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Lokales

20. November 2017 | 03:26 Uhr

Eier in Millionenhöhe

vom

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erstellt am 11.Jan.2011 | 09:29 Uhr

Premslin | Fremde Eier in Prignitzer Kartons

Eier aus Niedersachsen in einer Verpackung, die Frischeier aus der Prignitz verhieß: Der Unmut eines Perlebergers, der dies Ende vergangener Woche feststellte, ist angesichts der aktuell hochkochenden Diskussion um dioxinbelastete Eier nachvollziehbar. Wie der Geschäftsführer der Eierfarm Premslin GmbH, Peter Kühnel, auf Nachfrage unserer Zeitung erläuterte, aber unbegründet: „Es handelt sich um Eier unseres langjährigen Geschäftspartners aus Lohne.“ Sie seien nicht mit dioxinverunreinigten Futtermitteln erzeugt worden. Dafür legt das Prignitzer Unternehmen auch schriftlich seine Hand ins Feuer, informiert seine Kunden in einem Beiblatt. Dem ist zusätzlich ein Attest des Herstellers beigefügt, von dem die Premsliner ihr Futter beziehen. „Es ist die Getreide AG Karstädt“, so Kühnel.
Notwendig war der Zukauf von Eiern, weil die Premsliner Legehennen ausgestallt hatten und somit das eigene Produktionsaufkommen vorübergehend nicht reichte, um alle Abnehmer zu bedienen. Ein normaler Vorgang, der sich im Betriebsablauf ein- bis zweimal jährlich wiederhole, sagt Produktionsleiter Siegfried Balk.

Annett Reinke von der Verbraucherzentrale Brandenburg sieht die Angelegenheit ein wenig differenzierter. „Für den Endverbraucher muss schon deutlich gemacht werden, welche Eier er da in der Verpackung kauft.“ Das Problem sei den Verbraucherschützern bekannt und trete gehäuft in der Grenzregion auf. Da befänden sich dann beispielsweise polnische Eier, die auch mit der richtigen Kennung gestempelt seien, in einer Verpackung, die Eier aus Deutschland suggeriert. „Dabei sind sie lediglich in Deutschland verpackt worden“, so die Expertin. Solche Vorgehensweisen seien zwar juristisch nicht angreifbar, könnten allerdings als Ordnungswidrigkeit eingestuft und abgemahnt werden.
Die Möglichkeit, beim Verkäufer der Eier – in unserem konkreten Fall war es eine Fleischerei-Filiale in einem Perleberger Supermarkt – Aussagen zur Herkunft und Qualität des Packungsinhaltes zu bekommen oder auch beim Produzenten selbst anzufragen, reiche nach Ansicht von Annett Reinke nicht aus. „Das ist dem Endverbraucher nicht zuzumuten. Ich plädiere in solchen Fällen für Transparenz.“


Hinter den Kulissen der Eierfarm Premslin GmbH

Ob das Frühstücksei braun oder weiß ist, dürfte den Verbraucher derzeit eher weniger interessieren. Für ihn ist es angesichts des Dioxin-Skandals wichtig, dass es keine gesundheitsgefährdenden Stoffe beinhaltet. Sonst aber sei das Ei durchaus "Modeerscheinungen" unterworfen. "Früher hatten wir fast ausschließlich weiße Eier. Die braunen kamen erst nach der Wende", sagt Peter Kühnel, Geschäftsführer der Eierfarm Premslin GmbH. Das Ei kam vorübergehend sogar fast komplett aus der Mode. Man erinnere sich nur an die Cholesterin-Diskussion. Und: Auch der letzte Dioxin-Aufschrei ist erst ein gutes halbes Jahr her. Im Mai 2010 war Futter, das für die Bio-Aufzucht gedacht war, verseucht.

Seit gut 40 Jahren ist das Premsliner Unternehmen am Markt - einem schwer berechenbaren Markt. Peter Kühnel und Gesellschafter Siegfried Balk sind alte Hasen im Geschäft. Sie halten es mit der Devise: Jeden Tag ein Ei. "Natürlich essen wir die Eier aus unserer eigenen Produktion, seit Jahrzehnten, täglich", machen sie geltend. Das Vertrauen ins eigene Produkt und fleißige Akquise bescheren dem Unternehmen an die 1000 Kunden, verteilt auf ein Gebiet zwischen Rostock und Magdeburg. Während die kleineren pro Lieferung 30 Eier abnehmen, kaufen Großkunden mehrere Kisten. In den Regalen der bekannten Supermarktketten findet man Premsliner Eier hingegen nicht. Das sei eine Frage des Preisdrucks, sagt Peter Kühnel.

Druck gab es Anfang vergangenen Jahres auch von staatlicher Seite: Die Käfighaltung wurde reglementiert. Auch die Premsliner mussten daraufhin umrüsten. Heute liefert ein Teil der insgesamt rund 50 000 Legehennen Eier aus Bodenhaltung, ein Teil aus der modernisierten Käfighaltung - auch Kleingruppenhaltung genannt. Siegfried Balk weist auf das Gelände hinter dem Legehennenstall und dem Verarbeitungsgebäude: Dort habe man sich mit Land bevorratet. Eine Fläche, auf der bei Bedarf auch Freilandhaltung möglich sei.

Den Kritikern der Massentierhaltung tritt Peter Kühnel in Bezug auf das Ei mit einem schwer auszuräumenden Argument entgegen: Will man alle satt bekommen, reiche das Eieraufkommen aus alternativer Produktion bzw. aus kleinteiliger Haltung nicht. Deutschland importiere rund 40 Prozent seines Eierbedarfes. Die Importe haben natürlich auch preisliche Hintergründe, räumt Kühnel ein. "Die deutschen Landwirte stehen mit Eierproduzenten aus Polen, den Niederlanden, Spanien in unmittelbarer Konkurrenz. Der Kostendruck ist enorm."

Was ihre eigene Produktion angeht, so sind die Premsliner keine Geheimniskrämer. Der "Prignitzer" durfte hinter die Kulissen schauen, bekam alles ausführlich erklärt. Für den außenstehenden Betrachter mag der Anblick eines Bodenhaltungs-Stalls gewöhnungsbedürftig sein: Glückliche Hühner, so meint man, sehen anders aus. Peter Kühnel hält dagegen, dass nur Hennen, die auch gesund seien und sich wohl fühlten, eine gute Legeleistung erbringen. Und das täte das Premsliner Federvieh.

Für ihn als Unternehmer sind die Legeleistung und die Qualität des Produktes entscheidend. Letztere wird vierteljährlich in einem Speziallabor in Hamburg untersucht. Bislang seien alle Befunde unbedenklich gewesen.


DATEN und FAKTEN

Rund 1,2 Millionen Eier verlassen monatlich das Premsliner Unternehmen. Beliefert werden an die 1000 Kunden zwischen Rostock und Magdeburg, darunter Schulen und Kindergärten.
Die Eierfarm unterzieht sich der freiwilligen Selbstkontrolle, das heißt Premsliner Eier werden vierteljährlich in einem Hamburger Speziallabor u. a. auf Salmonellen, Kolibakterien und Schwermetalle untersucht.

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