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Lokales

11. Dezember 2017 | 12:27 Uhr

Ein Abstecher zur chinesischen Mauer

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erstellt am 08.Aug.2010 | 06:48 Uhr

Neuendorf/Shanghai | "Ich freue mich schon darauf, in Neuendorf die Ruhe zu genießen und Hund Struppi zuzusehen, wie er Amseln jagt", sagt Henrike Kühn und lacht. Doch dieses Vergnügen muss noch warten. Am Mittwoch feiert die Studentin ihren 25. Geburtstag - und zwar im rund 8800 Kilometer von ihrem Heimatdorf entfernten Hongkong. Denn seit Ende Februar arbeitet die gebürtige Mecklenburgerin in China.

"Schon mit 15 träumte ich davon, einmal im Ausland zu arbeiten", erzählt die 24-Jährige per Internet-Telefonie. Nach ihrem Abitur am Bützower Geschwister-Scholl-Gymnasium erlernt sie in Frankfurt/ Main bei der Continental AG (Conti) der Beruf der Industriekauffrau. Dann begann sie mit dem Wirtschaftsstudium. Nebenbei arbeitet sie bei Conti als Werksstudentin. Das heißt, sie absolviert ein normales Vollzeitstudium, hält aber zugleich Kontakte zum Ausbildungsbetrieb. Als vor einem Jahr ein Praxissemester auf dem Olan steht, bemüht sich die Neuendorferin um eine Stelle in Australien. Mit Erfolg. So packte Henrike Kühn 2009 die Koffer, arbeitete dort für viereinhalb Monate und lernt auch Land und Leute abseit des Touristenzentren kennen. "Mein Traumland", schwärmt sie noch heute. Ende des Jahres kehrt sie nach Deutschland zurück und erhält Anfang 2010 bereits ein neues Angebot. Conti würde sie gerne nach China schicken. Schon wieder in die weite Welt? Was würden die Eltern sagen? "Doch Mama und Papa haben gleich gesagt, dass ich so eine Chance nur selten bekomme", ist die junge Frau dankbar für den familieren Rückhalt.

Die 22-Millionen-Menschen-Metropole Shanghai ist seit fünf Monaten für Henrike Kühn Arbeits- und Erlebnisort. Sie habe sich schnell eingelebt, auch dank einer funktionierenden multikulturelle Wohngemeinschaft. "Ich wohne mit einem Franzosen, einem Italiener, einer Israelin und einem Deutschen zusammen. Wir verstehen uns gut. Das ist in einer WG ja nicht immer so. Wir aber sind wie eine Familie." Verständigt wird sich auf Englisch. Wie auch in der Firma. Dort arbeitet die Studentin wie bereits in Deutschland im Personalbereich. "Ich helfe, ein Computerprogramm, das in Deutschland schon läuft, nun auch hier zu integrieren", erzählt die Neuendorferin. Dabei habe sie ihren eigenen Aufgabenbereich. Eine tolle Erfahrung. Schließlich sei die chinesische Wirtschaft eine aufstrebende.

Aber auch in der Freizeit versucht Henrike Kühn, viel von dieser völlig anderen Kultur aufzunehmen. Manches sei gewöhnungsbedürftig. Shanghai sei eine laute, pulsierende Stadt. "Die Menschen sind nur in Bewegung, zu Fuß, mit dem Fahrrad, auf dem Krad, auf dem sie alles mögliche transportieren." Das bei Europäern typische Bild von China habe sie bestätigte gefunden. Sie vermisse mehr grüne Oasen. Der Geruch von frisch gemähten Gras, wie kürzlich erlebt, bringe ein "berauschendes Gefühl". So nutzt die Neuendorferin jede Gelegenheit, dem Großstadtlärm zu entrinnen. Ein Besuch der Chinesischen Mauer darf dabei natürlich nicht fehlen. Sie hat Glück. Abseits von großen Touristenströmen, spaziert sie mit Freunden zehn Kilometer auf dem weltbekannten Baudenkmal.

Nun geht der Chinaaufenthalt zu Ende. Morgen fliegt sie noch für 14 Tage nach Hongkong, wo sie am Mittwoch ihren 25. Geburtstag feiert. Den 24. erlebte sie vor einem Jahr im australischen Melbourne. Ende August wird sie dann wieder in Neuendorf erwartet. "Auch wenn anfangs ein wenig Angst hatten, beneiden wir Henrike heute, welche Möglichkeiten junge Leute haben", sagt Ute Kühn, die Mutter von Henrike. Für die Studentin steht aber auch fest: "Ich liebe Deutschland. Neuendorf ist meine Heimat. Ich mag dort die Natur und die Ruhe."

Für die Chinareise hat sie ein Semester ausgesetzt. Das wird sie nun nachholen. Und wenn sie im Frühjahr ihren Abschluss in der Tasche hat, würde sie gerne wieder ins Ausland gehen. Wohin? "Das weiß ich noch nicht. Das lasse ich auf mich zukommen." Denn auch das habe sie bei ihren Auslandseinsätzen gelernt, insbesondere in Australien: "Dort sind die Menschen viel freundlicher, viel gelassener, regen sich nicht über jede Kleinigkeit auf."

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