle Fahrzeuge hat keine Chance

Doch die erste Ablehnung durch die Landes- und Kreisträger der Straßen, sei damit begründet worden, dass der Verkehrsfluss gestört würde. "Ein Antrag, der alle Fahrzeuge einschließt, hat deshalb null Aussichten", so Behrends. Die Vertretung beschloss jedoch, sich der Rechtsauffassung des Fachausschusses zu vergewissern und gegebenenfalls den Antrag zu präzisieren.

Trommeln für das Glaisiner Anliegen in der Stadtvertretung wollen auf jeden Fall alle Ortsteilvertreter in ihren jeweiligen Fraktionen. "Wir fordern keine neue Straße, die Kosten für ein paar Schilder sind nur sehr gering", so Behrends. "Die Geschwindigkeitsreduzierung würde den Anwohnern und auch dem sanften Tourismus in Glaisin viel helfen." 40 Reisebusse pro Jahr steuern den Forsthof an. Das Dorf hat viel in den Tourismus investiert.

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